Action Soap Opera?! What the F..?

Get the F out!

So lautete vor einigen Jahren eine Kampagne der damaligen World Wrestling Federation, die mit ihrer Abkürzung WWF den Naturschützern ein Dorn im Auge war und daher ihren Namen in World Wrestling Entertainment ändert. Und abgekürzt wurde der neue Name logischerweise WWE.

In diesen Tagen passieren nun sonderbare Dinge: WWE möchte nicht mehr mit „Wrestling“ assoziiert werden und hat für seine Angestellten, Subunternehmen und Dienstleister eine Sprachregelung herausgegeben, nach der Worte wie „Wrestling“, „Catchen“ oder „Fight“ tabu sind. „Wrestler“ gibt es auch nicht mehr, es soll gefälligst „WWE Superstar“ oder „Athlete“ heißen. Man bietet statt Wrestling eine „Action Soap Opera“ bzw. natürlich „Sports Entertainment“.

Diesmal gab es keinen äußeren Druck zu dieser Veränderung, WWE Inc. hat sich freiwillig entschieden, „Wrestling“ zu verbannen. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: die Aktionen im Ring sind weiterhin Wrestling, es heißt allerdings nicht mehr so. Das ganze geht soweit, dass Bret Harts Rede bei „Tough Enough“, einer Art Castingshow, bei der Nachwuchs-WrestlerSuperstars gesucht werden, ausgepiept wurde, weil er „Wrestling“ und „Wrestler“ in den Mund nahm. Das hat schon absurde Züge.

Klar, eine Idee hinter diesem Zug ist, die Hemmschwelle für neue Fans zu verringern und im Gegenzug leichter Zugang zum medialen Mainstream zu finden. Jeder, der schon einmal erzählt hat, dass er „Wrestling“ mag, kennt die seltsamen Blicken, die zwischen mitleidig und verachtend auf einem liegen. Wrestling hat in vielerlei Hinsicht einen schlechten Stand. Sicherlich wird man gerade in den USA sich Gedanken über die Jugendschutz-Ausrichtung und die politische Akzeptanz von Wrestling gemacht haben, um nun sich davon zu distanzieren. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder schlechte und schlimme Schlagzeilen rund ums Wrestling, denen man so vielleicht ausweichen kann.

Was soll das?

Ich will nicht mit Traditionen, Wurzeln und Ursprüngen gegen diese Entscheidung argumentieren. So wichtig die Vergangenheit auch ist, WWE Inc. ist ein modernes Unternehmen, das im Hier und Jetzt seine Aktionäre befriedigen muss. Und doch sehe ich viele Nachteile in diesem Schritt. Offensichtlich ist doch folgendes: WWE wird mit Wrestling assoziiert wie kein anderes Unternehmen. Noch ergibt eine Google-Suche nach „wrestling“ wwe.com als erstes Resultat (wobei auf wwe.com zumindest im Quelltext noch genügend „wrestling“ zu finden ist). In den Köpfen vieler Fans weltweit steht WWE Inc. nicht für Filme oder „Action Soap Opera“, sondern für unterhaltsame Wrestlingshows. Diese Verbindung durch verbales Herumgeeiere zu gefährden, scheint mir nicht schlüssig.

Dazu kommen rein praktische Erwägungen. Die TV-Shows von WWE Inc. mag man durchaus als „Action Soap Opera“ sehen, da der erzählende Anteil deutlich größer ist als die Ringzeit, aber was ist mit den House Shows?? Dort wird Wrestling pur angeboten – Match nach Match werden die Fans zwei bis drei Stunden unterhalten, von Seifenoper ist da nichts oder nur wenig zu spüren. Da entsteht ein Spagat, wenn man auf der einen Seite kein „Wrestling“ mehr anbieten möchte, aber den gut zahlenden Fans in den Hallen genau das anbietet.

Chance?

Natürlich könnte sich für das Unternehmen WWE Inc. eine Chance bieten. Schafft man es, parallel zu den verbalen Umstellungen auch neue, mit dem bisherigen Angebot vernetzte Angebote wie Serien mit „WWE Superstars“, Filme, Musik oder TV-Shows anzubieten, sprich, mit demselben Personal offensiv in anderen Unterhaltungsbereiche einzudringen, kann es vielleicht hilfreich sein, sich nicht auf eine Ecke, die nicht immer gern gesehen ist, festgelegt zu sein. Auf lange Sicht könnte man sogar über eine Verschiebung des Kerngeschäfts nachdenken. Mehr Standbeine sind für ein Aktienunternehmen sicherlich hilfreich, egal, wie ich diese Entscheidung als Wrestlingfan sehe.

Ob man irgendwann auch konsequenterweise „Wrestlemania“ umbenennen wird?

Kommentar verfassen