One moment in time: 23. Juni 1996

You sit there and you thump your Bible, and you say your prayers, and it didn’t get you anywhere! Talk about your psalms, talk about John 3:16… Austin 3:16 says I just whooped your ass!

Austin 3:16 – eine Floskel, die das Wrestling der 90er revolutionieren sollte, die Steve Austin vom Midcarder zum absoluten Topstar des Business machen sollte. Beim King of the Ring 1996 war die Geburtsstunde von „Stone Cold“ Steve Austin, der Grundstein für eine unglaubliche Karriere, die nicht nur Steve Austin zum wahrscheinlich beliebtesten Wrestler aller Zeiten machte, sondern auf einer längeren Sicht die damalige WWF zurück auf die Erfolgsspur brachte.

Dass Steve Austin das King-of-the-Ring-Turnier gewinnen durfte, hatte er – so die Überlieferung – dem Umstand zu verdanken, dass Triple H damals in Ungnade gefallen war und dadurch bestraft wurde, dass er den geplanten Turniersieg nicht zugesprochen bekam, sondern schon vorher ausschied und beim KotR-PPV 1996 nur im Dark Match wrestlen durfte. So war der Weg frei, Steve Austin diesen Ehrentitel zu geben.

Wobei: der Titel „King of the Ring“ war 1996 nicht viel wert, die beteiligten Wrestler bestenfalls Midcarder und der PPV hatte mit Undertaker vs. Mankind oder Shawn Michaels vs. British Bulldog einen ganz anderen Fokus. Hätte es diese Promo nach dem Gewinn des Turnieres nicht gegeben, wahrscheinlich hätte Steve Austin das Schicksal seiner Vorgänger (Owen Hart, Mable) erlitten und wäre nach einem kurzen Höhenflug in die Midcard zurückgefallen.

Man sollte trotz der bekannten Geschichte nicht meinen, dass Steve Austins Aufstieg eine sichere Sache war. Das Risiko der WWF mit diesem Gimmick und diesem Wrestler war minimal. Nicht nur, dass man den King of the Ring durch liebloses Booking entwertet hatte, man hatte auch genügend Substanz, im Falle eines Scheitern des Experiments andere Wrestler in den Fokus zu rücken. Mit Sid Vicious, Vader, Ultimate Warrior oder auch Bret Hart standen erfahrene Männer parat, eine Lücke zu füllen. Vince McMahon ging also kein besonderes Risiko ein, als er am 23. Juni 1996 Steve Austin den bildlichen Ball in die Hand drückte und ihn laufen ließ. Er hatte genügend andere Spieler in der Hinterhand, selbst das aktuelle Programm bot genügend Stoff, um einen Flop mit Steve Austin abzufedern.

Überhaupt wird die Geschichte von Steve Austins Aufstieg gerne etwas verklärt erzählt, die gut halbjährige Phase als Ringmaster in der Midcard zwischen Schweinehirten und Müllmännern wird slten bei den Retrospektiven über Steve Austins Karriere außer Acht gelassen oder übergangen. Dass er eigentlich riesiges Glück hatte, das Gimmick des harten Hundes zu bekommen, obwohl er schon auf einer anderen Schiene unterwegs war, wird kaum erwähnt.

Zurück zum Juni 1996: Steve Austin hatte sich beim PPV gegen Marc Mero und Jake Roberts durchgesetzt und den Titel „King of the Ring“ gewonnen. Er bekam seine Insignien und hielt dann DIE Promo seines Lebens, als er Austin 3:16 in Richtung von Jake Roberts schleuderte. Ohne diese Worte, die ein Gimmick so simpel ausdrückten, wäre das Geschehen im Ring nichts wert gewesen.

Die Fanreaktionen darauf waren derart riesig, dass man sich entschloss, dieses Gimmick weiter zu verfolgen und fand in Bret Hart den fast perfekten Fehdengegner für Steve Austin. Bret Hart katapultierte Steve Austin bei der Survivor Series 1996 und bei Wrestlemania XIII auf ein höheres Niveau, besonders das Match bei Wrestlemania bedeutete den nächsten Meilenstein für den raketenhaften Aufstieg von Steve Austin. Allerdings sollte es noch ein Jahr dauern, bis er endlich den WWF-Titel sein eigen nennen durfte.

Rückblickend betrachtet muss man sagen, dass der 23. Juni 1996 sicherlich DER Meilenstein in der Karriere von Steve Austin war. Und dennoch war es kein geplanter Moment: die glücklichen Umstände im Vorfeld und die positiven Reaktionen auf das Gimmick und die berühmte Promo bereiteten den Weg für einen der größten Superstars des modernen Wrestlings.

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