Wrestlingblog Subjektives und Spekulatives

26Aug/110

Die Frage nach dem Sinn

Kevin Nash ist zurück bei WWE Inc. Nach seinem Royal-Rumble-Auftritt als Diesel durfte Kevin Nash nun gleich hoch in der Card einsteigen, als er beim SummerSlam CM Punk nach dessen Sieg gegen John Cena angriff und ihn so den Titel gegen Alberto del Rios Cash-In kostete.

Ich verstehe noch nicht so recht, welchen Sinn es haben soll, Kevin Nash in eine Fehde gegen CM Punk zu packen. Diese Auseinandersetzung kostet CM Punk sein wichtiges Momentum, während Nash wertvolle TV- und PPV-Zeit verbraucht. Irgendwo habe ich gelesen, Nash solle CM Punk "over" bringen. Das halte ich für ein schwieriges Unterfangen, denn Kevin Nash ist einer der überbewertesten Wrestler der Geschichte. Seine Fähigkeiten im Ring sind - inzwischen auch auf Grund seines Alters - stark limitiert, sein Willen, andere Wrestler "over" zu bringen, ist absolut undokumentiert, da er es nie gemacht hat. Warum sollte er ausgerechnet in 2011 willens und in der Lage sein, einen Top-Wrestler wie CM Punk beim Publikum "over" zu bringen? Und ob CM Punk das nötig hat, sei mal dahin gestellt.

Zu allem Überfluss sorgte Kevin Nash für viele fragende Gesichter im Publikum. Ein merklicher Anteil des heutigen WWE-Universums kennt Kevin Nash schlicht nicht. Woher auch?

Sein letzter WWE-Run liegt acht Jahre zurück, sein kurzer Auftritt als Diesel beim Rumble war schnell vergessen und unbedeutend. Ohne jede Frage hat Kevin Nash seinen Platz in der Geschichte des Wrestlings, aber dem heutigen Publikum ist er kaum bekannt, vielleicht auch deshalb, weil WWE Inc. die gute, alte WCW-Vergangenheit weitesgehend ausblendet oder nur in der Vintage Collection verwendet. Da Nashs 2002/03er Run eher unbedeutend war, was Verletzungen und äußeren, nicht von Nash verursachten Umständen (z.B. Scott Halls Entlassung, Hogans viel zu schneller Turn) zuzuschreiben ist, kann man kaum auf diese Zeit referenzieren. So bleibt fast nur Nashs Zeit als Diesel aus der Zeit 93-96, was ja nun einmal ein Ewigkeit her ist und von vielen (zu Recht) vergessen oder verdrängt wurde.

Kevin Nash ist also zurück, aber was er in der WWE des Jahres 2011 bewirken soll, weiß ich nicht.

14Jun/110

One moment in time: 7. Juli 1996

7. Juli 1996, Daytona Beach, Florida, USA - ein Abend, der auf lange Zeit die Welt des Wrestlings verändern sollte. Es war der Abend, an dem Hulk Hogan Heel turnte und gemeinsam mit Scott Hall und Kevin Nash die nWo gründete. Die nWo wurde für die WCW zur Gelddruckmaschine und brachte für einige Jahre die Vorherrschaft in den sogenannten Montagskriegen.

Die Vorgeschichte zum PPV "Bash at the beach" ist schnell erzählt: Scott Hall und Kevin Nash waren als Outsiders in den WCW-Shows aufgetaucht und hatten eine WWF-Invasion angedeutet. Für den Bash at the beach forderten Hall und Nash für sich und ihren unbekannten Partner ein Sechs-Mann-Team gegen die Besten der WCW. Am Abend des Kampfes kamen Hall und Nash allein heraus, um es mit Sting, Lex Luger und Randy Savage aufzunehmen. Früh im Kampf wurde Lex Luger aus dem Match genommen und irgendwann lagen alle Beteiligten im Ringstaub. Und dann kam Hulk Hogan heraus. Hätte Bobby Heenan nicht die Frage gestellt, auf wessen Seite er stünde, es wäre perfekt gelaufen. Dennoch kam der große Schockmoment, als Hogan Savage mit dem Legdrop of Doom ausschaltete. Im Anschluß gab er unter dem steten Müllregen der Fans das Gründungsinterview zur nWo. Der Rest ist Geschichte.

Diesen Moment machen zwei Dinge so besonders. Den einen Punkt habe ich nun häufig genug erwähnt: die Gründung der nWo, den wahrscheinlich heißesten Stable der letzten zwei Jahrzehnte. Der zweite Punkt ist wahrscheinlich viel bedeutender, weil er dem ersten Punkt erst den letzten Schliff gab: Hulk Hogan turnte Heel.

Hulk Hogan war seit über zwölf Jahren das Top-Babyface des amerikanischen Wrestlings. Sicher, so langsam nutze sich das Gimmick ab, nach seinem Wechsel zur WCW zeigten sich erste Abnutzungserscheinungen. Hogan hatte alle Heels abgefertig, die Überfigur des ewigen Helden schien ausgelutscht. Dennoch war er weiterhin der größte Star des amerikanischen Wrestlings, er zog weiterhin Fans in die Hallen, verkaufte T-Shirts und hatte eine eigene TV-Serie. All das stand auf dem Spiel, denn es blieb zu befürchten, dass die Fans einen Heel Hogan nicht akzeptieren.

Alles, was Hogan sich im letzten Jahrzehnt erarbeitet hatte, opferte er für eine Veränderung, deren Ausgang ungewiss war. Allerdings soll Hogan sehr starke Bedenken gegen diesen Gimmickwechsel gehabt haben, schließlich war das Risiko ähnlich groß wie die Möglichkeit, als Top-Heel der Liga mit frischem Wind im Main Event zu bleiben. Im Nachhinein leugnen alle Beteiligten, dass Luger nur deshalb so früh aus dem Match genommen wurde, um im Falle einer Meinungsänderung des Hulksters, der schon damals die kreative Kontrolle über seinen Charakter hatte, ihn als dritten Mann zu präsentieren. Allerdings scheint mir dieses Planspiel durchaus plausibel, schließlich wäre andernfalls das frühe Herausnehmen von Luger aus dem Match irgendwie sinnlos.

Deshalb ist Hogans Turn der große Moment des 7. Juli 1996. Der Mann, der in den 80er Jahren als Topstar das Wrestling in den Mainstream angeführt hatte, erfand sich neu, um in den 90er Jahren einen neuerlichen Wrestlingboom anzuführen.

6Jan/100

Rückblick auf Montag: Impact

Während es bei RAW eher "business as usual" gab, bleibt man bei TNA mit offenem Mund vor dem PC sitzen. Nicht nur aus Begeisterung, aber dazu mehr..

Der Herausforderer im Montagskrieg fuhr scharfe Geschütze auf: Hulk Hogan gab sein TNA-Debüt. Machen wir uns nichts vor: der alte Mann ist hinischtlich seiner Mainstreamwirkung immer noch unübertroffen. Die respektable Quote von 1.5 zeigt dies durchaus.

Aber nicht nur Hogan war als Attraktion zu bewundern. Neben Hogan brachte TNA mit Jeff Hardy, Ric Flair, Orlando Jordan, Scott Hall, Sean Waltman, den Nasty Boys, Val Venis, Shannon Moore, Eric Bischoff und dem Rückkehrer Sting viele weitere altbekannte Gesichter (zurück) ins Fernsehen. Die Starpower von Impact ist damit unbestritten, da ja mit Mick Foley, Kevin Nash, Kurt Angle und Jeff Jarrett noch weitere große Namen des Wrestlings zu bewundern waren.

Doch hat all das auch seinen Nachteil: nicht nur, dass man sich personell und inhaltlich an die WCW erinnert fühlt, nein, man verschießt sein Pulver, das für mehrere Monate ausreicht, an einem Abend. Die Rückkehr von Jeff Hardy, Ric Flairs Auftritt, die Wiedervereinigung der nWo und Stings TV-Rückkehr sind Main-Event-Geschichten, die der Höhepunkt eines PPVs oder einer Impact-Sendung sein sollten. Diese Momente so schnell herzugeben für einen einzigen erfolgreichen Abend hat auch schon der WCW sehr geschadet. Besonders an Ric Flair sieht man, wieviel man verschenkt hat. Nicht mal eine Promo durfte der Nature Boy halten..

Positiv fiel das Wrestling auf. Okay, ein Cagematch sollte ein sauberes Ende haben, aber Styles vs. Angle und das Damenwrestling machten klar, welche Stärke TNA gegenüber der Konkurrenz auffahren kann. Jetzt mag man die obere Kritik aufnehmen und bemerken, dass man mit Styles vs. Angle ein PPV-Match kostenlos herausgegeben hat, aber wir wollen mal nicht zu kleinlich sein. Im Ring hat TNA in meinen Augen das bessere Produkt vorzuweisen, da auch die Talentbreite bis jetzt deutlich besser war.

Ob die bisherigen Talente von TNA aber eine Chance bekommen werden, ihre Stärke einzubringen, wage ich zu bezweifeln. Zwölf neue On-Air-Charaktere, von denen vier (Hardy, Hogan, Flair, Sting) absolute Main-Eventer sind, benötigen halt TV-Zeit, die an anderer Stelle eingespart werden muss. Und da wird es langsam problematisch..

Ich verstehe ja durchaus, dass man Hall und Waltman verpflichtet, Hardy und Flair sind sowieso ein gutes Investment, aber warum Orlando Jordan, Val Venis oder die Nasty Boys zu TNA geholt wurden, bleibt mir ein Rätsel. Gerade in der Midcard ist TNA gut aufgestellt, da braucht es diese Herren eigentlich nicht. Komisch, dass die vier Wrestler gerade mit Hogan durch Australien tourten. Diese Vetternwirtschaft hat schon zu WCW-Zeiten Geld und Ratings gekostet.

Hall, Nash, Waltman, Hogan und Bischoff - diese fünf Herren hatten das meistgesehene Segment der Show. Dies wird sicherlich zum Anlass genommen, die nWo-Reunion weiter voranzutreiben, doch frage ich mich wirklich, wieviele Menschen dies 2010 wirklich sehen wollen. Kevin Nashs Gang zum Ring offenbarte die großen gesundheitlichen Probleme, die der Ex-Diesel hat. Scott Hall sah zwar schon mal schlechter aus, aber er wirkte immer noch aufgequollen. Und Waltman wirkte irgendwie deplatziert.

Und dann war da noch die Promo von Eric Bischoff, der versprach, alles von oben nach unten zu drehen und dabei ein Produktionsskript zerrieß. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich mag es nicht, wenn in Wrestlingpromos offenbart wird, dass alles nur Show und Produktion ist. Dieses Pseudo-Shooten ist ein Stilmittel, das Vince Russo viel zu häufig angewandt hat und das meiner Meinung nach die Magie aus den Shows nimmt. Ich weiß, dass Wrestling Show ist und dass alles abgesprochen ist, aber ich möchte das nicht ständig unter die Nase gerieben bekommen. Bischoffs Promo war leider nicht der einzige Teil der Show, in dem dieser Vorhang gelüftet wurde. Viel zu viele Insiderandeutungen und Keyfabe-Brüche haben auch schon in der WCW keine gute Wirkung hinterlassen.

So bleibt am Ende eine seltsame Show. Auf der einen Seite hat TNA massenhaft Stars aufgefahren und tolles Wrestling angeboten, so dass man den Zuschauer durchaus begeistern konnte. Auf der anderen Seite ist es erschreckend, wie dieselben Fehler wie in der WCW gemacht werden.

Der Zuschauer bleibt durchaus mit dem Interesse für die weitere Entwicklung von TNA zurück, zumal ja doch einige Storylines begonnen wurden und das Wrestling überzeugen konnte. Allerdings dürfte dem Interesse auch eine gewisse Ernüchterung folgen, denn ein solches Feuerwerk kann TNA nicht noch einmal abbrennen, schließlich hat man einiges an Pulver verschossen.

Allerdings hat die gebotene Show in meinen Augen ausgereicht, um im Montagskrieg einen kleinen Punktsieg davonzutragen.

23Dez/097

Krieg am Montag – Spaß am Dienstag

Am 4. Januar gibt es eine vorerst einmalige Neuauflage des "Monday Night War". Zumindest, wenn es nach den Wünschen der TNA-Offiziellen geht, die für diesen Tag ein dreistündiges Live-Impact in den Ring werfen, dessen Hauptattraktion das On-Air-Debüt des Godfathers of Wrestling, Hulk Hogan, ist.

Gleichzeitig gibt es viele Gerüchte, wer neben dem Hulkster sein Debüt im sechseckigen Ring geben wird (, sofern dieser nicht der kreativen Macht des Hulksters zum Opfer fällt). Ric Flair gilt nach seiner Hulkamania-Tour als ziemlich sicherer Kandidat, Rob Van Dam wird auch heiß gehandelt. Dazu läßt der Gewinn eines Tag-Team-Titleshots durch Kevin Nash die Spekulation sprießen, dass Scott Hall und/oder Sean Waltman ihre Rückkehr zu TNA feiern könnten.

Betrachten wir es realistisch: Ric Flair ist ein alter Mann, der nur noch für einen schönen Abschied von Sting seine Berechtigung hätte. Rob Van Dam wäre nur ein weiterer ehemaliger WWE-Midcarder, der bei TNA in den Main Event gepusht würde. Scott Hall ist leider nur noch ein Schatten, ein armer, kranker Mann, der in der Vergangenheit viel verbrannte Erde hinterlassen hat. Und Sean Waltman? Naja, X-Pac-Heat ist ein geflügeltes Wort geworden. Und sollte jemand auf die Idee kommen, die nWo oder die "Kings of Wrestling" neu beleben zu wollen - wir schreiben bald das Jahr 2010..

Ich bin mir sicher, dass WWE Inc. das Treiben bei TNA mit ausreichender Gelassenheit sieht. Klar: Hulk Hogan hat einen großen Namen und es ist als sicher anzunehmen, dass er zumindest kurzfristig einen kleinen Rating-Boost für TNA schafft, aber auf lange Sicht muss TNA mehr als ein paar Namen zu bieten haben. Und da sieht es halt schlecht aus, schließlich sind mit Eric Bischoff, Vince Russo, Kevin Nash und Hulk Hogan gleich vier gewichtige Gründe für den Niedergang der WCW bei TNA versammelt. Das läßt nicht gerade hoffen. Zudem sind die Storyline-Ideen für Hogan, die man im Internet so liest, nicht gerade die Offenbarung: eine Neuauflage von "New Blood" vs. "Millionaire´s Club" ist nicht gerade die geniale Idee.

Und um ganz sicher zu gehen, dass es am 4. Januar keine böse Überraschung gibt, scheint WWE Inc. auch noch einige Pfeile im Köcher zu haben. Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft, sei sie auch noch so schwach. Schon lange schwirrt im Internet das Gerücht, The Rock könnte die RAW-Ausgabe am 4. Januar als Guest Host leiten. Das scheint zwar eher unwahrscheinlich, aber das würde sicherlich TNA einiges an Wind aus den Segeln nehmen.

Ein weiterer Pfeil auf der Sehne des WWE-Bogens scheint kein geringerer als Bret "The Hitman" Hart zu sein. So verdichten sich die Gerüchte, dass der Kanadier einen Vier-Monats-Vertrag mit WWE Inc. unterschrieben hat, beginnend just am Tag des neuerlichen Montagskrieg. Wenn das stimmt, hätte WWE Inc. eine kaum zu schlagende Geldmaschine an der Hand. Wenn Vince McMahon und Bret Hart ihre Egos und ihre Differenzen tatsächlich beiseite schieben könnten und eine On-Air-Fehde vor dem realen Hintergrund des Montreal-Screw-Jobs starten würden, die in irgendeiner Form von Wrestlemania-Event gipfelt, könnte wir gleich zu Beginn des Jahres die Fehde des Jahres sehen. Da sind zwar viele Konjunktive drin, aber als Wrestlingfan hoffe ich doch sehr darauf.

Sollten also The Rock und/oder Bret Hart tatsächlich am 4. Januar die Waffen der WWE sein, dürfte es schwer werden, überhaupt von einem Montagskrieg zu sprechen. Für Vince McMahon hieße die Quotenanalyse am Tag danach "Spaß am Dienstag". Andererseits setze ich als Fan doch ein wenig Hoffnung in diesen Montag. Auch wenn ich skeptisch bin, so gönne ich TNA den Erfolg. Und sei es nur, dass es für mehr Wettbewerb um uns Zuschauer sorgt. Denn wir Fans wären gerne wieder die großen Gewinner der Montagskriege.