Erwartungen nicht erfüllt

Manchmal überrascht uns Vince McMahon: da läßt er montags Mr. Kennedy bei RAW im Main Event zurückkehren, um ihn dann freitags vor die Tür zu setzen. Das muss man auf den ersten Blick nicht unbedingt verstehen.

Als vordergründiger Grund wird die unsaubere Arbeit von Kenneth Anderson (so sein bürgerlicher Name) im besagten Match genannt. So soll er durch eine verunglückte Aktion beinahe den World Champ Randy Orton verletzt haben. Nun muss man aber dagegen halten, dass ein Wrestler nach über einem halben Jahr Pause wohl soviel Ringrost angesetzt haben dürfte, dass er wohl kaum sofort auf höchstem Niveau arbeiten kann. Wer also einen Wrestler nach so langer Pause ins kalte Wasser wirft, sollte sich nicht wundern, wenn die Leistung noch nicht stimmt. So mag die unsaubere Arbeit zwar der berühmte Tropfen gewesen sein, aber die wahren Gründe für die Entlassung dürften woanders liegen.

Schlimmer wiegen wohl zwei, drei andere Punkte: so machte Anderson durch kritische Bemerkungen zur "Wellness Policy" auf sich aufmerksam – eine Regelung, wegen der er 2007 suspendiert wurde, da er des Steroidmißbrauchs überführt wurde. Die genannte Suspendierung zeigt aber auch, dass Andersons Stern sich schon länger im Sinkflug befindet. Denn während die Main Eventer und wichtigen Uppercarder "zufällig" nicht gegen die Wellness Policy verstoßen, traf es mit Anderson einen durchaus aufstrebenden Star. Hätte man in ihm damals großes Potential gesehen, ich bin mir sicher, er wäre nie suspendiert worden. Aber da war das Kind wohl schon in den Brunnen gefallen.

Aus meiner Sicht ist aber der wichtigste Grund für seine Entlassung die enorme Verletzungsanfälligkeit des Superstars. So hatte Mr. Kennedy in der Vergangenheit mehrere schwere Verletzungen, die ihn gleich mehrere Monate außer Gefecht setzten – und zwar immer dann, wenn seine Karriere gerade in Schwung kam. Dabei mußte unter anderem sein Gewinn des Money-in-the-bank-Matches revidiert werden, was aus WWE-Sicht eine mittlere Katastrophe gewesen sein dürfte.

Wie erwähnt, kam Mr. Kennedy gerade aus einer weiteren langen Pause, die er immerhin genutzt hat, einen mittelprächtigen Film zu drehen. Während der Verletzung wollte man ihn bestimmt nicht entlassen, aber die vielen Verletzungen dürften ein entscheidender Grund sein, den durchaus talentierten Mann zu entlassen. Denn was nutzt das größte Können, wenn der Körper streikt? Irgendwie ist Mr. Kennedy der Sebastian Deisler des Wrestlings – ein vielversprechendes Talent mit allen Chancen, dessen Körper für den Beruf einfach ungeeignet ist. Ich denke, insgesamt sah man bei "Mr. Kennedy" einfach keine Möglichkeit mehr, dass dieser die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllen können wird.

Für "Mr. Kennedy" wird es im Wrestlinggeschäft allerdings weitergehen. Wie bei jedem entlassenen WWE-Superstar dürfte auch bei ihm bald TNA anklopfen, um von seinen Bekanntheit zu profitieren. Zwar wird er nicht als "Mr. Kennedy" auftreten dürfen, aber auch ein "Mr. Anderson" läßt viel Platz für einige Wortspiele. Matrix-Fans werden wissen, wovon ich schreibe..

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