Die Frage nach dem Sinn
Kevin Nash ist zurück bei WWE Inc. Nach seinem Royal-Rumble-Auftritt als Diesel durfte Kevin Nash nun gleich hoch in der Card einsteigen, als er beim SummerSlam CM Punk nach dessen Sieg gegen John Cena angriff und ihn so den Titel gegen Alberto del Rios Cash-In kostete.
Ich verstehe noch nicht so recht, welchen Sinn es haben soll, Kevin Nash in eine Fehde gegen CM Punk zu packen. Diese Auseinandersetzung kostet CM Punk sein wichtiges Momentum, während Nash wertvolle TV- und PPV-Zeit verbraucht. Irgendwo habe ich gelesen, Nash solle CM Punk "over" bringen. Das halte ich für ein schwieriges Unterfangen, denn Kevin Nash ist einer der überbewertesten Wrestler der Geschichte. Seine Fähigkeiten im Ring sind - inzwischen auch auf Grund seines Alters - stark limitiert, sein Willen, andere Wrestler "over" zu bringen, ist absolut undokumentiert, da er es nie gemacht hat. Warum sollte er ausgerechnet in 2011 willens und in der Lage sein, einen Top-Wrestler wie CM Punk beim Publikum "over" zu bringen? Und ob CM Punk das nötig hat, sei mal dahin gestellt.
Zu allem Überfluss sorgte Kevin Nash für viele fragende Gesichter im Publikum. Ein merklicher Anteil des heutigen WWE-Universums kennt Kevin Nash schlicht nicht. Woher auch?
Sein letzter WWE-Run liegt acht Jahre zurück, sein kurzer Auftritt als Diesel beim Rumble war schnell vergessen und unbedeutend. Ohne jede Frage hat Kevin Nash seinen Platz in der Geschichte des Wrestlings, aber dem heutigen Publikum ist er kaum bekannt, vielleicht auch deshalb, weil WWE Inc. die gute, alte WCW-Vergangenheit weitesgehend ausblendet oder nur in der Vintage Collection verwendet. Da Nashs 2002/03er Run eher unbedeutend war, was Verletzungen und äußeren, nicht von Nash verursachten Umständen (z.B. Scott Halls Entlassung, Hogans viel zu schneller Turn) zuzuschreiben ist, kann man kaum auf diese Zeit referenzieren. So bleibt fast nur Nashs Zeit als Diesel aus der Zeit 93-96, was ja nun einmal ein Ewigkeit her ist und von vielen (zu Recht) vergessen oder verdrängt wurde.
Kevin Nash ist also zurück, aber was er in der WWE des Jahres 2011 bewirken soll, weiß ich nicht.
One moment in time: 23. Juni 1996
You sit there and you thump your Bible, and you say your prayers, and it didn't get you anywhere! Talk about your psalms, talk about John 3:16... Austin 3:16 says I just whooped your ass!
Austin 3:16 - eine Floskel, die das Wrestling der 90er revolutionieren sollte, die Steve Austin vom Midcarder zum absoluten Topstar des Business machen sollte. Beim King of the Ring 1996 war die Geburtsstunde von "Stone Cold" Steve Austin, der Grundstein für eine unglaubliche Karriere, die nicht nur Steve Austin zum wahrscheinlich beliebtesten Wrestler aller Zeiten machte, sondern auf einer längeren Sicht die damalige WWF zurück auf die Erfolgsspur brachte.
Dass Steve Austin das King-of-the-Ring-Turnier gewinnen durfte, hatte er - so die Überlieferung - dem Umstand zu verdanken, dass Triple H damals in Ungnade gefallen war und dadurch bestraft wurde, dass er den geplanten Turniersieg nicht zugesprochen bekam, sondern schon vorher ausschied und beim KotR-PPV 1996 nur im Dark Match wrestlen durfte. So war der Weg frei, Steve Austin diesen Ehrentitel zu geben.
Wobei: der Titel "King of the Ring" war 1996 nicht viel wert, die beteiligten Wrestler bestenfalls Midcarder und der PPV hatte mit Undertaker vs. Mankind oder Shawn Michaels vs. British Bulldog einen ganz anderen Fokus. Hätte es diese Promo nach dem Gewinn des Turnieres nicht gegeben, wahrscheinlich hätte Steve Austin das Schicksal seiner Vorgänger (Owen Hart, Mable) erlitten und wäre nach einem kurzen Höhenflug in die Midcard zurückgefallen.
Man sollte trotz der bekannten Geschichte nicht meinen, dass Steve Austins Aufstieg eine sichere Sache war. Das Risiko der WWF mit diesem Gimmick und diesem Wrestler war minimal. Nicht nur, dass man den King of the Ring durch liebloses Booking entwertet hatte, man hatte auch genügend Substanz, im Falle eines Scheitern des Experiments andere Wrestler in den Fokus zu rücken. Mit Sid Vicious, Vader, Ultimate Warrior oder auch Bret Hart standen erfahrene Männer parat, eine Lücke zu füllen. Vince McMahon ging also kein besonderes Risiko ein, als er am 23. Juni 1996 Steve Austin den bildlichen Ball in die Hand drückte und ihn laufen ließ. Er hatte genügend andere Spieler in der Hinterhand, selbst das aktuelle Programm bot genügend Stoff, um einen Flop mit Steve Austin abzufedern.
Überhaupt wird die Geschichte von Steve Austins Aufstieg gerne etwas verklärt erzählt, die gut halbjährige Phase als Ringmaster in der Midcard zwischen Schweinehirten und Müllmännern wird slten bei den Retrospektiven über Steve Austins Karriere außer Acht gelassen oder übergangen. Dass er eigentlich riesiges Glück hatte, das Gimmick des harten Hundes zu bekommen, obwohl er schon auf einer anderen Schiene unterwegs war, wird kaum erwähnt.
Zurück zum Juni 1996: Steve Austin hatte sich beim PPV gegen Marc Mero und Jake Roberts durchgesetzt und den Titel "King of the Ring" gewonnen. Er bekam seine Insignien und hielt dann DIE Promo seines Lebens, als er Austin 3:16 in Richtung von Jake Roberts schleuderte. Ohne diese Worte, die ein Gimmick so simpel ausdrückten, wäre das Geschehen im Ring nichts wert gewesen.
Die Fanreaktionen darauf waren derart riesig, dass man sich entschloss, dieses Gimmick weiter zu verfolgen und fand in Bret Hart den fast perfekten Fehdengegner für Steve Austin. Bret Hart katapultierte Steve Austin bei der Survivor Series 1996 und bei Wrestlemania XIII auf ein höheres Niveau, besonders das Match bei Wrestlemania bedeutete den nächsten Meilenstein für den raketenhaften Aufstieg von Steve Austin. Allerdings sollte es noch ein Jahr dauern, bis er endlich den WWF-Titel sein eigen nennen durfte.
Rückblickend betrachtet muss man sagen, dass der 23. Juni 1996 sicherlich DER Meilenstein in der Karriere von Steve Austin war. Und dennoch war es kein geplanter Moment: die glücklichen Umstände im Vorfeld und die positiven Reaktionen auf das Gimmick und die berühmte Promo bereiteten den Weg für einen der größten Superstars des modernen Wrestlings.
Ein jähes Ende
WWE Inc. hat mit der Storyline um CM Punk einige neue Wege bestritten. Relativ innovativ wurde im Vorfeld mitgeteilt, dass der PPV "Money in the bank" Punks letzter Arbeitstag bei der McMahon-Firma sei. Diese Voraussetzung nutzte man, um mit einem Worked Shoot Aufmerksamkeit zu generieren. Keine schlechte Idee..
Beim PPV schockte man den geneigten Zuschauer, als CM Punk den Titel von John Cena gewann und die Halle durchs Publikum verlassen konnte. Das hätte eine sensationelle Geschichte sein können - der aktuelle WWE-Champion ist "Free Agent". Gut, jedem halbwegs bewanderten Fan war nach dem PPV klar, dass CM Punk weiter bei WWE Inc. beschäftigt sein würde, aber die innovative Idee begeisterte.
Man setzte die Idee fort, indem man CM Punk bei einem Indy-Event auftreten ließ. Und auch bei der Comic Con spielte CM Punk seine Rolle gut und unterbrach eine Frage-und-Antwort-Stunde mit Triple H, um die Geschichte fortzusetzen.
Bis dahin kann man die Geschichte als spannend und interessant bezeichnen, ja, das Wort "innovativ" darf man auch gerne in den Mund nehmen.
Doch dann gab es eine Wende - 8 Tage nach dem PPV "Money in the bank" wurde CM Punk schon wieder als "eingestellt" bei RAW vorgestellt. Triple H - als neuer Boss - hatte laut Storyline CM Punk wieder eingestellt. Also dauerte die Storyline des "arbeitslosen Champion" gerade mal eine gute Woche. Ein etwas jähes Ende für eine außergewöhnliche Storyline, die nun wieder in normale Fahrwasser geraten ist. Der neue Champion John Cena gegen den zurückgekehrten, unbesiegten Champion CM Punk - Razor Ramon gegen Shawn Michaels grüßt aus 1994.
Was war geschehen?
Die Ratings der RAW-Sendung nach "Money in the bank" waren katastrophal, was vielleicht damit zusammenhing, dass man CM Punk nicht weiter erwähnte und vielmehr eine McMahon-Familiendarstellung in den Mittelpunkt rückte. Die PPV-Zahlen waren wohl auch nicht überdurchschnittlich, auch wenn die Kritiken hervorragend waren. Kurzum: so toll die Geschichte um CM Punk hätte sein können, in Zahlen brachte sie keinen Erfolg.
Dafür aber produziert sie Aufwand. Um sie warm zu halten, muss CM Punk in den Medien präsent sein. Bei der Comic Con war es einfach und billig, Material zu generieren, aber was hätte danach kommen sollen? Auftritte in Talkshows und ähnliches sind nicht leicht zu bekommen, da andere Medien sich wahrscheinlich kaum unentgeltlich in eine WWE-Storyline einbinden lassen werden. Das wäre aber zwingend notwendig gewesen, wenn man den Eindruck aufrecht halten wollte, CM Punk als WWE-Outlaw darzustellen.
Und dann bliebe noch ganz profan festzuhalten, dass WWE Inc. als Aktienunternehmen aufpassen muss, nicht den Eindruck bei den Anlegern zu erwecken, dass CM Punk als Champion NICHT unter WWE-Vertrag steht. Es könnte unter Umständen justiziabel sein, wenn WWE Inc. diesen Fakt gegenüber dem Aktienmarkt nicht klarstellt. Spätestens dann aber würde die Storyline aus der Kontrolle der WWE geraten, da nun die Medien darüber berichten würden und der Publicity-Stunt um CM Punk schief gehen würde.
Es ist daher zwar schade, dass die originelle Storyline um CM Punk so früh wieder fallengelassen wurde, aber dieser Schritt ist durchaus verständlich.
The Ultimate Zack Ryder
Bei einer Houseshow bekam Dolph Ziggler alle Finisher der Faces ab. Soweit nichts ungewöhnliches, schließlich möchte man derartige Shows "gut" enden lassen.
Achtet mal auf Zack Ryder, der rechts im Bild steht. Dieser hat sich als Ultimate Warrior verkleidet, macht dessen Gesten nach und zeigt sogar den Big Splash, den Finisher des Warriors. Ich weiß nicht, was diese Querverweise sollen, aber eigentlich hat Zack Ryder so einen Quatsch nicht nötig. Zumal er den Warrior nicht besonders überzeugend kopiert..
Hat jemand eine Meinung zu dieser Comedy oder können wir zur Tagesordnung zurückkehren?
Chance vertan!
Vor gut zwei Wochen hat CM Punk bei RAW eine viel beachtete Promo abgehalten, die den Anschein eines echten Shoots bewirken sollte. So griff er Triple H und Vince McMahon verbal an, nannte andere Promotions und wurde am Ende "abgewürgt" und "suspendiert".
Grundsätzlich sind Shoot-Promos ja eine feine Sache und CM Punk hat seine Sache wirklich gut gemacht. Viele der Dinge, die er gesagt hat, sprechen Wrestlingsfans aus dem Herzen und doch..
Und doch war mir viel zu schnell klar, dass die ganze Geschichte "geworkt" ist. CM Punk hat immer wieder Referenzen auf das anstehende Championshipmatch gegen John Cena beim nächsten PPV gemacht, dessen "Push" das Ziel dieser Promo offensichtlich war. Diese Referenzen und die spätere Beleidigung der Zuschauer, um in seiner Heel-Rolle zu bleiben, hätten in einer Shoot-Promo nichts zu suchen gehabt. Wenn er wirklich frei heraus gesprochen hätte, hätte er wohl kaum bis zum PPV bei WWE Inc. bleiben können. Das hätte einem intelligenten Menschen wie CM Punk klar sein müssen, so dass er bei einem echten Shoot wohl kaum ankündigen müsste, den Titel gewinnen zu wollen. Entweder er haut in die Sahne und ist sofort weg vom Fenster, dann braucht er die Unternehmsziele (PPV bewerben) nicht verfolgen. Oder aber er shootet nicht.
Trotzdem hätte dieser "Worked Shoot" funktionieren können, wenn man nicht im Anschluss gleich die nächste Folge aufgenommen hätte, in der die weitere Entwicklung offengelegt wird. Da wird RAW einmal nicht live gesendet und man legt eine derart kontroverse Storyline so blöd, dass man nicht den wöchentlichen Cliffhanger produziert, sondern der geneigte Fan im Internet sofort nachlesen kann, wie die an sich spannende Geschichte weitergeht. Es hätte so einfach sein können, Interesse zu generieren, indem man einfach eine Woche lang die Gerüchteküche brodeln lässt und in der Storyline verbleibt (CM Punk nicht einsetzen, PPV-Match aussetzen). Aber diese Chance hat man dank eines tollen Timings verpaßt.
Schade eigentlich, dass kurz vor seinem vermeintlichen WWE-Abgang noch einmal das ganze Dilemma um CM Punks WWE-Karriere zu Tage tritt. Man setzte ihn kaum vernünftig ein. Und wenn man es doch wollte, hat man es verbockt. Aber das hat CM Punk in seiner vielbeachteten Promo ja gesagt.
One moment in time: 9. November 1997
Montreal Screwjob. 'Nuff said..
Über den Montreal Screwjob ist wahrscheinlich mehr geschrieben worden als über jedes andere Ereignis im Wrestling der letzten 50 Jahre. Angeblich plant WWE Inc. sogar eine DVD zu diesem Thema.
Ich will hier keine Daten herunterleiern oder spekulieren, wer wann was gesagt oder gewußt hat. Das haben schon hunderte vor mir getan. Ich möchte allerdings einen Aspekt hervorheben, der meistens etwas untergeht - der Montreal Screwjob hat der WCW auf dem Höhepunkt ihres Wirkens direkt Schaden zugefügt.
Damit meine ich nicht die Tatsache, dass Vince McMahon nach der Survivor Series 1997 zum absoluten Heel der WWF aufstieg und so mit seiner Fehde gegen Steve Austin die Wende in den Montagskriegen einläutete. Vielmehr störte der Montreal Screwjob die Fokussierung der WCW auf den Event, auf den sie so hervorragend über ein Jahr lang hingearbeitet hatte - Starrcade 97.
Seit der Gründung der nWo hatte Eric Bischoff ruhig und besonnen die Fehde des Stingers gegen das Oberhaupt der nWo, Hollywood Hulk Hogan, aufgebaut. Bei dieser Fehde machte die WCW nichts falsch, man arbeitete zielgerichtet auf Starrcade hin, der Abend, an dem Sting die WCW rächen würde. Es war der vielleicht am besten aufgebaute Event der 90er Jahre, die Fans waren elektrisiert und konnten den größten Showdown der WCW nicht erwarten. Dazu hatte die WCW sich zwischenzeitlich die Dienste von Bret Hart gesichert, so dass man für 1998 ein weiteres Eisen im Feuer hatte.
Doch dann platzt die Bombe in Form des Montreal Screwjobs. Plötzlich gibt es ein Störfeuer, das die allgemeine Aufmerksamkeit von Starrcade weg zur WWF zog. Um die Aufmerksamkeit zurück zu WCW zu lenken, mußte man etwas tun, was man unter anderen Umständen besser vermieden hätte: Bret Hart mußte noch 1997 für die WCW debütieren. Schließlich war der Hitman DAS Thema, so konnte man den Fokus zur WCW zurückholen. Doch der Preis war hoch: so richtig konnte man Bret Hart nicht einsetzen, ohne das Rampenlicht von Sting vs. Hogan zu nehmen, also suchte man verzweifelt nach einer Möglichkeit, Bret Hart unterzubringen. Und wann immer schnelle Entscheidungen zu treffen waren, versagte die WCW: Bret wurde Ringrichter bei Starrcade im Duell Larry Zbysko vs. Eric Bischoff. Wie noch dutzende Male später, hatte man keine guten Ideen für Bret Hart und nutzte sein Talent nicht. Man hatte einen Roster voller Talente, mit denen Hart ein Weltklassematch gezeigt hätte, doch als Referee war er falsch eingesetzt. Wäre man bereit gewesen, ein Stück vom Rampenlicht des (enttäuschenden) Main Events abzugeben, hätte man vielleicht sogar aus der Situation gewinnen können - ein PPV mit dem lang herbeigesehnten Showdown zwischen Sting und Hogan PLUS ein Match des heißesten Wrestlers zu diesem Zeitpunkt. Ich möchte nicht wissen, ob man die sowieso schon hervorragende Buyrate des PPVs nicht hätte noch weiter steigern können.
Und doch war die Situation schwer für die WCW-Verantwortlichen: auf der einen Seite war man gezwungen, das aktuelle Thema Bret Hart aufzugreifen und den Mann schnellstmöglich in die Shows zu holen, um der WWF den Wind aus den Segeln zu nehmen und auch von den Ereignissen des 9. Novembers zu profitieren. Auf der anderen Seite läßt man sich so kurz vor einem von langer Hand aufgebauten PPV ungerne von außen diktieren, wie man sein Produkt gestaltet. Der Fokus war auf Hogan vs. Sting und dort wollte man ihn belassen. Dummerweise konnte man nicht beide Seiten der Medaille bedienen und entschloss sich zu einem Mittelweg, der am Ende keinem half.
Bret Hart war am 28. Dezember 1997 nicht nur Referee beim Zbysko-Sieg, sondern nahm diese Rolle auch im Main Event wieder auf, wo er tatsächlich eine Art Screwjob an Hogan durchführte. Anstatt also den wichtigsten PPV des Jahres mit einem klaren Fehdenabschluss zu beenden, orientierte man sich an den WWF-Ereignissen des Vormonats und machte sie nach. Wie so häufig definierte Eric Bischoff sich und sein Produkt über den Wettbewerber, was im Grunde die hervorragende Vorarbeit ad absurdum führte. Man hätte es so einfach haben können, hätte man Sting einen klaren Sieg einfahren lassen und hätte beim ersten Nitro 1998 Bret Hart präsentiert. Oder hätte man die kurz danach schnell geschossene Fehde von Hart gegen Flair noch in den Starrcade-PPV gebracht. Die WCW hatte es Ende 1997 kein bißchen nötig, Seitenhiebe an die WWF zu verteilen oder sie nachzumachen. Und doch stellte man seine eigenen Stärken zurück, um auf Ereignisse bei der WWF zu reagieren, was im Angesicht des damaligen Erfolgs der WCW unangebracht war.
Und so kann man die Historie der WCW-Reaktion auf den Montreal Screwjob umreißen: Starrcade 1997 war ein Erfolg in allen meßbaren Bereichen, doch läutete das enttäuschende Ende des Main Events mit seiner Montreal-Kopie langsam die Wende zum Negativen ein. Bret Harts zu schnelles und undurchdachtes Debüt bestimmte den weiteren Verlauf seiner WCW-Karriere, bis zum Karriereende 2000 schien man nie so richtig zu wissen, wie man einen fünfmaligen WWF-Champion einsetzt.
Der Montreal Screwjob brachte die WCW aus der Spur - nicht indirekt durch die Ereignisse in der WWF, sondern der eigene Umgang der WCW mit Bret Hart und dem Thema ließ die WCW von ihrem klaren Weg auf den Höhepunkt ihrer besten Fehde stolpern. Ein Stolpern, von dem man sich nie wieder erholte..
Hogan vs. Warrior – Teil 3?
Warrior und Hulk Hogan liefern sich dieser Tage ein verbales Duell im Internet. Es geht wohl nicht nur um die Frage, wer der tollste Hecht im Karpfenteich ist, sondern auch um persönliche Animositäten. Teilweise geht es dabei unter die Gürtellinie, aber man muss sich halt schon anstrengen, um Mainstream-Publicity zu bekommen.
Auch wenn ich mir das nicht wirklich wünsche, habe ich irgendwie im Gefühl, dass die beiden Herren auf diese Art und Weise versuchen, ein drittes Duell im Ring zu forcieren. Das ganze würde durchaus Sinn ergeben: das erste Duell der beiden bei Wrestlemania VI ist ein Klassiker, ein Wunder des modernen Wrestlings. Das zweite Aufeinandertreffen in der WCW anno 1998 war ebenso ein Meilenstein, diesmal leider mit anderen Vorzeichen. Irgendwie schienen die Booker beiden Männern freie Hand gelassen zu haben, was zu langweiligen Promos und komplett wahnsinnigen Ideen führte. Das Match der beiden Stars war eine reine Katastrophe, die ganze Fehde sicherlich ein Tiefschlag für die WCW, die sehr viel PPV- und TV-Zeit für derart schlechtes Programm geopfert hatte.
Und nun duellieren sich die beiden via Facebook, Twitter und YouTube. In der Logik eines Vince Russos ist das bestimmt die beste Voraussetzung, diese Ereignisse bald im TV aufzugreifen und das ganze in die Wrestlingrealität zu holen. Und einer Sache könnte man sich durchaus sicher sein: Aufmerksamkeit, auch und gerade außerhalb des aktuellen Wrestlingpublikums. Aber die letzten In-Ring-Auftritte beider Akteuren legen eins nahe: es würde arg an der Grenze zur Folter verlaufen, liesse man die beiden im Seilgeviert aufeinander los.
Wie seht ihr das? Sollte ImpactWrestling oder eine Indy-Promotion versuchen, diesen Online-Zickenkrieg aufzugreifen und Hogan und den Warrior in einen Ring stellen?
One moment in time: 7. Juli 1996
7. Juli 1996, Daytona Beach, Florida, USA - ein Abend, der auf lange Zeit die Welt des Wrestlings verändern sollte. Es war der Abend, an dem Hulk Hogan Heel turnte und gemeinsam mit Scott Hall und Kevin Nash die nWo gründete. Die nWo wurde für die WCW zur Gelddruckmaschine und brachte für einige Jahre die Vorherrschaft in den sogenannten Montagskriegen.
Die Vorgeschichte zum PPV "Bash at the beach" ist schnell erzählt: Scott Hall und Kevin Nash waren als Outsiders in den WCW-Shows aufgetaucht und hatten eine WWF-Invasion angedeutet. Für den Bash at the beach forderten Hall und Nash für sich und ihren unbekannten Partner ein Sechs-Mann-Team gegen die Besten der WCW. Am Abend des Kampfes kamen Hall und Nash allein heraus, um es mit Sting, Lex Luger und Randy Savage aufzunehmen. Früh im Kampf wurde Lex Luger aus dem Match genommen und irgendwann lagen alle Beteiligten im Ringstaub. Und dann kam Hulk Hogan heraus. Hätte Bobby Heenan nicht die Frage gestellt, auf wessen Seite er stünde, es wäre perfekt gelaufen. Dennoch kam der große Schockmoment, als Hogan Savage mit dem Legdrop of Doom ausschaltete. Im Anschluß gab er unter dem steten Müllregen der Fans das Gründungsinterview zur nWo. Der Rest ist Geschichte.
Diesen Moment machen zwei Dinge so besonders. Den einen Punkt habe ich nun häufig genug erwähnt: die Gründung der nWo, den wahrscheinlich heißesten Stable der letzten zwei Jahrzehnte. Der zweite Punkt ist wahrscheinlich viel bedeutender, weil er dem ersten Punkt erst den letzten Schliff gab: Hulk Hogan turnte Heel.
Hulk Hogan war seit über zwölf Jahren das Top-Babyface des amerikanischen Wrestlings. Sicher, so langsam nutze sich das Gimmick ab, nach seinem Wechsel zur WCW zeigten sich erste Abnutzungserscheinungen. Hogan hatte alle Heels abgefertig, die Überfigur des ewigen Helden schien ausgelutscht. Dennoch war er weiterhin der größte Star des amerikanischen Wrestlings, er zog weiterhin Fans in die Hallen, verkaufte T-Shirts und hatte eine eigene TV-Serie. All das stand auf dem Spiel, denn es blieb zu befürchten, dass die Fans einen Heel Hogan nicht akzeptieren.
Alles, was Hogan sich im letzten Jahrzehnt erarbeitet hatte, opferte er für eine Veränderung, deren Ausgang ungewiss war. Allerdings soll Hogan sehr starke Bedenken gegen diesen Gimmickwechsel gehabt haben, schließlich war das Risiko ähnlich groß wie die Möglichkeit, als Top-Heel der Liga mit frischem Wind im Main Event zu bleiben. Im Nachhinein leugnen alle Beteiligten, dass Luger nur deshalb so früh aus dem Match genommen wurde, um im Falle einer Meinungsänderung des Hulksters, der schon damals die kreative Kontrolle über seinen Charakter hatte, ihn als dritten Mann zu präsentieren. Allerdings scheint mir dieses Planspiel durchaus plausibel, schließlich wäre andernfalls das frühe Herausnehmen von Luger aus dem Match irgendwie sinnlos.
Deshalb ist Hogans Turn der große Moment des 7. Juli 1996. Der Mann, der in den 80er Jahren als Topstar das Wrestling in den Mainstream angeführt hatte, erfand sich neu, um in den 90er Jahren einen neuerlichen Wrestlingboom anzuführen.
Reise nach London?
TNA (oder Impact Wrestling) kommt im Januar 2012 nach Europa. Auch Deutschland steht am 21. und 29. Januar auf dem Tourplan, wobei besonders der erste Termin für mich interessant ist, denn Essen ist nicht weit weg.
Allerdings überlege ich gerade ernsthaft, nicht nach Essen oder Neu-Ulm zu fahren, sondern mir für die TNA-Show in London am 28. Januar ein Ticket zu organisieren. Denn während in Deutschland die üblichen Verdächtigen wie Kurt Angle, AJ Styles oder Mr. Anderson angekündigt sind, ist für die England-Termine STING als Teilnehmer bestätigt.
Sting ist ja sonst nur bei den TV-Shows und PPVs zu sehen, Houseshows meidet "The Icon" seit Jahren. Von daher wäre es eine tolle Sache, Sting vielleicht zum letzten Mal live zu sehen. Das letzte (und bisher einzige) Mal habe ich Steve Borden beim "WCW Millenium Final" in Oberhausen gesehen, wahrscheinlich wird es nicht mehr soviele Gelegenheiten geben, Sting live in Europa zu sehen. Zudem hat die Wembley Arena als Veranstaltungsort auch ihren Reiz.
Jetzt brauche ich nur noch jemanden, der mit mir auf die Insel fährt..
One day in your life
"One day in your life" - so heißt ein Liedchen von Anastacia.
Es könnte aber auch (fast) die Überschrift zur Regentschaft von Christian als World Heavyweight Champion sein. Denn viel mehr als "one day" war der ehemalige Tag-Team-Champion nicht an der Spitze des SmackDown-Rosters. Am 1. Mai konnte sich Christian den ehemaligen WCW-Titel sichern und ich war schon versucht, einen Lobesartikel auf den Kanadier zu schreiben. Doch zwei Tage später verlor Christian diesen Titel gleich wieder.
Was bitte hat WWE Inc. von einem Zwei-Tages-Champion?
Nun, wenn es hier um Backstagepolitik gegangen wäre, dass z.B. der amtierende Champ sich nicht für den vorgesehenen Champion hinlegen wollte und nun Christian als "Mittelsmann" den Titel weiterreichen sollte, wäre es ja nachvollziehbar gewesen, aber der Titel war nach Edges Rücktritt vakant.
Viel wurde geschrieben, dass der Titelgewinn als Dank und Anerkennung für die geleistete Arbeit von Christian zu verstehen und ein großer Main-Event-Run nie geplant gewesen sei. Das hört sich auf den ersten Blick ganz logisch an, aber scheint doch arg kurzsichtig.
Christian mag nicht der klassische Main Eventer sein, vielleicht hat er auch nicht das Zeug zum Champion, aber er wirft etwas in Waagschale, was Randy Orton nicht mitbringen kann. Er spricht auch "alte" Wrestlingfans an. Als Christian im Team mit Edge in die damalige WWF kam, war Wrestling in seiner absoluten Hochphase. Die Ratings waren fast doppelt so hoch wie heute, der Kampf mit der WCW zwang Vince McMahon zu höchster Kreativität und Qualität. All jene Fans, die damals dabei waren, kennen Christian - und verfolgen dank The Rock und Steve Austin momentan WWE ein wenig. Diese Fans hätte man (weiter) binden können. Randy Orton hingegen kam erst groß auf, als WWE Inc. schon Monopolist war und viele Fans dem Business den Rücken zugekehrt hatten. Er kann die vielen ehemaligen Fans nicht binden, denn diese haben keine Bindung zu ihm. Diese hätte man schaffen können - durch eine vernünftige Fehde Orton vs. Christian, an deren Ende letzter die Fackel und die Fans an Orton weiterreicht.
Was auch immer die Gründe für Christians kurze Regentschaft sind, einen Gefallen hat sich WWE Inc. damit nicht getan.