Rückblick auf Dortmund

Am Freitag war ich in Dortmund, machte doch WWE Inc. mit dem SmackDown-Kader in der dortigen Westfallenhalle einen Zwischenstopp. Nachdem ich mit Magnus schon im November den Kölner Event der damaligen Europa-Tour gesehen haben, war ich nun gespannt, wie es diesmal werden würde.

Ich möchte hier nicht die Ergebnisse auflisten, diese kann man überall im Netzwerk des WeltWeiten Wahnsinns nachlesen. Vielmehr möchte ich ein paar Eindrücke loswerden.

Leere Ränge

Das Parkett, wo die Plätze regulär gut 100 Euro kosten sollten, war gut besetzt, aber die Ränge waren fast schon verwaist. In unserem Block (103) waren deutlich mehr Plätze frei als besetzt, dasselbe Bild zeigte sich in den anderen Rängen. Die „Billig“-Plätze weiter oben waren schon wieder etwas besser gefüllt, aber der Gesamteindruck bleibt: das Interesse scheint nicht so riesig zu sein.

Die Gründe sind sicherlich vielfältig. Natürlich ist die Hochzeit des Wrestling vorbei. Die goldenen 90er wirken nicht mehr nach, das Monopol von WWE Inc. hat seine Spuren hinterlassen. Dazu kommt sicherlich der Fakt, dass dieselben Gesichter erst im November durch Deutschland tourten, so dass eine gewisse Übersättigung eintreten dürfte, die durch den nächsten Punkt verstärkt wird – die Preise. Die günstigsten Karten sollten ca. 40 Euro kosten, für vernünftige Sitzplätze musste man 70 Euro kalkulieren. Will man dann noch zwei Bier trinken und was knabbern, ist man pro Nase schnell 100 Euro los. Gerade das vielfach jugendliche Publikum muss bei solchen Preisen passen.

Solide Action

Man darf bei einer Houseshow natürlich kein Hochgeschwindigkeitswrestling erwarten, wie man es in den TV-Sendungen oder bei PPVs sieht. Dafür sind Houseshows auch nur bedingt da. Es geht um die Interaktion mit den Fans und um die Unterhaltung. Unter diesem Aspekt waren alle Matches wirklich gut und solide, es gab keinen Abfall bei der Matchqualität. Allerdings waren auch nur pro Match nur wenige besondere Momente, nicht selten war das Tempo sogar relativ gering. Das ist verständlich, schließlich möchte ich als Fan auch nicht, dass die Wrestler Superstars sich bei Houseshows verletzen. Daher: solide Action im Ring, die allerdings auch etwas höhepunktarm war.

Verpaßte Gelegenheiten

Fangen wir mit einer guten Nachricht an: WWE Inc. hat in Dortmund nicht dieselbe Show abgeliefert wie am Abend zuvor in München. Zwar war der Grundaufbau gleich, aber man hat ein paar andere Matches und Ausgänge abgeliefert. In der Vergangenheit war das nicht immer so, deshalb erwähne ich das positiv.

Leider fehlt dem jetzigen Tourkader ein wenig die Starpower. Vor ca. einem halben Jahr in Köln hatte man mit Bret Hart und John Cena zwei personelle Highlights anzubieten, die diesmal einfach fehlten. Edge hatte kurz vor der Tour seine aktive Karriere beenden müssen, was die Attraktivität einzuschränken drohte.

Doch Edge war da. Er kam unter großem Jubel raus und hielt eine Abschiedspromo – runtergerasselt, ohne Körpersprache und sichtlich routiniert. Klar: Edge ist kein Ric Flair, aber ich habe auch schon bessere Promos als die von Edge in Dortmund gesehen. Diese Promo hätte richtig viel Atmosphäre erzeugen können, sie hätte der Funken sein können, der ein Feuerwerk der Emotionen entzündet. Doch sie war lustlos, kurz und bedeutungslos.

Und dann fehlte Christian. Magnus hätte wahrscheinlich sein linkes Bein gegeben, wäre sein Favorit Christian der Main-Event-Gegner von Alberto del Rio gewesen, aber er war es nicht. Das ist in zweierlei Hinsicht unverständlich. Zum einen hätte man bei dem dünnen Kader nicht auf jemanden wie Christian verzichten dürfen. Zum anderen hat Christian in den TV-Shows den Main-Event-Part von Edge vorübergehend übernommen, so dass auch die Fans eine gewisse Erwartungshaltung entwickeln. Dass es doch geht, konnten unsere englischen Freunde in Newcastle sehen, wo Christian den Main Event bestritt.

Fazit

Vergleicht man die Shows in Dortmund und Köln miteinander, muss man bei der Showqualität ganz klar den Punktsieg an Köln geben. Sicherlich war die Show in Dortmund auch gut, aber der Novembertermin hatte doch mehr Highlights. Dank Magnus und seiner Tätigkeit als Übersetzer des WWE-Magazins hatten wir Pressekarten, die uns zu Plätzen führten, die wirklich klasse waren. Zwar hatten wir vor uns ein paar Super-Fans sitzen, die sich einen Spaß daraus machten, immer die Heels anzufeuern, aber davon haben wir uns den Abend nicht vermiesen lassen.

Unterm Strich bleibt ein gelungener und schöner Wrestlingabend, dem zur Perfektion die echten Highlights fehlten. Trotzdem immer wieder gern..

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