Tragisches Bild
ESPN wird am Mittwoch eine Dokumentation zu Scott Hall zeigen. Der Trailer läßt vermuten, dass wir das tragische Bild eines Mannes sehen werden, das uns fatal an "The Wrestler" erinnert.
Ich denke, dass diese Dokumentation für viele Scott-Hall-Fans eine spannende Geschichte erzählen könnte, die auch die Schattenseite des Wrestlings offenbart - auch wenn Eric Bischoff Scott Halls Probleme einfach in dessen Privatbereich abschiebt. Auf jeden Fall bin ich sehr gespannt und werde versuchen, diese Dokumentation zu sehen.
Keine hohen Erwartungen
Nach einiger Zeit der Ruhe möchte ich mal kurz einige Einschätzungen zu den aktuellen Entwicklungen im amerikanischen Mainstream-Wrestling loswerden.
WWE
Triple H als Chef mit Startschwierigkeiten? Verdammt. Das sieht aus, als würden einmal mehr nicht die Wrestler, sondern die Familie McMahon im Mittelpunkt der Main-Event-Geschichte stehen. "Family business" ist zwar eine schöne Sache, aber eigentlich nicht der Grund, warum ich Wrestling schaue. Besonders befürchte ich, dass auch Vince McMahon wieder Teil der wöchentlichen Shows wird.
TNA
Hulk Hogan vs. Sting? Ich kann mich gerade an kein gutes Match der beiden erinnern, schon 1997 war der heißerwartete Showdown der beiden war sowohl im Ring als auch bookingtechnisch eine bittere Enttäuschung. Im Jahr 2011 sind beide weit über 50, Hulk Hogan leidet an kaputten Knien, Rücken und künstlichen Hüften. Wie soll Hogan in seinem Zustand überhaupt einen Bump nehmen? Sting traue ich ja durchaus noch ein ordentliches Match zu, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die beiden Legenden den wichtigsten PPV des Jahres bereichern können. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: ein paar Käufer werden die beiden schon anziehen.
Übrigens bin ich gespannt, ob TNA bei Bound for Glory den World Title von Kurt Angle tatsächlich an Bobby Roode weitergibt. Logisch wäre es: man hat ein langes Turnier veranstaltet, um ihn zum Herausforderer zu machen. Um diese lange Zeit nicht bedeutungslos werden zu lassen, muss man nach allen Regeln des Bookings Roode den Titel geben. Aber bei TNA laufen Eric Bischoff und Vince Russo herum, da erwarte ich mal lieber kein logisches Booking.
Ihr seht, ich habe momentan keine hohen Erwartungen im Angesicht der aktuellen Entwicklungen.
One moment in time: 9. November 1997
Montreal Screwjob. 'Nuff said..
Über den Montreal Screwjob ist wahrscheinlich mehr geschrieben worden als über jedes andere Ereignis im Wrestling der letzten 50 Jahre. Angeblich plant WWE Inc. sogar eine DVD zu diesem Thema.
Ich will hier keine Daten herunterleiern oder spekulieren, wer wann was gesagt oder gewußt hat. Das haben schon hunderte vor mir getan. Ich möchte allerdings einen Aspekt hervorheben, der meistens etwas untergeht - der Montreal Screwjob hat der WCW auf dem Höhepunkt ihres Wirkens direkt Schaden zugefügt.
Damit meine ich nicht die Tatsache, dass Vince McMahon nach der Survivor Series 1997 zum absoluten Heel der WWF aufstieg und so mit seiner Fehde gegen Steve Austin die Wende in den Montagskriegen einläutete. Vielmehr störte der Montreal Screwjob die Fokussierung der WCW auf den Event, auf den sie so hervorragend über ein Jahr lang hingearbeitet hatte - Starrcade 97.
Seit der Gründung der nWo hatte Eric Bischoff ruhig und besonnen die Fehde des Stingers gegen das Oberhaupt der nWo, Hollywood Hulk Hogan, aufgebaut. Bei dieser Fehde machte die WCW nichts falsch, man arbeitete zielgerichtet auf Starrcade hin, der Abend, an dem Sting die WCW rächen würde. Es war der vielleicht am besten aufgebaute Event der 90er Jahre, die Fans waren elektrisiert und konnten den größten Showdown der WCW nicht erwarten. Dazu hatte die WCW sich zwischenzeitlich die Dienste von Bret Hart gesichert, so dass man für 1998 ein weiteres Eisen im Feuer hatte.
Doch dann platzt die Bombe in Form des Montreal Screwjobs. Plötzlich gibt es ein Störfeuer, das die allgemeine Aufmerksamkeit von Starrcade weg zur WWF zog. Um die Aufmerksamkeit zurück zu WCW zu lenken, mußte man etwas tun, was man unter anderen Umständen besser vermieden hätte: Bret Hart mußte noch 1997 für die WCW debütieren. Schließlich war der Hitman DAS Thema, so konnte man den Fokus zur WCW zurückholen. Doch der Preis war hoch: so richtig konnte man Bret Hart nicht einsetzen, ohne das Rampenlicht von Sting vs. Hogan zu nehmen, also suchte man verzweifelt nach einer Möglichkeit, Bret Hart unterzubringen. Und wann immer schnelle Entscheidungen zu treffen waren, versagte die WCW: Bret wurde Ringrichter bei Starrcade im Duell Larry Zbysko vs. Eric Bischoff. Wie noch dutzende Male später, hatte man keine guten Ideen für Bret Hart und nutzte sein Talent nicht. Man hatte einen Roster voller Talente, mit denen Hart ein Weltklassematch gezeigt hätte, doch als Referee war er falsch eingesetzt. Wäre man bereit gewesen, ein Stück vom Rampenlicht des (enttäuschenden) Main Events abzugeben, hätte man vielleicht sogar aus der Situation gewinnen können - ein PPV mit dem lang herbeigesehnten Showdown zwischen Sting und Hogan PLUS ein Match des heißesten Wrestlers zu diesem Zeitpunkt. Ich möchte nicht wissen, ob man die sowieso schon hervorragende Buyrate des PPVs nicht hätte noch weiter steigern können.
Und doch war die Situation schwer für die WCW-Verantwortlichen: auf der einen Seite war man gezwungen, das aktuelle Thema Bret Hart aufzugreifen und den Mann schnellstmöglich in die Shows zu holen, um der WWF den Wind aus den Segeln zu nehmen und auch von den Ereignissen des 9. Novembers zu profitieren. Auf der anderen Seite läßt man sich so kurz vor einem von langer Hand aufgebauten PPV ungerne von außen diktieren, wie man sein Produkt gestaltet. Der Fokus war auf Hogan vs. Sting und dort wollte man ihn belassen. Dummerweise konnte man nicht beide Seiten der Medaille bedienen und entschloss sich zu einem Mittelweg, der am Ende keinem half.
Bret Hart war am 28. Dezember 1997 nicht nur Referee beim Zbysko-Sieg, sondern nahm diese Rolle auch im Main Event wieder auf, wo er tatsächlich eine Art Screwjob an Hogan durchführte. Anstatt also den wichtigsten PPV des Jahres mit einem klaren Fehdenabschluss zu beenden, orientierte man sich an den WWF-Ereignissen des Vormonats und machte sie nach. Wie so häufig definierte Eric Bischoff sich und sein Produkt über den Wettbewerber, was im Grunde die hervorragende Vorarbeit ad absurdum führte. Man hätte es so einfach haben können, hätte man Sting einen klaren Sieg einfahren lassen und hätte beim ersten Nitro 1998 Bret Hart präsentiert. Oder hätte man die kurz danach schnell geschossene Fehde von Hart gegen Flair noch in den Starrcade-PPV gebracht. Die WCW hatte es Ende 1997 kein bißchen nötig, Seitenhiebe an die WWF zu verteilen oder sie nachzumachen. Und doch stellte man seine eigenen Stärken zurück, um auf Ereignisse bei der WWF zu reagieren, was im Angesicht des damaligen Erfolgs der WCW unangebracht war.
Und so kann man die Historie der WCW-Reaktion auf den Montreal Screwjob umreißen: Starrcade 1997 war ein Erfolg in allen meßbaren Bereichen, doch läutete das enttäuschende Ende des Main Events mit seiner Montreal-Kopie langsam die Wende zum Negativen ein. Bret Harts zu schnelles und undurchdachtes Debüt bestimmte den weiteren Verlauf seiner WCW-Karriere, bis zum Karriereende 2000 schien man nie so richtig zu wissen, wie man einen fünfmaligen WWF-Champion einsetzt.
Der Montreal Screwjob brachte die WCW aus der Spur - nicht indirekt durch die Ereignisse in der WWF, sondern der eigene Umgang der WCW mit Bret Hart und dem Thema ließ die WCW von ihrem klaren Weg auf den Höhepunkt ihrer besten Fehde stolpern. Ein Stolpern, von dem man sich nie wieder erholte..
Force of January?!
Vor einem Jahr startete das Wrestlingjahr 2010 mit einem Montagskrieg zwischen TNA und WWE. Am 4. Januar 2010 war es eine einmalige Angelegenheit, doch gut zwei Monate später versuchte sich TNA am regelmäßigen Montagsduell - und verlor derart kräftig, das man wenig später wieder zurück auf den Donnerstag wechselte.
Schaut man auf das Jahr 2010 zurück, stellt man etwas erschreckt fest, dass der allgemeine Erfolg des Wrestlings in den USA stagniert. Das scheint schwer begreiflich, gibt es doch mit WWE und TNA gleich zwei starke Promotions, wobei TNA durch das Engagement von Hulk Hogan und Eric Bischoff ganz klar Ambitionen zeigte.
Das Ergebnis von TNA ist ernüchternd. Im Vergleich zum Vorjahr verlor man sogar leicht Zuschauer. Dies ist sicherlich auf die dämliche Entscheidung, während der Road to Wrestlemania direkt gegen RAW anzutreten, zurückzuführen. Aber auch auf dem angestammten Donnerstag waren die Ratings zuletzt nur bedingt erfolgreich, was wohl auf ein sprunghaftes Booking zurückzuführen ist.
Für TNA war 2010 also ein eher verschenktes Jahr, denn ärgerlicherweise setzte man 2010 vornehmend auf etablierte Stars und brachte kaum neue Wrestler ins Rampenlicht. Dummerweise liest man regelmäßig, dass durch die hohen Personalkosten der finanzielle Erfolg ausgeblieben ist, so dass es für TNA keine gute Bilanz zu ziehen gibt.
WWE kann sich sicherlich auch nicht über gute Zahlen freuen. Die Ratings sanken im Vergleich zu den Vorjahren und auch bei den PPV-Zahlen gab es nichts Gutes zu vermelden. Doch immerhin kann WWE auch einiges aus 2010 mitnehmen. Man machte aus der Not eine Tugend und etablierte viele neue Gesichter im Main Event, so dass die langen Ausfälle vieler Wrestler zwar auffielen, aber weitesgehend kompensiert wurde. Vince McMahon darf 2010 zwar nicht als gutes Jahr bezeichnen, aber wenn man es als Investition in die Zukunft auffasst, können die reinen Zahlen in den Hintergrund treten.
So bleibt ein Jahr nach dem Montagskrieg vom 4. Januar 2010 zu vermelden, dass keine der beiden beteiligten Promotions die "Force of January" nutzen konnte, um in 2010 große Erfolge zu erzielen.
Hoffen wir also, dass Wrestling 2011 erfolgreicher wird.
Extreme Fehler
Sie lernen es nicht.
Bei TNA mußte man schmerzhaft erfahren, dass man mit Altstars wie Hulk Hogan und den Konzepten von Eric Bischoff nicht weiterkommt. Ein Grund für das Scheitern dieses groß aufgezogenen Experiments dürfte neben der starken Konkurrenz das Problem sein, dass dieses Konzept schon in der Vergangenheit gescheitert ist. Die WCW fiel letzten Endes auf die Nase mit dem Versuch, durch eine große Masse an gealterten Stars den Wrestlingmarkt zu erobern. Egal, wie erfolgreich dieses Vorgehen zwischenzeitlich war, unterm Strich scheiterte Eric Bischoff mit seinem Projekt sowohl Ende der 1990er Jahre als auch bei TNA 2010.
Und was lernt TNA daraus? Nichts.
Nachdem die Methoden der WCW die Organisation aus Florida nicht vorwärts gebracht hat, werden nun die Personen und Ideen der ECW ausgegraben. Eine ECW-Invasion ist momentan die große Storyline von TNA, aus dem PPV "Hard Justice" soll "Hardcore Justice" werden und angeblich bemüht man sich auch, Paul Heyman als Verantwortlichen für die Shows zu gewinnen.
Die ECW hatte ihre Glanzpunkte, das steht außer Frage. Doch die Hochzeiten sind nun auch schon über zehn Jahre her, entsprechend alt sind die Akteure von damals (Sandman, Raven, Mick Foley..), teilweise wurden diese von TNA aus dem Ruhestand reaktiviert. Das Altstarskonzept hat ja schon nicht funktioniert, aber um irgendwie die ECW zu repräsentieren, bedarf es halt dieser alten Haudegen.
Auch könnte man von WWE Inc. lernen. Deren Versuch, die ECW wiederzubeleben, funktionierte genau für eine Nacht - der 2005er PPV "One Night Stand" war eine gelungene Nostalgie-Show. Die weiteren Versuche scheiterten kläglich. Die wöchentliche ECW-Show war eine Schande für diesen ruhmreichen Namen und wurde letztlich als Nachwuchsshow genutzt. Aber diese negativen Erfahrungen des wichtigsten Wettbewerbers scheinen TNA nicht zu beeindrucken.
Grundsätzlich muss man auch mal festhalten: unterm Strich ist Paul Heyman mit seiner ECW gescheitert. Die Gründe sind eigentlich egal, Fakt ist aber, dass die ECW 2001 vom Markt verschwunden ist, was man als untrügliches Zeichen sehen sollte, dass dieses Konzept nicht mehr funktionierte. Offenbar gab es nicht genug Interesse am extremen Produkt, um den Fortbestand zu sichern. Das sollte man bedenken, wenn man zehn Jahre später diese Leiche wieder ausgräbt.
Und dann gibt es noch das unschöne Problem, dass TNA weder Namens- noch Bildrechte an der alten ECW hält. Das bedeutet, man muss mit eigenen Bildmaterial auskommen und ansonsten darauf hoffen, dass die Fans die Andeutungen und Referenzen verstehen. Das nimmt der ganzen Storyline schon einiges an Atmosphäre.
Wie auch immer man es wendet: TNA wiederholt erneut die Fehler der Vergangenheit, indem sie gescheiterte Ideen toter Promotions aufgreifen. Das ist im Angesicht des Potentials umso ärgerlicher.
Also werden sie es auf die harte extreme Tour lernen müssen, dass man die Vergangenheit besser ruhen läßt.
Poison injected
Habe ich noch im Nachhinein TNA als knappen Sieger des Montagskriegs am 4. Januar gesehen, hat man inzwischen in Orlando alles getan, diesem Eindruck entgegenzutreten. Ich weiß nicht, ob Hogan, Bischoff und Russo etwas aus der Vergangenheit gelernt haben, aber die Zahl der Fehler ist schon besorgniserrgend.
- Man präsentiert am 4. Januar zur Überraschung aller Jeff Hardy. Auch wenn man diesen Pfeil viel zu schnell aus dem Köcher geholt hat, war das schon ziemlich sensationell. Und dann? Seitdem hat man Jeff Hardy bei TNA nicht mehr gesehen, obwohl er mit Sicherheit ein riesiger Zuschauermagnet sein könnte.
- Orlando Jordan, Sean Morley und die Nasty Boys bekommen TV-Zeit und dürfen Matches gewinnen, während ein TNA-Eigengewächs und -Leistungsträger wie Samao Joe keinen Platz beim PPV hat? WTF..
- Der sechseckige Ring ist Geschichte. Nicht, dass ich diese Ringform besonders toll fand, aber so war das ganze doch ein Markenzeichen von TNA und ein gutes Abgrenzungsmerkmal gegenüber dem Mitbewerber. Diese Besonderheit leichtfertig aufzugeben, könnte sich noch rächen. Denn im und um den Ring arbeitet TNA immer mehr daran, eine Kopie von WWE Inc. oder gar der WCW zu werden. Da stünde ein Unterscheidungsmerkmal den Jungs aus Orlando nicht schlecht.
- Schon die WCW hat damit zu knabbern gehabt: man setzt PPV-Matches an, die Leute geben ihr Geld dafür aus und die Matches finden nicht wie angekündigt statt. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass einige den letzten TNA-PPV auch wegen der Rückkehr der Outsider (Kevin Nash & Scott Hall) gekauft haben. Und dann findet dieses Match nicht mit Hall, sondern mit Sean Waltman, dessen Beliebtheit und Relevanz gegen Null tendiert, statt. Ärgerlich..
- Und bei derselben Veranstaltung wird Bobby Lashley aus seinem Match gegen Abyss genommen, um von Mr. Anderson (Kennedy) ersetzt zu werden. Bobby Lashley spricht durch seine MMA-Karriere durchaus ein Publikum an, das man als Wrestling-Organisation gewinnen könnte. Ihn schwach aussehen zu lassen, hilft nicht gerade, neue Zuschauer anzusprechen. Und Mr. Anderson scheint mit seinen Schauspiel-Ambitionen ja nicht gerade der passende Ersatz zu sein, zumal seine Starpower auch nicht gerade die größte ist. Aber halt: er war ja mit Hulk Hogan auf Australien-Tour..
- Man könnte noch weitere Fehler auspacken: auf der einen Seite wird Mick Foley als Gegner von Bischoff/Hogan aufgebaut, auf der anderen Seite verliert er klar im Ring gegen Kevin Nash; das PPV-Match Styles vs. Angle wurde nicht nur vor dem Match bei Impact geboten, sondern auch danach; wo ist Sting?; den Fans wird tatsächlich vorgeschrieben, nicht zu fluchen und gefälligst an den rechten Stellen zu jubeln; Hall & Waltman werden erst als vertragslos dargestellt und "gefeuert", um dann doch regelmäßig aufzutauchen und Teil des Rosters zu sein;..
Wenn man bedenkt, welches Potential bei TNA liegt, ist es bitter zu sehen, dass Bischoff und Hogan soviel so schnell vor die Wand fahren.
Erinnert sich noch jemand, wie Vince McMahon die Rückkehr der nWo 2001/2 ankündigte? "I am gonna inject poison". Man könnte meinen, dieses Gift in Form von Hogan hätte er nach der WCW auch TNA verabreicht.
Rückblick auf Montag: Impact
Während es bei RAW eher "business as usual" gab, bleibt man bei TNA mit offenem Mund vor dem PC sitzen. Nicht nur aus Begeisterung, aber dazu mehr..
Der Herausforderer im Montagskrieg fuhr scharfe Geschütze auf: Hulk Hogan gab sein TNA-Debüt. Machen wir uns nichts vor: der alte Mann ist hinischtlich seiner Mainstreamwirkung immer noch unübertroffen. Die respektable Quote von 1.5 zeigt dies durchaus.
Aber nicht nur Hogan war als Attraktion zu bewundern. Neben Hogan brachte TNA mit Jeff Hardy, Ric Flair, Orlando Jordan, Scott Hall, Sean Waltman, den Nasty Boys, Val Venis, Shannon Moore, Eric Bischoff und dem Rückkehrer Sting viele weitere altbekannte Gesichter (zurück) ins Fernsehen. Die Starpower von Impact ist damit unbestritten, da ja mit Mick Foley, Kevin Nash, Kurt Angle und Jeff Jarrett noch weitere große Namen des Wrestlings zu bewundern waren.
Doch hat all das auch seinen Nachteil: nicht nur, dass man sich personell und inhaltlich an die WCW erinnert fühlt, nein, man verschießt sein Pulver, das für mehrere Monate ausreicht, an einem Abend. Die Rückkehr von Jeff Hardy, Ric Flairs Auftritt, die Wiedervereinigung der nWo und Stings TV-Rückkehr sind Main-Event-Geschichten, die der Höhepunkt eines PPVs oder einer Impact-Sendung sein sollten. Diese Momente so schnell herzugeben für einen einzigen erfolgreichen Abend hat auch schon der WCW sehr geschadet. Besonders an Ric Flair sieht man, wieviel man verschenkt hat. Nicht mal eine Promo durfte der Nature Boy halten..
Positiv fiel das Wrestling auf. Okay, ein Cagematch sollte ein sauberes Ende haben, aber Styles vs. Angle und das Damenwrestling machten klar, welche Stärke TNA gegenüber der Konkurrenz auffahren kann. Jetzt mag man die obere Kritik aufnehmen und bemerken, dass man mit Styles vs. Angle ein PPV-Match kostenlos herausgegeben hat, aber wir wollen mal nicht zu kleinlich sein. Im Ring hat TNA in meinen Augen das bessere Produkt vorzuweisen, da auch die Talentbreite bis jetzt deutlich besser war.
Ob die bisherigen Talente von TNA aber eine Chance bekommen werden, ihre Stärke einzubringen, wage ich zu bezweifeln. Zwölf neue On-Air-Charaktere, von denen vier (Hardy, Hogan, Flair, Sting) absolute Main-Eventer sind, benötigen halt TV-Zeit, die an anderer Stelle eingespart werden muss. Und da wird es langsam problematisch..
Ich verstehe ja durchaus, dass man Hall und Waltman verpflichtet, Hardy und Flair sind sowieso ein gutes Investment, aber warum Orlando Jordan, Val Venis oder die Nasty Boys zu TNA geholt wurden, bleibt mir ein Rätsel. Gerade in der Midcard ist TNA gut aufgestellt, da braucht es diese Herren eigentlich nicht. Komisch, dass die vier Wrestler gerade mit Hogan durch Australien tourten. Diese Vetternwirtschaft hat schon zu WCW-Zeiten Geld und Ratings gekostet.
Hall, Nash, Waltman, Hogan und Bischoff - diese fünf Herren hatten das meistgesehene Segment der Show. Dies wird sicherlich zum Anlass genommen, die nWo-Reunion weiter voranzutreiben, doch frage ich mich wirklich, wieviele Menschen dies 2010 wirklich sehen wollen. Kevin Nashs Gang zum Ring offenbarte die großen gesundheitlichen Probleme, die der Ex-Diesel hat. Scott Hall sah zwar schon mal schlechter aus, aber er wirkte immer noch aufgequollen. Und Waltman wirkte irgendwie deplatziert.
Und dann war da noch die Promo von Eric Bischoff, der versprach, alles von oben nach unten zu drehen und dabei ein Produktionsskript zerrieß. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich mag es nicht, wenn in Wrestlingpromos offenbart wird, dass alles nur Show und Produktion ist. Dieses Pseudo-Shooten ist ein Stilmittel, das Vince Russo viel zu häufig angewandt hat und das meiner Meinung nach die Magie aus den Shows nimmt. Ich weiß, dass Wrestling Show ist und dass alles abgesprochen ist, aber ich möchte das nicht ständig unter die Nase gerieben bekommen. Bischoffs Promo war leider nicht der einzige Teil der Show, in dem dieser Vorhang gelüftet wurde. Viel zu viele Insiderandeutungen und Keyfabe-Brüche haben auch schon in der WCW keine gute Wirkung hinterlassen.
So bleibt am Ende eine seltsame Show. Auf der einen Seite hat TNA massenhaft Stars aufgefahren und tolles Wrestling angeboten, so dass man den Zuschauer durchaus begeistern konnte. Auf der anderen Seite ist es erschreckend, wie dieselben Fehler wie in der WCW gemacht werden.
Der Zuschauer bleibt durchaus mit dem Interesse für die weitere Entwicklung von TNA zurück, zumal ja doch einige Storylines begonnen wurden und das Wrestling überzeugen konnte. Allerdings dürfte dem Interesse auch eine gewisse Ernüchterung folgen, denn ein solches Feuerwerk kann TNA nicht noch einmal abbrennen, schließlich hat man einiges an Pulver verschossen.
Allerdings hat die gebotene Show in meinen Augen ausgereicht, um im Montagskrieg einen kleinen Punktsieg davonzutragen.
Krieg am Montag – Spaß am Dienstag
Am 4. Januar gibt es eine vorerst einmalige Neuauflage des "Monday Night War". Zumindest, wenn es nach den Wünschen der TNA-Offiziellen geht, die für diesen Tag ein dreistündiges Live-Impact in den Ring werfen, dessen Hauptattraktion das On-Air-Debüt des Godfathers of Wrestling, Hulk Hogan, ist.
Gleichzeitig gibt es viele Gerüchte, wer neben dem Hulkster sein Debüt im sechseckigen Ring geben wird (, sofern dieser nicht der kreativen Macht des Hulksters zum Opfer fällt). Ric Flair gilt nach seiner Hulkamania-Tour als ziemlich sicherer Kandidat, Rob Van Dam wird auch heiß gehandelt. Dazu läßt der Gewinn eines Tag-Team-Titleshots durch Kevin Nash die Spekulation sprießen, dass Scott Hall und/oder Sean Waltman ihre Rückkehr zu TNA feiern könnten.
Betrachten wir es realistisch: Ric Flair ist ein alter Mann, der nur noch für einen schönen Abschied von Sting seine Berechtigung hätte. Rob Van Dam wäre nur ein weiterer ehemaliger WWE-Midcarder, der bei TNA in den Main Event gepusht würde. Scott Hall ist leider nur noch ein Schatten, ein armer, kranker Mann, der in der Vergangenheit viel verbrannte Erde hinterlassen hat. Und Sean Waltman? Naja, X-Pac-Heat ist ein geflügeltes Wort geworden. Und sollte jemand auf die Idee kommen, die nWo oder die "Kings of Wrestling" neu beleben zu wollen - wir schreiben bald das Jahr 2010..
Ich bin mir sicher, dass WWE Inc. das Treiben bei TNA mit ausreichender Gelassenheit sieht. Klar: Hulk Hogan hat einen großen Namen und es ist als sicher anzunehmen, dass er zumindest kurzfristig einen kleinen Rating-Boost für TNA schafft, aber auf lange Sicht muss TNA mehr als ein paar Namen zu bieten haben. Und da sieht es halt schlecht aus, schließlich sind mit Eric Bischoff, Vince Russo, Kevin Nash und Hulk Hogan gleich vier gewichtige Gründe für den Niedergang der WCW bei TNA versammelt. Das läßt nicht gerade hoffen. Zudem sind die Storyline-Ideen für Hogan, die man im Internet so liest, nicht gerade die Offenbarung: eine Neuauflage von "New Blood" vs. "Millionaire´s Club" ist nicht gerade die geniale Idee.
Und um ganz sicher zu gehen, dass es am 4. Januar keine böse Überraschung gibt, scheint WWE Inc. auch noch einige Pfeile im Köcher zu haben. Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft, sei sie auch noch so schwach. Schon lange schwirrt im Internet das Gerücht, The Rock könnte die RAW-Ausgabe am 4. Januar als Guest Host leiten. Das scheint zwar eher unwahrscheinlich, aber das würde sicherlich TNA einiges an Wind aus den Segeln nehmen.
Ein weiterer Pfeil auf der Sehne des WWE-Bogens scheint kein geringerer als Bret "The Hitman" Hart zu sein. So verdichten sich die Gerüchte, dass der Kanadier einen Vier-Monats-Vertrag mit WWE Inc. unterschrieben hat, beginnend just am Tag des neuerlichen Montagskrieg. Wenn das stimmt, hätte WWE Inc. eine kaum zu schlagende Geldmaschine an der Hand. Wenn Vince McMahon und Bret Hart ihre Egos und ihre Differenzen tatsächlich beiseite schieben könnten und eine On-Air-Fehde vor dem realen Hintergrund des Montreal-Screw-Jobs starten würden, die in irgendeiner Form von Wrestlemania-Event gipfelt, könnte wir gleich zu Beginn des Jahres die Fehde des Jahres sehen. Da sind zwar viele Konjunktive drin, aber als Wrestlingfan hoffe ich doch sehr darauf.
Sollten also The Rock und/oder Bret Hart tatsächlich am 4. Januar die Waffen der WWE sein, dürfte es schwer werden, überhaupt von einem Montagskrieg zu sprechen. Für Vince McMahon hieße die Quotenanalyse am Tag danach "Spaß am Dienstag". Andererseits setze ich als Fan doch ein wenig Hoffnung in diesen Montag. Auch wenn ich skeptisch bin, so gönne ich TNA den Erfolg. Und sei es nur, dass es für mehr Wettbewerb um uns Zuschauer sorgt. Denn wir Fans wären gerne wieder die großen Gewinner der Montagskriege.