Roode Awakening
Am Sonntag fand mit Bound for Glory der vermeintlich wichtigste PPV von TNA statt. Lange hatte man auf diesen Abend hingearbeitet. Über Monate lief die Bound-for-Glory-Series, um einen Herausforderer für den World-Titlezu ermitteln. Die Idee war klasse: mehrere Teilnehmer kämpften bei allen Arten von Shows gegeneinander, um Punkte für den Tabellenstand zu erringen. Am Ende gab es sogar einen Finalkampf zwischen Bobby Roode und Bully Ray, den der Kanadier für sich entscheiden konnte. Besonders toll fand ich, dass durch die Bound-for-Glory-Series die Houseshows aufgewertet wurden. Es wurden nicht jeden Abend dieselben Kämpfe ausgetragen, sondern jede Nacht hatte ihre individuelle Note. Die Nachricht an die Besucher ist eine schöne: euer Abend ist wichtig, was hier passiert findet ihr im Internet und in den TV Sendungen wieder. So verleiht man dem einzelnen Abend und der gesamten Serie Bedeutung und schafft Kundenbindung.
Und dann macht man alles an einem Abend zunichte.
Eigentlich war jedem Beteiligten klar, wie der Abend laufen müsste. In einem spannenden und dramatischen Match hätte Bobby Roode gegen Kurt Angle gewinnen müssen. Nur so hätte man die Bedeutung und die Ernsthaftigkeit der Ereignisse der vergangenen Monate aufrechterhalten und unterstreichen können. Die Niederlage schadete nicht nur Bobby Roode, sondern vor allen Dingen der Glaubwürdigkeit von und dem Vertrauen in TNA. Booking ist eigentlich sehr einfach: man baut über einen gewissen Zeitraum eine Fehde auf, lässt sie bei einem PPV gipfeln und erfüllt am Ende die Erwartungen des Publikums.
Man liest in diesen Tagen viel, dass Hulk Hogan in die treibende Kraft hinter dieser Entscheidung gewesen sei. Das mag stimmen oder nicht, aber so oder so erinnert es fatal an die Fehler der WCW. Dort ließ man auch viele Chancen ungenutzt, neue Gesichter zu etablieren. Auffällig ist doch einmal mehr, dass die Hauptsegmente des Abends nicht von eigenen Gewächsen geprägt waren. In den letzten beiden Kämpfen des Abends waren mit Hogan, Sting und Kurt Angle drei Fremdeinkäufe im Ring. Davor hatten Jeff Hardy und Jeff Jarrett ein Interviewsegment - beide machten sich außerhalb von TNA einen Namen. Und am Ende verlor das Eigengewächs auch noch..
ACHTUNG: SPOILER-ALARM
Dem Ganzen wird aber noch die Krone aufgesetzt: Nicht nur, dass man an einem Abend monatelanger Vorarbeit zunichte macht, nein, bei den nächsten TV-Aufnahmen wurde aus dem Nichts James Storm neuer Champion. Ich habe nichts gegen überraschende Wendungen. Sie sind für gute Unterhaltung notwendig, aber es gibt Momente, in denen die Straßen keine Kurven mehr haben, sondern einfach gerade ausführen. Sonntag Nacht war ein solcher Moment, doch TNA hat ihn verpennt und ist weiter Kurven gefahren.
Das wird ein böses Erwachen geben.
Hard(y) times
Eigentlich dachte ich in den vergangenen Jahren, dass Jeff der unsolidere der beiden Hardy-Brüder sei. Doch die letzten Wochen haben die Einschätzung ins Wanken gebracht. Zwar ist Jeffs letzter Skandal auch noch nicht so lange her, überhaupt konnte der erfolgreichere Hardy in den letzten Jahren nur bedingt Ruhe ausstrahlen. Doch Matt hat inzwischen drei kurzzeitige Inhaftierungen durch Verstösse im Straßenverkehr hinter sich, zweimal steht das Fahren unter dem Einfluss von Medikamenten, Drogen oder Alkohol zur Debatte. Dazu kommen verstörende YouTube-Videos, die sich als Selbstmordankündigungen verstehen lassen.
Matts Karriere habe ich hier schon einmal nach seiner WWE-Entlassung und bei seinem TNA-Debüt beleuchtet. Es ist schade, dass aus einem soliden Midcarder, der immer im Schatten seines extrovertierten und problembehafteten Bruder stand, eine derart traurige Figur wurde. Über Jahre schien Matt Hardy von außen betrachtet sowas wie ein vorbildlicher Mitarbeiter zu sein, doch die letzten Jahren haben diesen Eindruck nach und nach verwässert, bis in den letzten Wochen dieses Bild in sich zusammenbrach.
Dass TNA nach der ersten Verhaftung Matt Hardy gefeuert hat, spricht natürlich auch Bände. Nicht nur, dass Matts TNA-Karriere ebenso erfolglos war wie seine WWE-Arbeit: die sofortige Entlassung des mehrfachen WWE-Tag-Team-Champions zeugt doch davon, dass Matt schon vorher auf tönernen Füßen bei TNA stand.
Matt hat nun (erst einmal) das gemacht, was ihm als einzige Option blieb, nachdem er bei den beiden einzigen großen US-Wrestlingkonzernen wohl keine Zukunft mehr hat: er hat seine Karriere beendet. Hoffen wir, dass er durch diesen drastischen Schritt sein Leben wieder in den Griff bekommt.
Fiasko
Was TNA in der Nacht zum Montag als Main Event eines PPVs den Menschen anbot, war ein schlechter Witz. In anderthalb Minuten von Ringglocke zu Ringglocke fertigte Sting seinen Herausforderer Jeff Hardy ab. Dabei war die erste Minute reines Posen von Hardy, so dass die einzige echte Wrestlingaktion der Finisher des Stingers war. In den gut achteinhalb Minuten Vorgeplänkel (Einzug der Wrestler, Auftritt Eric Bischoff) konnte man gut sehen, dass Jeff Hardy in keinster Weise in der Lage war, ein Wrestlingmatch abzuliefern. "Bullshit"-Rufe füllten die Halle, Sting konnte nur "I agree" rufen, als er die Halle verließ.
Man fragt sich nur, wie eine solche Situation entstehen konnte.
Sollte die unwahrscheinliche Hypothese stimmen, dass diese ganze Geschichte ein Work war, hat niemand bei TNA verstanden, wie man mit Publikumsreaktionen arbeitet. X-Pac-Heat heißt das Zauberwort, das mir in den Sinn kommt. X-Pac hatte das schlimme Problem, dass die Leute ihn nicht hassten, weil die Booker das wollte und seine Rolle das verlangte, sondern er wurde aus der Halle gebuht, weil die Leute ihn schlicht und simpel nicht sehen wollten, weil die Leute ihn nicht leiden konnten. Und genau diese X-Pac-Heat generiert TNA mit solchen Angles, sofern dies ein Work war. Die Leute bezahlen für ein Wrestlingmatch, nicht für eine insgesamt zehnminütige Farce.
Und sollte es kein Work gewesen sein, was ich und viele Beobachter mit mir für höchst wahrscheinlich halten, dann hat TNA kein gutes Bild abgegeben. Sollte Jeff Hardy nicht in der Lage gewesen sein, ein Match zu worken, hätte man den Main Event ändern müssen. Ob man einen Three-Way-Dance mit Hardy, Sting und einem dritten Wrestler macht oder einem anderen Mann die Chance gibt, hauptsache, die Zuschauer gehen nach einem vernünftigen Main Event glücklich heim. Aber diese Eskalation, dieses Fiasko zuzulassen, war die einzige Option, die man nicht wählen konnte. Auch wenn die Außenwirkung einer plötzlichen Main-Event-Änderung ebenso schlecht gewesen wäre, so hätte man doch durch ein gewisses Maß an Ehrlichkeit die Situation retten können.
Nun mägen TNA und dieser bizarre Main Event zwar durchaus ein heißes Internetthema sein, aber profitieren wird man davon nicht. Die Mehrheit der PPV-Käufer wird sich zukünftig sehr genau überlegen, noch einmal 30$ oder mehr für eine TNA-Show auszugeben.
Ein wenig fühlte ich mich an einen Wendepunkt der WCW-Historie erinnert: damals war der Upset ein Match zwischen dem Champion Kevin Nash und Hulk Hogan, welches letzterer nach einem Fingertipp gewinnen konnte. Von da an ging es bergab mit der WCW. Hoffen wir, dass Jeff Hardys Auftritt bei Victory Road 2011 nicht ein ebensolcher Wendepunkt war.
Matt “Freaking” Hardy?!
TNA hat sich einmal mehr als WWE-Resterampe verdingt und beim gestrigen PPV Matt Hardy als Überraschungsgegner für Rob Van Dam präsentiert. Als hätte man nichts aus der Vergangenheit gelernt, gibt man einem etablierten Wrestler, der es in zehn WWE-Jahren nicht geschafft hat, bei den Fans over zu werden, einen Spot in der Promotion, anstatt frische Gesichter einzuführen.
Wie ich schon bei seiner Entlassung geschrieben habe, war Matt der Marty Jannetty der Hardy Boys. Während sein Bruder nach dem Split den Weg zur Spitze und in die Herzen der Fans gefunden hat, versank Jeff Matt in der Midcard. Es gab nur einen kurzen Moment, aus dem vielleicht eine Karriereschub hätte werden können. Damals verliess Lita ihren Freund Matt Hardy für Edge. Dies war eigentlich ein Ereignis aus dem wahren Leben, wurde aber für eine Wrestlingsstoryline genutzt, um eine Fehde aufzubauen. Doch ärgerlicherweise sprang der Funken nicht über. Während Edge (mit Lita) zum Main Eventer wurde, wurde Matt zum Edel-Jobber. Bis er sich vor einigen Monaten durch äußerst ungeschickte Äußerungen quasi selbst vor die Tür setzte.
Und dieses Sinnbild eines ewigen Midcarders holt TNA. Das ergibt schlicht keinen Sinn. Matt Hardy zieht keine Fans in die Arenen, er verkauft keine T-Shirts und wegen ihm wird niemand einen PPV kaufen. Eine Reunion der Hardy Boys wäre ebenso sinnlos, denn Jeffs Zugkraft würde dadurch verschwendet. Matt hat in über zehn Jahren WWE-Präsenz nicht den finalen Schritt geschafft, er wird mit Mitte 30 sich auch nicht neu erfinden können, daher ist diese Personalie weder eine Investition in die Zukunft noch eine Investition für einen kurzfristigen Erfolg.
Wenn ich über Matt Hardy nachdenke, fällt mir immer nur ein großer Moment ein, bei dem er dummerweise selbst gar nicht anwesend war. Es war beim 2005er PPV "One Night Stand", als Paul Heyman zu Edge folgendes sagte:
"I got two words for you - Matt 'Freaking' Hardy!"
Damit dürfte alles gesagt sein.
Neuer Gürtel für Jeff Hardy
Kaum turnt man Jeff Hardy Heel und macht ihn zum Champion, geht man bei TNA her und designt einen neuen Titelgürtel, der bei Impact der Welt vorgestellt wurde.
Ich versuche meinen Eindruck mal positiv zu formulieren: der Titelgürtel hat einen guten Wiedererkennungswert. Er hebt sich durch die Sterne und dem Grunddesign, welches mich irgendwie an das Logo des Ultimate Warriors erinnert, durchaus von vielem im Wrestlinggeschäft befindlichen Titelgürteln ab. Das ist für TNA umso wichtiger, da die Liga eine klare Abgrenzung vom Wettbewerb und Alleinstellungsmerkmale braucht. Ein optisch auffälliger Gürtel kann da durchaus der richtige Schritt sein.
Wenn ich mal weniger positiv an die Sache herangehe, muss ich feststellen, dass der Gürtel, der den höchsten und wichtigsten Titel von TNA repräsentiert, wenig feierlich und etwas trashig aussieht. Ähnlich wie dieser drehende WWE-Titel finde ich dieses sehr verspielte Design mit den Sternen an den Rändern eines wichtigen Titels für unwürdig. Etwas seriöser hätte es schon sein dürfen. Und letztlich bleibt die Frage, ob TNA nicht ganz andere Probleme hat als das Aussehen ihrer Titelgürtel?
Natürlich bleibt auch die spannende Frage, ob dies ein Hardy-only Gürtel ist oder ob zukünftig alle TNA-Champions mit diesem Machwerk herumrennen müssen. Aber das wird die Zeit ja zeigen.
Wie findet Ihr denn diesen Titelgürtel?
Nachvollziehbar
WWE Inc. hat Matt Hardy entlassen.
Überraschend kam das nicht, machten doch Gerüchte über das Heimschicken von Hardy während zweier Houseshows wegen mangelnder Verfassung die Runde. Zudem provozierte Matt Hardy über Twitter etc. seine Entlassung, indem er sich negativ über die Entwicklung bei WWE Inc. äußerte.
Ich glaube, dass beide Seiten gut mit der Entlassung leben können.
Für Matt Hardy, der seit den 90er Jahren Teil von WWE war, dürfte die Stagnation seiner Karriere ein großes Übel gewesen sein. Gemeinsam mit seinem Bruder Jeff startete er im Tag-Team-Bereich, erst als Jobber, dann als Top-Team um die Jahrhundertwende. Doch als das Team dann logischerweise zerbrach, folgte sein Bruder Jeff den Fußstapfen von Bret Hart, Shawn Michaels, Booker T, Edge oder JBL und wurde über eine starke Karriere im Midcard-Segment zum Main Eventer und zum Champion. Selbst sein unsolider Lebenswandel hinderte ihn nicht, bei WWE und TNA erfolgreich zu sein.
Matt hingegen blieb nur die Rolle des Jim Neidhart, des Marty Jannetty, des Stevie Ray, des Christian oder des Farooq (wobei der Vergleich nur bedingt paßt, da Ron Simmons schon Anfang der 90er seinen großen Run in der WCW hatte). Er blieb zwar bei WWE Inc., schaffte es aber selten über die Undercard hinaus. Lediglich die Einbeziehung seiner privaten Probleme mit Lita und Edge verschafften ihm seine große Storyline. Zuletzt mußte Matt Hardy zusehen, wie junge Talente ganz fix an ihm vorbei gepusht wurden, bestenfalls durfte er sich mal für Leute wie Drew McIntyre oder Sheamus hinlegen.
Kurzum: als Matt Hardy hätte ich auch keine Perspektive mehr bei WWE gesehen.
Für WWE Inc. ist die Entlassung eine klare Sache. Man kann sich in der Öffentlichkeit von seinen Angestellten nicht auf der Nase herumtanzen lassen, egal, wie lange er schon im Unternehmen ist.
Und wenn man die Möglichkeiten von Matt Hardy nach seiner Entlassung sieht, dürfte WWE Inc. auch nicht ganz unzufrieden sein. Will er nicht in der Versenkung verschwinden, muss Matt über kurz oder lang bei TNA anheuern, was WWE nur recht sein dürfte. Schließlich würde dadurch der Fokus der TNA-Storylines auf einen ehemaligen WWE-Midcarder liegen, was schon in den Fällen Christian und Mr. Anderson schon in die Hose ging. Zudem brächte die Verpflichtung von Matt Hardy weitere Unruhe in den TNA-Lockerroom, was vielleicht sogar das ein oder andere Talent von TNA weg treibt.
Ich würde Matt Hardy keine großen Hoffnungen machen wollen, dass seine Wrestlingkarriere nach der Entlassung durch WWE Inc. nun einen neuen Schub bekommt. Zwar wird er kurz im Rampenlicht stehen, aber wie Marty Jannetty oder Stevie Ray wird seine Einzelkarriere wenig erfolgreich bleiben.
Poison injected
Habe ich noch im Nachhinein TNA als knappen Sieger des Montagskriegs am 4. Januar gesehen, hat man inzwischen in Orlando alles getan, diesem Eindruck entgegenzutreten. Ich weiß nicht, ob Hogan, Bischoff und Russo etwas aus der Vergangenheit gelernt haben, aber die Zahl der Fehler ist schon besorgniserrgend.
- Man präsentiert am 4. Januar zur Überraschung aller Jeff Hardy. Auch wenn man diesen Pfeil viel zu schnell aus dem Köcher geholt hat, war das schon ziemlich sensationell. Und dann? Seitdem hat man Jeff Hardy bei TNA nicht mehr gesehen, obwohl er mit Sicherheit ein riesiger Zuschauermagnet sein könnte.
- Orlando Jordan, Sean Morley und die Nasty Boys bekommen TV-Zeit und dürfen Matches gewinnen, während ein TNA-Eigengewächs und -Leistungsträger wie Samao Joe keinen Platz beim PPV hat? WTF..
- Der sechseckige Ring ist Geschichte. Nicht, dass ich diese Ringform besonders toll fand, aber so war das ganze doch ein Markenzeichen von TNA und ein gutes Abgrenzungsmerkmal gegenüber dem Mitbewerber. Diese Besonderheit leichtfertig aufzugeben, könnte sich noch rächen. Denn im und um den Ring arbeitet TNA immer mehr daran, eine Kopie von WWE Inc. oder gar der WCW zu werden. Da stünde ein Unterscheidungsmerkmal den Jungs aus Orlando nicht schlecht.
- Schon die WCW hat damit zu knabbern gehabt: man setzt PPV-Matches an, die Leute geben ihr Geld dafür aus und die Matches finden nicht wie angekündigt statt. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass einige den letzten TNA-PPV auch wegen der Rückkehr der Outsider (Kevin Nash & Scott Hall) gekauft haben. Und dann findet dieses Match nicht mit Hall, sondern mit Sean Waltman, dessen Beliebtheit und Relevanz gegen Null tendiert, statt. Ärgerlich..
- Und bei derselben Veranstaltung wird Bobby Lashley aus seinem Match gegen Abyss genommen, um von Mr. Anderson (Kennedy) ersetzt zu werden. Bobby Lashley spricht durch seine MMA-Karriere durchaus ein Publikum an, das man als Wrestling-Organisation gewinnen könnte. Ihn schwach aussehen zu lassen, hilft nicht gerade, neue Zuschauer anzusprechen. Und Mr. Anderson scheint mit seinen Schauspiel-Ambitionen ja nicht gerade der passende Ersatz zu sein, zumal seine Starpower auch nicht gerade die größte ist. Aber halt: er war ja mit Hulk Hogan auf Australien-Tour..
- Man könnte noch weitere Fehler auspacken: auf der einen Seite wird Mick Foley als Gegner von Bischoff/Hogan aufgebaut, auf der anderen Seite verliert er klar im Ring gegen Kevin Nash; das PPV-Match Styles vs. Angle wurde nicht nur vor dem Match bei Impact geboten, sondern auch danach; wo ist Sting?; den Fans wird tatsächlich vorgeschrieben, nicht zu fluchen und gefälligst an den rechten Stellen zu jubeln; Hall & Waltman werden erst als vertragslos dargestellt und "gefeuert", um dann doch regelmäßig aufzutauchen und Teil des Rosters zu sein;..
Wenn man bedenkt, welches Potential bei TNA liegt, ist es bitter zu sehen, dass Bischoff und Hogan soviel so schnell vor die Wand fahren.
Erinnert sich noch jemand, wie Vince McMahon die Rückkehr der nWo 2001/2 ankündigte? "I am gonna inject poison". Man könnte meinen, dieses Gift in Form von Hogan hätte er nach der WCW auch TNA verabreicht.
Rückblick auf Montag: Impact
Während es bei RAW eher "business as usual" gab, bleibt man bei TNA mit offenem Mund vor dem PC sitzen. Nicht nur aus Begeisterung, aber dazu mehr..
Der Herausforderer im Montagskrieg fuhr scharfe Geschütze auf: Hulk Hogan gab sein TNA-Debüt. Machen wir uns nichts vor: der alte Mann ist hinischtlich seiner Mainstreamwirkung immer noch unübertroffen. Die respektable Quote von 1.5 zeigt dies durchaus.
Aber nicht nur Hogan war als Attraktion zu bewundern. Neben Hogan brachte TNA mit Jeff Hardy, Ric Flair, Orlando Jordan, Scott Hall, Sean Waltman, den Nasty Boys, Val Venis, Shannon Moore, Eric Bischoff und dem Rückkehrer Sting viele weitere altbekannte Gesichter (zurück) ins Fernsehen. Die Starpower von Impact ist damit unbestritten, da ja mit Mick Foley, Kevin Nash, Kurt Angle und Jeff Jarrett noch weitere große Namen des Wrestlings zu bewundern waren.
Doch hat all das auch seinen Nachteil: nicht nur, dass man sich personell und inhaltlich an die WCW erinnert fühlt, nein, man verschießt sein Pulver, das für mehrere Monate ausreicht, an einem Abend. Die Rückkehr von Jeff Hardy, Ric Flairs Auftritt, die Wiedervereinigung der nWo und Stings TV-Rückkehr sind Main-Event-Geschichten, die der Höhepunkt eines PPVs oder einer Impact-Sendung sein sollten. Diese Momente so schnell herzugeben für einen einzigen erfolgreichen Abend hat auch schon der WCW sehr geschadet. Besonders an Ric Flair sieht man, wieviel man verschenkt hat. Nicht mal eine Promo durfte der Nature Boy halten..
Positiv fiel das Wrestling auf. Okay, ein Cagematch sollte ein sauberes Ende haben, aber Styles vs. Angle und das Damenwrestling machten klar, welche Stärke TNA gegenüber der Konkurrenz auffahren kann. Jetzt mag man die obere Kritik aufnehmen und bemerken, dass man mit Styles vs. Angle ein PPV-Match kostenlos herausgegeben hat, aber wir wollen mal nicht zu kleinlich sein. Im Ring hat TNA in meinen Augen das bessere Produkt vorzuweisen, da auch die Talentbreite bis jetzt deutlich besser war.
Ob die bisherigen Talente von TNA aber eine Chance bekommen werden, ihre Stärke einzubringen, wage ich zu bezweifeln. Zwölf neue On-Air-Charaktere, von denen vier (Hardy, Hogan, Flair, Sting) absolute Main-Eventer sind, benötigen halt TV-Zeit, die an anderer Stelle eingespart werden muss. Und da wird es langsam problematisch..
Ich verstehe ja durchaus, dass man Hall und Waltman verpflichtet, Hardy und Flair sind sowieso ein gutes Investment, aber warum Orlando Jordan, Val Venis oder die Nasty Boys zu TNA geholt wurden, bleibt mir ein Rätsel. Gerade in der Midcard ist TNA gut aufgestellt, da braucht es diese Herren eigentlich nicht. Komisch, dass die vier Wrestler gerade mit Hogan durch Australien tourten. Diese Vetternwirtschaft hat schon zu WCW-Zeiten Geld und Ratings gekostet.
Hall, Nash, Waltman, Hogan und Bischoff - diese fünf Herren hatten das meistgesehene Segment der Show. Dies wird sicherlich zum Anlass genommen, die nWo-Reunion weiter voranzutreiben, doch frage ich mich wirklich, wieviele Menschen dies 2010 wirklich sehen wollen. Kevin Nashs Gang zum Ring offenbarte die großen gesundheitlichen Probleme, die der Ex-Diesel hat. Scott Hall sah zwar schon mal schlechter aus, aber er wirkte immer noch aufgequollen. Und Waltman wirkte irgendwie deplatziert.
Und dann war da noch die Promo von Eric Bischoff, der versprach, alles von oben nach unten zu drehen und dabei ein Produktionsskript zerrieß. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich mag es nicht, wenn in Wrestlingpromos offenbart wird, dass alles nur Show und Produktion ist. Dieses Pseudo-Shooten ist ein Stilmittel, das Vince Russo viel zu häufig angewandt hat und das meiner Meinung nach die Magie aus den Shows nimmt. Ich weiß, dass Wrestling Show ist und dass alles abgesprochen ist, aber ich möchte das nicht ständig unter die Nase gerieben bekommen. Bischoffs Promo war leider nicht der einzige Teil der Show, in dem dieser Vorhang gelüftet wurde. Viel zu viele Insiderandeutungen und Keyfabe-Brüche haben auch schon in der WCW keine gute Wirkung hinterlassen.
So bleibt am Ende eine seltsame Show. Auf der einen Seite hat TNA massenhaft Stars aufgefahren und tolles Wrestling angeboten, so dass man den Zuschauer durchaus begeistern konnte. Auf der anderen Seite ist es erschreckend, wie dieselben Fehler wie in der WCW gemacht werden.
Der Zuschauer bleibt durchaus mit dem Interesse für die weitere Entwicklung von TNA zurück, zumal ja doch einige Storylines begonnen wurden und das Wrestling überzeugen konnte. Allerdings dürfte dem Interesse auch eine gewisse Ernüchterung folgen, denn ein solches Feuerwerk kann TNA nicht noch einmal abbrennen, schließlich hat man einiges an Pulver verschossen.
Allerdings hat die gebotene Show in meinen Augen ausgereicht, um im Montagskrieg einen kleinen Punktsieg davonzutragen.
Einmal mehr Jeff Hardy
Jeff Hardy ist immer wieder für einen Artikel gut.
Gut zwei Wochen, nachdem sein WWE-Vertrag auslief, wurde Hardy mit einer Unmenge an Schmerz- und Dpoingmitteln festgenommen. Die Menge reicht offenbar aus, dass man ihm einen gewerbsmäßigen Handel vorwerfen wird, sprich, er soll als Dealer tätig gewesen sein.
Natürlich steht auch einem Jeff Hardy im Angesicht drückender Beweise die Unschuldsvermutung zu, andererseits wird es ja schon interessant, wieso das charismatische Enigma einen halben Liter anobole Steroide in seinem Besitz hatte. Damit kommt ein normaler Gewichtheber wahrscheinlich jahrelang aus.
Wie auch immer das Verfahren um den jüngeren Hardy-Bruder ausgeht, das mediale Bild ist ja geradezu perfekt. Zwei Wochen vor seiner Verhaftung hielt Hardy noch den World Heavyweight Title der WWE und plötzlich steht er als Drogendealer in den Medien. Das läßt natürlich auch den ehemaligen Arbeitgeber und eine ganze Branche im Zwielicht zurück, wenn die Spitze des Wrestlings und kriminelle Geschäfte so eng beieinander liegen.
Übrigens glaube ich nicht, dass diese Affäre für Jeff Hardys Zukunft im Wrestling große Auswirkungen haben wird. Klar, sollte er für längere Zeit in den Knast müssen, hätte er ein Problem, aber sollte er auf freiem Fuß bleiben, werden wir ihn bestimmt bei TNA oder WWE wiedersehen. Schließlich ist Jeff Hardy der wahrscheinlich beliebteste Wrestler der letzten Jahre, dessen Fanartikel sich wie geschnitten Brot verkaufen. Im Gegensatz zu John Cena oder Triple H braucht Hardys Beliebtheit keine Unterstützung durch die Produktion oder die Booker, sondern ist natürlich. Deshalb wird er sicherlich trotz seines Fehlverhaltens gerne wieder in den Schoss der Wrestlingfamilie aufgenommen.
Was denkt ihr über diese Affäre?
Königliche Gedanken
Einige Gedanken zum noch frischen Royal Rumble 2009:
- Ich hoffe, dass RVDs Rückkehr nicht nur eine einmalige Sache war. Gerade im Hinblick auf die Matcharten bei den nächsten PPVs (Eliminination Chamber, Money in the bank-Match) ist RVDs Wrestlingstil eine Bereicherung für WWE Inc., auch wenn er gestern anfänglich ein wenig Nervosität / Ringrost offenbarte, als ihm bei den Clotheslines zu Beginn seines Auftritts die richtige Distanz fehlte.
- Matt Hardys Turn kam etwas überraschend, ist aber vielleicht eine ganz gute Idee. Ein Brudermatch bei Wrestlemania 25 scheint mir ganz interessant.
- In diesem Zusammenhang ist es genauso überraschend, dass nicht Christian Cage als Gegner von Jeff Hardy in dessen Fehde mit Edge eingriff. Dies war in den Wochen ja überall die gängige Spekulation. Vielleicht wollte Vince McMahon den Internetfans einfach mal wieder ein Schnippchen schlagen. Für mich stellt sich nur die Frage, ob und wie Christian Cage noch für WWE Inc. debütiert.
- Mit Randy Orton als Sieger des Rumbles könnte es durchaus eine spannende Ansetzung zur Wrestlemania geben. John Cena vs. Randy Orton als Main Event würde endgültig einen Generationenwechsel bei WWE Inc. bedeuten.
- Michaels vs. Layfield als Fehde war ja absehbar. Man darf gespannt sein, wie ein Match der beiden etwas angeschlagenen Superstars aussieht.
- Nicht ganz ein Resultat des Rumbles ist die Aussage von Mickey Rourke, er würde bei Wrestlemania 25 gegen Chris Jericho kämpfen. Sogar vom Main Event ist die Rede. Ob ich den Mittfünfziger unbedingt im Ring sehen muss, sehe ich gespalten. Im Film "The Wrestler" möchte ich ihn unbedingt sehen, aber bei der wichtigsten Wrestlingveranstaltung des Jahres sollte er besser eine passive Rolle einnehmen.