Erfolg
Erfolg kann man messen. Genauer: man muss Erfolg messen können, sonst ist es kein Erfolg. Was erst einmal banal klingt, könnte für das amerikanische Wrestling zum Problem werden.
Seit Monaten, wenn man genauer hinschaut sogar seit Jahren, sinken die Ratings der wichtigsten Wrestlingorganisation der USA, Vince McMahons WWE. Inzwischen dümpelt man bei Ratings von 3.0 herum, teilweise hat man diese sogar schon unterschritten. Auf diesem Niveau war man zuletzt (wahrscheinlich, habe es nicht geprüft) Mitte der 90er Jahre. Die PPV-Verkäufe stagnieren nicht mehr, sie sinken real, zumindest, was die "normalen" PPVs angeht.
Dieses Ausbleiben von messbaren Erfolg ist umso ärgerlicher, als dass man WWE Inc. in den letzten Monaten nicht vorwerfen kann, immer wieder dieselben Gesichter auf der Mattscheibe ins rechte Licht zu rücken. CM Punk und Daniel Bryan sind aktuelle Champions, mit Dolph Ziggler, Zack Ryder und einigen anderen hat man die Zukunft des Wrestlings nicht nur im Roster, sondern auch schon in den höheren Regionen der Card. Und trotz frischer Gesichter und der großen Mühe, diese over zu bringen, bleibt der messbare Erfolg aus. Oder gerade deswegen?
Natürlich gibt es genügend Stimmen, die dem momentanen Aushängeschild und Champion CM Punk die Schuld für die Quotenmisere zuschreiben. Und es ist schwierig, dagegen zu argumentieren. Denn trotz durchaus innovativ zu nennenden Ideen zur Förderung von CM Punk bleiben die Erfolge in Form von Ratings und PPV-Käufen aus. Oberflächlich konnte CM Punk die in ihn gesetzten Hoffnungen und Erwartung nicht befriedigen. Aber schauen wir mal genauer hin..
CM Punks Charakter ist ein Gegenkonzept zur bisherigen Strategie. Richtete man über Jahre WWE Inc. mit John Cena als Reinkarnation von Hulk Hogan aus, wirkt CM Punk wie ein Relikt aus der Attitude-Ära. Eine kind- und familiengerechte Ausrichtung im Sinne der 80er - darin muss eine Figur wie CM Punk wie ein Fremdkörper wirken. Irgendwo habe ich in den vergangenen Tagen gelesen, dass bei CM Punk besonders Frauen und Kinder wegschalten. Ein Wunder, verkörpert er doch einen typischen Attitude-Charakter, der vor allem junge Männer ansprechen soll. Dies aber ausschließlich CM Punk anzulasten, ist zu einfach. Denn er hat sich nicht selbst die Chance und den Gürtel gegeben, sondern wurde an diese Stelle gepusht - gegen jede vorherige Ausrichtung.
Wenn man also momentan keinen Erfolg messen kann, liegt es nicht unbedingt an der Qualität des Produkts. Vielmehr ist es eine nicht geradlinige Strategie, die den Erfolg verhindert.
The Ultimate Zack Ryder
Bei einer Houseshow bekam Dolph Ziggler alle Finisher der Faces ab. Soweit nichts ungewöhnliches, schließlich möchte man derartige Shows "gut" enden lassen.
Achtet mal auf Zack Ryder, der rechts im Bild steht. Dieser hat sich als Ultimate Warrior verkleidet, macht dessen Gesten nach und zeigt sogar den Big Splash, den Finisher des Warriors. Ich weiß nicht, was diese Querverweise sollen, aber eigentlich hat Zack Ryder so einen Quatsch nicht nötig. Zumal er den Warrior nicht besonders überzeugend kopiert..
Hat jemand eine Meinung zu dieser Comedy oder können wir zur Tagesordnung zurückkehren?
Wrestlemania 27
Der wichtigste PPV der Wrestlingszene steht vor der Tür. Wie immer möchte ich meine Einschätzungen und Tipps zu den Matches hier kundtun. Natürlich ist jeder dazu eingeladen, in den Kommentaren seine Weisheiten zum Besten zu geben.
Kane, Vladimir Kozlov, Big Show & Santino Morella vs. The Corre
Dieses kurzfristig eingefügte Match hat was von "Resterampe". In den letzten Jahren gab es dafür das Money-in-the-bank-Match, nun wird ein Multi-Men-Team-Match angesetzt. Sicherlich wird dies die Gelegenheit zum Spotfestival, so dass das Match bei aller Unwichtigkeit unterhaltsam werden dürfte.
Mein Tipp: The Corre
Sheamus vs. Daniel Bryan
Sheamus hat eine unangenehme Phase hinter sich. Nach seinem Titelverlust schien es, als würde er in der Undercard verschwinden, doch nun scheint seine Karriere die Kurve zu kriegen. Daniel Bryan hat sich etabliert, seine Fähigkeiten bereichern WWE Inc. Das Match könnte ganz interessant werden, wobei ich glaube, dass man Sheamus nicht sofort wieder ausbremst. Daher..
Mein Tipp: Sheamus
Dolph Ziggler & LayCool vs. John Morrison, Snooki & Trish Stratus
WWE Inc. weiß, wie wenig sie im Diven-Bereich hat, daher werden Ziggler und Morrison in das Match gesteckt. Ehrlicherweise muss man auch sagen, dass dies auch Snooki und Trish Stratus absichern sollen, die auf Grund ihrer mangelnden Erfahrungen bzw. eventuellen Ringrosts vielleicht kein komplettes Match abliefern können. Ich hoffe, dass Morrison und Ziggler das Match erträglich machen, wobei ich es relativ uninteressant finde. Trotzdem..
Mein Tipp: John Morrison, Snooki & Trish Stratus
Rey Mysterio vs. Cody Rhodes
Cody Rhodes hat im Vorfeld häufiger gesagt, dass er hofft, einen Showstealer abzuliefern. Klar: ein Showstealer bei Wrestlemania könnte seine Karriere beflügeln. Allerdings weiß ich nicht, ob sein Gegner für so einen Auftritt der richtige ist. Rey Mysterio hat lange Verletzungszeiten hinter sich, ist regelmäßig angeschlagen und die Gerüchte um seine Unzufriedenheit halten sich seit Monaten. Ob aus diesen Voraussetzungen ein klasse Match zustande kommen kann, wage ich zu bezweifeln. Trotzdem dürfte es unterhaltsam werden.
Mein Tipp: Rey Mysterio
Jerry Lawler vs. Michael Cole
Ich gönne Jerry Lawler seinen großen Moment. Auch wenn er jenseits der 60 ist, hat sich The King seinen großen Auftritt bei Wrestlemania verdient. Obwohl: Michael Cole als Non-Wrestler ist vielleicht nicht der "würdigste" Gegner und mit Jack Swagger neben dem Ring und vor allem mit Steve Austin als Special Referee wird Jerry Lawlers großer Moment überstrahlt. Das ist etwas schade, da gerade Steve Austin das Scheinwerferlicht auf sich ziehen wird. Ich weiß nicht, ob das irgendjemandem hilft. Trotzdem sollte der Ausgang klar sein.
Mein Tipp: Jerry Lawler
Randy Orton vs. CM Punk
Beide Wrestler waren schon Champion und haben dennoch die Zukunft vor sich. Und trotzdem bin ich irgendwie froh, dass diese Fehde hoffentlich bei Wrestlemania 27 ein Ende findet, denn so richtig hat die Geschichte um CM Punks Heelgruppe, die Woche für Woche durch Orton dezimiert wird, nicht gezündet. Und bei Wrestlemania kann eine Fehde nur so richtig enden, wenn die Guten gewinnen.
Mein Tipp: Randy Orton
The Undertaker vs. Triple H
Ohne große Vorwarnung wurde die Paarung ca. anderthalb Monate vor dem PPV aus dem Boden gestampft, als beide Wrestler ihre Rückkehr nach langer Verletzungspause feierten. Triple H hat seitdem nur wenig gewrestlet, zumeist in Multi-Tag-Team-Matches, während der Undertaker kein Match bestritten habe, wenn ich auf die Schnelle richtig recherchiert habe. Das läßt für die Matchqualität nicht viel hoffen, aber zu einem soliden Match sollte es reichen.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es irgendeinen Sinn ergibt, Triple H die Siegesserie des Undertakers beenden zu lassen. Klar, fürs Ego und für die eigenen Legende wäre es sicherlich eine feine Sache, aber da Triple H immer mehr hinter die Kulissen wechselt, weiß er hoffentlich, dass ein längerer Fehdenaufbau und ein jüngerer Bezwinger für WWE Inc. deutlich mehr Geld bedeuten dürften.
Mein Tipp: The Undertaker
The Miz vs. John Cena
The Rock - dieser Name schwebt über diesem Match. Ähnlich wie beim Lawler-Match ist dies etwas schade, denn Dwayne Johnson stiehlt den beiden eigentlichen Protagonisten das Rampenlicht, das sich besonders The Miz in den letzten Monaten hart erarbeitet hat. So interessant eine Fehde zwischen John Cena und The Rock ist, es wäre schade, wenn dieses Titelmatch von ihr bestimmt würde. Einzig: sollte tatsächlich The Rock hier eine Fehde mit John Cena beginnen, würde man wahrscheinlich den Titel daraus halten, so dass The Miz zwar weiter als schwacher, aber immerhin überhaupt als Champion dargestellt wird.
Mein Tipp: The Miz
Edge vs. Alberto del Rio
Konsequent hat man bei WWE Inc. Alberto del Rio gepusht, also wäre es sehr sinnvoll, ihm den Titel bei Wrestlemania zu geben. Dagegen spräche nach meinen Tipps, dass die beiden großen Titel in den Händen von Heels Wrestlemania verlassen werden, was ja nicht den allgemeinen Gepflogenheiten der vergangenen Jahren entspräche. Aber es gibt ja für alles ein erstes Mal.
Mein Tipp: Alberto del Rio