Ein jähes Ende

WWE Inc. hat mit der Storyline um CM Punk einige neue Wege bestritten. Relativ innovativ wurde im Vorfeld mitgeteilt, dass der PPV „Money in the bank“ Punks letzter Arbeitstag bei der McMahon-Firma sei. Diese Voraussetzung nutzte man, um mit einem Worked Shoot Aufmerksamkeit zu generieren. Keine schlechte Idee..

Beim PPV schockte man den geneigten Zuschauer, als CM Punk den Titel von John Cena gewann und die Halle durchs Publikum verlassen konnte. Das hätte eine sensationelle Geschichte sein können – der aktuelle WWE-Champion ist „Free Agent“. Gut, jedem halbwegs bewanderten Fan war nach dem PPV klar, dass CM Punk weiter bei WWE Inc. beschäftigt sein würde, aber die innovative Idee begeisterte.

Man setzte die Idee fort, indem man CM Punk bei einem Indy-Event auftreten ließ. Und auch bei der Comic Con spielte CM Punk seine Rolle gut und unterbrach eine Frage-und-Antwort-Stunde mit Triple H, um die Geschichte fortzusetzen.

Bis dahin kann man die Geschichte als spannend und interessant bezeichnen, ja, das Wort „innovativ“ darf man auch gerne in den Mund nehmen.

Doch dann gab es eine Wende – 8 Tage nach dem PPV „Money in the bank“ wurde CM Punk schon wieder als „eingestellt“ bei RAW vorgestellt. Triple H – als neuer Boss – hatte laut Storyline CM Punk wieder eingestellt. Also dauerte die Storyline des „arbeitslosen Champion“ gerade mal eine gute Woche. Ein etwas jähes Ende für eine außergewöhnliche Storyline, die nun wieder in normale Fahrwasser geraten ist. Der neue Champion John Cena gegen den zurückgekehrten, unbesiegten Champion CM Punk – Razor Ramon gegen Shawn Michaels grüßt aus 1994.

Was war geschehen?

Die Ratings der RAW-Sendung nach „Money in the bank“ waren katastrophal, was vielleicht damit zusammenhing, dass man CM Punk nicht weiter erwähnte und vielmehr eine McMahon-Familiendarstellung in den Mittelpunkt rückte. Die PPV-Zahlen waren wohl auch nicht überdurchschnittlich, auch wenn die Kritiken hervorragend waren. Kurzum: so toll die Geschichte um CM Punk hätte sein können, in Zahlen brachte sie keinen Erfolg.

Dafür aber produziert sie Aufwand. Um sie warm zu halten, muss CM Punk in den Medien präsent sein. Bei der Comic Con war es einfach und billig, Material zu generieren, aber was hätte danach kommen sollen? Auftritte in Talkshows und ähnliches sind nicht leicht zu bekommen, da andere Medien sich wahrscheinlich kaum unentgeltlich in eine WWE-Storyline einbinden lassen werden. Das wäre aber zwingend notwendig gewesen, wenn man den Eindruck aufrecht halten wollte, CM Punk als WWE-Outlaw darzustellen.

Und dann bliebe noch ganz profan festzuhalten, dass WWE Inc. als Aktienunternehmen aufpassen muss, nicht den Eindruck bei den Anlegern zu erwecken, dass CM Punk als Champion NICHT unter WWE-Vertrag steht. Es könnte unter Umständen justiziabel sein, wenn WWE Inc. diesen Fakt gegenüber dem Aktienmarkt nicht klarstellt. Spätestens dann aber würde die Storyline aus der Kontrolle der WWE geraten, da nun die Medien darüber berichten würden und der Publicity-Stunt um CM Punk schief gehen würde.

Es ist daher zwar schade, dass die originelle Storyline um CM Punk so früh wieder fallengelassen wurde, aber dieser Schritt ist durchaus verständlich.

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