One moment in time: 9. November 1997
Montreal Screwjob. 'Nuff said..
Über den Montreal Screwjob ist wahrscheinlich mehr geschrieben worden als über jedes andere Ereignis im Wrestling der letzten 50 Jahre. Angeblich plant WWE Inc. sogar eine DVD zu diesem Thema.
Ich will hier keine Daten herunterleiern oder spekulieren, wer wann was gesagt oder gewußt hat. Das haben schon hunderte vor mir getan. Ich möchte allerdings einen Aspekt hervorheben, der meistens etwas untergeht - der Montreal Screwjob hat der WCW auf dem Höhepunkt ihres Wirkens direkt Schaden zugefügt.
Damit meine ich nicht die Tatsache, dass Vince McMahon nach der Survivor Series 1997 zum absoluten Heel der WWF aufstieg und so mit seiner Fehde gegen Steve Austin die Wende in den Montagskriegen einläutete. Vielmehr störte der Montreal Screwjob die Fokussierung der WCW auf den Event, auf den sie so hervorragend über ein Jahr lang hingearbeitet hatte - Starrcade 97.
Seit der Gründung der nWo hatte Eric Bischoff ruhig und besonnen die Fehde des Stingers gegen das Oberhaupt der nWo, Hollywood Hulk Hogan, aufgebaut. Bei dieser Fehde machte die WCW nichts falsch, man arbeitete zielgerichtet auf Starrcade hin, der Abend, an dem Sting die WCW rächen würde. Es war der vielleicht am besten aufgebaute Event der 90er Jahre, die Fans waren elektrisiert und konnten den größten Showdown der WCW nicht erwarten. Dazu hatte die WCW sich zwischenzeitlich die Dienste von Bret Hart gesichert, so dass man für 1998 ein weiteres Eisen im Feuer hatte.
Doch dann platzt die Bombe in Form des Montreal Screwjobs. Plötzlich gibt es ein Störfeuer, das die allgemeine Aufmerksamkeit von Starrcade weg zur WWF zog. Um die Aufmerksamkeit zurück zu WCW zu lenken, mußte man etwas tun, was man unter anderen Umständen besser vermieden hätte: Bret Hart mußte noch 1997 für die WCW debütieren. Schließlich war der Hitman DAS Thema, so konnte man den Fokus zur WCW zurückholen. Doch der Preis war hoch: so richtig konnte man Bret Hart nicht einsetzen, ohne das Rampenlicht von Sting vs. Hogan zu nehmen, also suchte man verzweifelt nach einer Möglichkeit, Bret Hart unterzubringen. Und wann immer schnelle Entscheidungen zu treffen waren, versagte die WCW: Bret wurde Ringrichter bei Starrcade im Duell Larry Zbysko vs. Eric Bischoff. Wie noch dutzende Male später, hatte man keine guten Ideen für Bret Hart und nutzte sein Talent nicht. Man hatte einen Roster voller Talente, mit denen Hart ein Weltklassematch gezeigt hätte, doch als Referee war er falsch eingesetzt. Wäre man bereit gewesen, ein Stück vom Rampenlicht des (enttäuschenden) Main Events abzugeben, hätte man vielleicht sogar aus der Situation gewinnen können - ein PPV mit dem lang herbeigesehnten Showdown zwischen Sting und Hogan PLUS ein Match des heißesten Wrestlers zu diesem Zeitpunkt. Ich möchte nicht wissen, ob man die sowieso schon hervorragende Buyrate des PPVs nicht hätte noch weiter steigern können.
Und doch war die Situation schwer für die WCW-Verantwortlichen: auf der einen Seite war man gezwungen, das aktuelle Thema Bret Hart aufzugreifen und den Mann schnellstmöglich in die Shows zu holen, um der WWF den Wind aus den Segeln zu nehmen und auch von den Ereignissen des 9. Novembers zu profitieren. Auf der anderen Seite läßt man sich so kurz vor einem von langer Hand aufgebauten PPV ungerne von außen diktieren, wie man sein Produkt gestaltet. Der Fokus war auf Hogan vs. Sting und dort wollte man ihn belassen. Dummerweise konnte man nicht beide Seiten der Medaille bedienen und entschloss sich zu einem Mittelweg, der am Ende keinem half.
Bret Hart war am 28. Dezember 1997 nicht nur Referee beim Zbysko-Sieg, sondern nahm diese Rolle auch im Main Event wieder auf, wo er tatsächlich eine Art Screwjob an Hogan durchführte. Anstatt also den wichtigsten PPV des Jahres mit einem klaren Fehdenabschluss zu beenden, orientierte man sich an den WWF-Ereignissen des Vormonats und machte sie nach. Wie so häufig definierte Eric Bischoff sich und sein Produkt über den Wettbewerber, was im Grunde die hervorragende Vorarbeit ad absurdum führte. Man hätte es so einfach haben können, hätte man Sting einen klaren Sieg einfahren lassen und hätte beim ersten Nitro 1998 Bret Hart präsentiert. Oder hätte man die kurz danach schnell geschossene Fehde von Hart gegen Flair noch in den Starrcade-PPV gebracht. Die WCW hatte es Ende 1997 kein bißchen nötig, Seitenhiebe an die WWF zu verteilen oder sie nachzumachen. Und doch stellte man seine eigenen Stärken zurück, um auf Ereignisse bei der WWF zu reagieren, was im Angesicht des damaligen Erfolgs der WCW unangebracht war.
Und so kann man die Historie der WCW-Reaktion auf den Montreal Screwjob umreißen: Starrcade 1997 war ein Erfolg in allen meßbaren Bereichen, doch läutete das enttäuschende Ende des Main Events mit seiner Montreal-Kopie langsam die Wende zum Negativen ein. Bret Harts zu schnelles und undurchdachtes Debüt bestimmte den weiteren Verlauf seiner WCW-Karriere, bis zum Karriereende 2000 schien man nie so richtig zu wissen, wie man einen fünfmaligen WWF-Champion einsetzt.
Der Montreal Screwjob brachte die WCW aus der Spur - nicht indirekt durch die Ereignisse in der WWF, sondern der eigene Umgang der WCW mit Bret Hart und dem Thema ließ die WCW von ihrem klaren Weg auf den Höhepunkt ihrer besten Fehde stolpern. Ein Stolpern, von dem man sich nie wieder erholte..
Weihnachten und Wrestling
Als ich diese Tage mal im Fernsehen die Vintage Collection sah, endete diese gerade mit dem Main Event der Survivor Series 1992. Damals kämpfte der frisch zum Champion gekürte Bret Hart gegen den damaligen IC-Champion und Midcarder Shawn Michaels. Damals war die Situation um die Top-Stars der Liga etwas zerfahren - man hatte nur Namen der 80er (Flair, Savage, Warrior) zu bieten, die auch kurz vor dem Absprung standen oder momentan nicht zur Verfügung (Hogan) standen.
Für den neuen Champion Bret Hart war das keine leichte Situation, war er doch selbst gerade aus der Midcard in den Main Event gerückt. Doch statt nun von einem etablierten Top-Heel beim PPV over gebracht zu werden, musste er bei der Survivor Series 1992 gegen einen Midcarder seine erste große Titelverteidigung machen. Shawn Michaels war gut zwei Wochen vor dem PPV auf Grund der Entlassung des British Bulldogs zum IC-Champion geworden, war also bei weitem noch nicht etabliert. Die Situation für Bret Hart besserte sich beim nächsten PPV nicht wirklich, sein Gegner wurde Razor Ramon (Scott Hall), der gerade mal ein paar Monate in der WWF war und nur kurz Main-Event-Luft schnuppern durfte. Parallel zu diesen Ereignissen baute Vince McMahon mit Yokozuna einen Monster-Heel auf, damit er seine Top-Faces stärken konnte. Das war schon eine spannende Zeit damals, als das Wrestling langsam in Richtung Neuzeit marschierte.
Aber was erzähle ich das alles?
Eigentlich wollte ich nur sagen, dass am Ende der erfolgreichen Titelverteidigung niemand anderes als der Weihnachtsmann mit Bret Hart feierte. Und wir wundern uns manchmal, warum die Leute Wrestling belächeln.
In diesem Sinne: frohe Weihnachten.
Rückblick auf Montag: Impact
Während es bei RAW eher "business as usual" gab, bleibt man bei TNA mit offenem Mund vor dem PC sitzen. Nicht nur aus Begeisterung, aber dazu mehr..
Der Herausforderer im Montagskrieg fuhr scharfe Geschütze auf: Hulk Hogan gab sein TNA-Debüt. Machen wir uns nichts vor: der alte Mann ist hinischtlich seiner Mainstreamwirkung immer noch unübertroffen. Die respektable Quote von 1.5 zeigt dies durchaus.
Aber nicht nur Hogan war als Attraktion zu bewundern. Neben Hogan brachte TNA mit Jeff Hardy, Ric Flair, Orlando Jordan, Scott Hall, Sean Waltman, den Nasty Boys, Val Venis, Shannon Moore, Eric Bischoff und dem Rückkehrer Sting viele weitere altbekannte Gesichter (zurück) ins Fernsehen. Die Starpower von Impact ist damit unbestritten, da ja mit Mick Foley, Kevin Nash, Kurt Angle und Jeff Jarrett noch weitere große Namen des Wrestlings zu bewundern waren.
Doch hat all das auch seinen Nachteil: nicht nur, dass man sich personell und inhaltlich an die WCW erinnert fühlt, nein, man verschießt sein Pulver, das für mehrere Monate ausreicht, an einem Abend. Die Rückkehr von Jeff Hardy, Ric Flairs Auftritt, die Wiedervereinigung der nWo und Stings TV-Rückkehr sind Main-Event-Geschichten, die der Höhepunkt eines PPVs oder einer Impact-Sendung sein sollten. Diese Momente so schnell herzugeben für einen einzigen erfolgreichen Abend hat auch schon der WCW sehr geschadet. Besonders an Ric Flair sieht man, wieviel man verschenkt hat. Nicht mal eine Promo durfte der Nature Boy halten..
Positiv fiel das Wrestling auf. Okay, ein Cagematch sollte ein sauberes Ende haben, aber Styles vs. Angle und das Damenwrestling machten klar, welche Stärke TNA gegenüber der Konkurrenz auffahren kann. Jetzt mag man die obere Kritik aufnehmen und bemerken, dass man mit Styles vs. Angle ein PPV-Match kostenlos herausgegeben hat, aber wir wollen mal nicht zu kleinlich sein. Im Ring hat TNA in meinen Augen das bessere Produkt vorzuweisen, da auch die Talentbreite bis jetzt deutlich besser war.
Ob die bisherigen Talente von TNA aber eine Chance bekommen werden, ihre Stärke einzubringen, wage ich zu bezweifeln. Zwölf neue On-Air-Charaktere, von denen vier (Hardy, Hogan, Flair, Sting) absolute Main-Eventer sind, benötigen halt TV-Zeit, die an anderer Stelle eingespart werden muss. Und da wird es langsam problematisch..
Ich verstehe ja durchaus, dass man Hall und Waltman verpflichtet, Hardy und Flair sind sowieso ein gutes Investment, aber warum Orlando Jordan, Val Venis oder die Nasty Boys zu TNA geholt wurden, bleibt mir ein Rätsel. Gerade in der Midcard ist TNA gut aufgestellt, da braucht es diese Herren eigentlich nicht. Komisch, dass die vier Wrestler gerade mit Hogan durch Australien tourten. Diese Vetternwirtschaft hat schon zu WCW-Zeiten Geld und Ratings gekostet.
Hall, Nash, Waltman, Hogan und Bischoff - diese fünf Herren hatten das meistgesehene Segment der Show. Dies wird sicherlich zum Anlass genommen, die nWo-Reunion weiter voranzutreiben, doch frage ich mich wirklich, wieviele Menschen dies 2010 wirklich sehen wollen. Kevin Nashs Gang zum Ring offenbarte die großen gesundheitlichen Probleme, die der Ex-Diesel hat. Scott Hall sah zwar schon mal schlechter aus, aber er wirkte immer noch aufgequollen. Und Waltman wirkte irgendwie deplatziert.
Und dann war da noch die Promo von Eric Bischoff, der versprach, alles von oben nach unten zu drehen und dabei ein Produktionsskript zerrieß. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich mag es nicht, wenn in Wrestlingpromos offenbart wird, dass alles nur Show und Produktion ist. Dieses Pseudo-Shooten ist ein Stilmittel, das Vince Russo viel zu häufig angewandt hat und das meiner Meinung nach die Magie aus den Shows nimmt. Ich weiß, dass Wrestling Show ist und dass alles abgesprochen ist, aber ich möchte das nicht ständig unter die Nase gerieben bekommen. Bischoffs Promo war leider nicht der einzige Teil der Show, in dem dieser Vorhang gelüftet wurde. Viel zu viele Insiderandeutungen und Keyfabe-Brüche haben auch schon in der WCW keine gute Wirkung hinterlassen.
So bleibt am Ende eine seltsame Show. Auf der einen Seite hat TNA massenhaft Stars aufgefahren und tolles Wrestling angeboten, so dass man den Zuschauer durchaus begeistern konnte. Auf der anderen Seite ist es erschreckend, wie dieselben Fehler wie in der WCW gemacht werden.
Der Zuschauer bleibt durchaus mit dem Interesse für die weitere Entwicklung von TNA zurück, zumal ja doch einige Storylines begonnen wurden und das Wrestling überzeugen konnte. Allerdings dürfte dem Interesse auch eine gewisse Ernüchterung folgen, denn ein solches Feuerwerk kann TNA nicht noch einmal abbrennen, schließlich hat man einiges an Pulver verschossen.
Allerdings hat die gebotene Show in meinen Augen ausgereicht, um im Montagskrieg einen kleinen Punktsieg davonzutragen.
Krieg am Montag – Spaß am Dienstag
Am 4. Januar gibt es eine vorerst einmalige Neuauflage des "Monday Night War". Zumindest, wenn es nach den Wünschen der TNA-Offiziellen geht, die für diesen Tag ein dreistündiges Live-Impact in den Ring werfen, dessen Hauptattraktion das On-Air-Debüt des Godfathers of Wrestling, Hulk Hogan, ist.
Gleichzeitig gibt es viele Gerüchte, wer neben dem Hulkster sein Debüt im sechseckigen Ring geben wird (, sofern dieser nicht der kreativen Macht des Hulksters zum Opfer fällt). Ric Flair gilt nach seiner Hulkamania-Tour als ziemlich sicherer Kandidat, Rob Van Dam wird auch heiß gehandelt. Dazu läßt der Gewinn eines Tag-Team-Titleshots durch Kevin Nash die Spekulation sprießen, dass Scott Hall und/oder Sean Waltman ihre Rückkehr zu TNA feiern könnten.
Betrachten wir es realistisch: Ric Flair ist ein alter Mann, der nur noch für einen schönen Abschied von Sting seine Berechtigung hätte. Rob Van Dam wäre nur ein weiterer ehemaliger WWE-Midcarder, der bei TNA in den Main Event gepusht würde. Scott Hall ist leider nur noch ein Schatten, ein armer, kranker Mann, der in der Vergangenheit viel verbrannte Erde hinterlassen hat. Und Sean Waltman? Naja, X-Pac-Heat ist ein geflügeltes Wort geworden. Und sollte jemand auf die Idee kommen, die nWo oder die "Kings of Wrestling" neu beleben zu wollen - wir schreiben bald das Jahr 2010..
Ich bin mir sicher, dass WWE Inc. das Treiben bei TNA mit ausreichender Gelassenheit sieht. Klar: Hulk Hogan hat einen großen Namen und es ist als sicher anzunehmen, dass er zumindest kurzfristig einen kleinen Rating-Boost für TNA schafft, aber auf lange Sicht muss TNA mehr als ein paar Namen zu bieten haben. Und da sieht es halt schlecht aus, schließlich sind mit Eric Bischoff, Vince Russo, Kevin Nash und Hulk Hogan gleich vier gewichtige Gründe für den Niedergang der WCW bei TNA versammelt. Das läßt nicht gerade hoffen. Zudem sind die Storyline-Ideen für Hogan, die man im Internet so liest, nicht gerade die Offenbarung: eine Neuauflage von "New Blood" vs. "Millionaire´s Club" ist nicht gerade die geniale Idee.
Und um ganz sicher zu gehen, dass es am 4. Januar keine böse Überraschung gibt, scheint WWE Inc. auch noch einige Pfeile im Köcher zu haben. Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft, sei sie auch noch so schwach. Schon lange schwirrt im Internet das Gerücht, The Rock könnte die RAW-Ausgabe am 4. Januar als Guest Host leiten. Das scheint zwar eher unwahrscheinlich, aber das würde sicherlich TNA einiges an Wind aus den Segeln nehmen.
Ein weiterer Pfeil auf der Sehne des WWE-Bogens scheint kein geringerer als Bret "The Hitman" Hart zu sein. So verdichten sich die Gerüchte, dass der Kanadier einen Vier-Monats-Vertrag mit WWE Inc. unterschrieben hat, beginnend just am Tag des neuerlichen Montagskrieg. Wenn das stimmt, hätte WWE Inc. eine kaum zu schlagende Geldmaschine an der Hand. Wenn Vince McMahon und Bret Hart ihre Egos und ihre Differenzen tatsächlich beiseite schieben könnten und eine On-Air-Fehde vor dem realen Hintergrund des Montreal-Screw-Jobs starten würden, die in irgendeiner Form von Wrestlemania-Event gipfelt, könnte wir gleich zu Beginn des Jahres die Fehde des Jahres sehen. Da sind zwar viele Konjunktive drin, aber als Wrestlingfan hoffe ich doch sehr darauf.
Sollten also The Rock und/oder Bret Hart tatsächlich am 4. Januar die Waffen der WWE sein, dürfte es schwer werden, überhaupt von einem Montagskrieg zu sprechen. Für Vince McMahon hieße die Quotenanalyse am Tag danach "Spaß am Dienstag". Andererseits setze ich als Fan doch ein wenig Hoffnung in diesen Montag. Auch wenn ich skeptisch bin, so gönne ich TNA den Erfolg. Und sei es nur, dass es für mehr Wettbewerb um uns Zuschauer sorgt. Denn wir Fans wären gerne wieder die großen Gewinner der Montagskriege.
Hulkamania auf Tour
Im November ist es soweit: Hulk Hogan kehrt in den Ring zurück. Und mit ihm betritt der Nature Boy Ric Flair nach eineinhalb Jahren Karriereende wieder das Seilgeviert.
"Hulkamania - Let the battle begin" heißt die Mini-Tour, die diese beiden Legenden des Wrestlings gemeinsam mit Brutus "The Barber" Beefcake, The Nasty Boys, Orlando Jordan, Eugene, Umaga, Mr. Kennedy und einigen anderen abgehalferten oder aussortierten Wrestlingstars durchführen. Das ganze findet in Australien statt.
Jetzt mag man einige böse Sprüche über das Senioren- oder Freizeitwrestling ablassen, aber das wäre ungerecht. Diese Altstarsveranstaltungen haben durchaus ihre Berechtigung, schließlich erinnern sich wie in anderen Showbereichen die Fans gerne an die guten, alten Zeiten. In den USA sind diese Shows durchaus normal, auch in Deutschland sind Auftritte von Eugene oder Marty Jannetty sehr beliebt. In Australien gab es bis vor einigen Jahren die WWA, die nicht von WWE Inc. übernommene WCW-Stars und einige Nachwuchstalente touren ließ.
Deshalb bleibt als einziger Wermutstropfen die Tatsache, dass Ric Flair nach seinem sauberen Karriereende nun wieder in den Ring tritt und so seiner eigenen Legende schadet.
Aber irgendwie ist man das ja vom Nature Boy gewohnt..
Ric Flair zurück im Ring?
Auf diversen Newsseiten konnte man in den letzten Tagen lesen, dass Ric Flair gerne wieder aktiv in den Ring steigen möchte. Und kaum machte diese Geschichte die Runde, kehrte der Nature Boy am Sonntag zu WWE Inc. zurück, um scheinbar an der Seite von Batista eine Fehde mit der Legacy zu führen. Dies setzte sich bei RAW fort.
Eventuell läuft es also auf eine In-Ring-Rückkehr von Ric Flair bei einem der nächsten PPVs heraus. Eine zwiespältige Idee..
Auf der einen Seite muss man sagen, dass ein Rücktritt vom Rücktritt einige gute Aspekte hätte. So wäre z.B. das Traummatch zwischen Sting und Ric Flair zum Karriereende (eines) der beiden Wrestler wieder möglich. Auch so manche andere Matchmöglichkeit, die die Fans gerne sehen würden, wäre wieder möglich. Dazu kommt, dass der alte Haudegen Flair im Ring sicherlich immer noch ganz gut ist. Er kann mit dem Publikum spielen und weiß, wie ein Wrestlingmatch funktioniert. Das kann man von so manchem Muskelpaket leider nicht sagen.
Auf der anderen Seite kann man einige negative Punkte in die Waagschale werfen. Ric Flair ist inzwischen 60 Jahre, was der Glaubwürdigkeit im Ring gegen Mittzwanziger nicht gerade zuträglich ist. Da man ihm das Alter auch ansieht, wirkt er in der Masse der jungen, durchtrainierten Kollegen arg deplatziert. Dazu kommt, dass ein Rücktritt vom Rücktritt seinen traumhaften Abgang und sein gutes letztes Match abwerten würden. Gerade er, der so viel von der Liebe zum Wrestling spricht, sollte wissen, dass er kaum wieder mit einem so wundervollen Ausstieg finden wird. Die Kollegen Mick Foley oder Terry Funk sollten ihm ein abschreckendes Beispiel sein, wie unglaubwürdig ein mehrmaliger Rücktritt wirken kann.
Egal, wie man zu einer aktiven Rückkehr des Nature Boys steht, irgendwie fülle ich mich im Angesicht dieser Entwicklung um Ric Flair an den Film "The Wrestler" erinnert. Und zwar nicht im positiven Sinn.
Flair ist frei
Etwas überraschend kam es (für mich) schon: Ric Flair und WWE Inc. gehen getrennte Wege.
Auch wenn der Nature Boy nicht mehr in den Shows eingesetzt wurde und mehr auf Promotour war, so war ich mir relativ sicher, dass beide Seiten ein großes Interesse haben würden, die vertragliche Beziehung aufrecht zu halten. Ric Flair hatte ein regelmäßiges Einkommen, während WWE Inc. eine der größten Legende der Industrie nicht bei Mitbewerbern sehen mußte. Und dass Ric Flair irgendwann als General Manager oder als Manager in einem Stable zurückkommen würde, war für mich eigentlich eine sichere Sache.
Gut, nun verhält es sich also anders, Ric Flair ist wieder frei.
Für den Nature Boy bedeutet es natürlich auch, einige Ehrungen und Momente mitzunehmen, die ihm sein Arbeitgeber verwehrt hatte, z.B. die 60-Jahr-Feier der NWA, unter deren Fahne Flair seine größten Erfolge verbuchen konnte.
Vielleicht tritt ja TNA an ihn heran, um ihm das Traummatch vieler Fans anzubieten: Sting vs. Flair zum allerletzten Mal als Abschluss beider Karrieren. Irgendwie hätte das was und würde Flairs Karriere irgendwie runder abschließen als das Wrestlemania-Match gegen Shawn Michaels.
Andererseits muss ich ehrlicherweise zugeben, dass für Flair aus meiner Sicht dasselbe gilt wie für Scott Hall und den Ultimate Warrior: bloß keine aktive Wrestlingkarriere mehr.
Aber auf mich hört ja keiner..
Ric Flair auf der Zielgeraden
Die Karriere des Ric Flair neigt sich dem Ende zu.
Okay, dieser Satz wäre auch vor zehn oder fünfzehn Jahren aktuell gewesen, aber nun scheint der Nature Boy sich wirklich bald aus dem Ring verabschieden zu wollen bzw. zu müssen. Die letzte große Frage dürfte sein, wie der Abgang des sechszehnfachen World Champions über die Bühne gehen wird.
Am Sonntag bei Wrestlemania 24 wird er ein Karrierematch gegen Shawn Michaels bestreiten, wobei inzwischen fast alle Experten davon ausgehen, dass dieses unabhängig vom Ausgang das letzte Match von Ric Flair als aktiver Wrestler sein wird. Ein Sieg von HBK dürfte das endgültige Ende ohne Wenn und Aber sein, während man bei einem Sieg von Ric Flair noch über eine kleine Fortsetzung nachdenken könnte. So wünschen sich sicherlich nicht wenige, dass Ric Flair bei Wrestlemania als Sieger den Ring verlassen darf, um seine Karriere mit einem Titelmatch im Main Event eines PPVs zu beenden.
Aber eigentlich hätte ich mir einen anderen Abgang von Ric Flair aus dem Business gewünscht. Damals, 2001 in Panama City, wäre ein guter Zeitpunkt für den Abschied gewesen, allerdings war der Aufbau des letzten Nitro-Matches zu kurz, um ein würdiger Abschluss zu sein. Der Gegner war allerdings damals schon genau der richtige Gegner zum Ende dieser ruhmreichen Karriere. Da Sting und Flair großartige Fehden und Matches verbinden und beide tragende Figuren der NWA/WCW-Zeit waren, hätte diese Kombination in meinen Augen gut gepaßt. Ich hoffte, dass WWE Inc. Sting vielleicht für ein One-Night-Only-Match gegen Flair überreden könnte, wurde aber spätestens bei Stings TNA-Engagement enttäuscht. Ein wenig Hoffnung kam wieder auf, als Sting Ende 2007 aus den TNA-Shows herausgeschrieben wurde und gleichzeitig Flairs letzte Fehde startete. Naja, heute Nacht kehrt der Stinger in den sechseckigen TNA-Ring zurück. Somit wird Flair also seinen Abschied nicht gegen einen seiner wichtigsten Gegner feiern.
Nun wird es also auf Shawn Michaels als letzten Gegner herauslaufen, es sei denn, WWE Inc. nimmt oben erwähnte Wendung auf, um Flairs Abgang finanziell besser auszuschlachten. Denn machen wir uns nichts vor: das letzte Match eines der wichtigsten Wrestler aller Zeiten irgendwo im Niemandsland einer Wrestlemania-Card ist irgendwie unpassend. Sicherlich könnten Michaels und Flair den anderen Matches die Show stehlen, aber gerade im Vorfeld standen noch die Titelkämpfe und Big Show vs. Mayweather im Mittelpunkt. Das ist verständlich, ist aber wirklich schade, weil der Nature Boy so ein wenig in den Hintergrund gerät, wenn er doch im Spotlight stehen sollte.
Wie auch immer Flair Karriere nun endet: es wird sicherlich ein bewegender Moment.