Wrestlingblog Subjektives und Spekulatives

10Aug/110

One moment in time: 23. Juni 1996

You sit there and you thump your Bible, and you say your prayers, and it didn't get you anywhere! Talk about your psalms, talk about John 3:16... Austin 3:16 says I just whooped your ass!

Austin 3:16 - eine Floskel, die das Wrestling der 90er revolutionieren sollte, die Steve Austin vom Midcarder zum absoluten Topstar des Business machen sollte. Beim King of the Ring 1996 war die Geburtsstunde von "Stone Cold" Steve Austin, der Grundstein für eine unglaubliche Karriere, die nicht nur Steve Austin zum wahrscheinlich beliebtesten Wrestler aller Zeiten machte, sondern auf einer längeren Sicht die damalige WWF zurück auf die Erfolgsspur brachte.

Dass Steve Austin das King-of-the-Ring-Turnier gewinnen durfte, hatte er - so die Überlieferung - dem Umstand zu verdanken, dass Triple H damals in Ungnade gefallen war und dadurch bestraft wurde, dass er den geplanten Turniersieg nicht zugesprochen bekam, sondern schon vorher ausschied und beim KotR-PPV 1996 nur im Dark Match wrestlen durfte. So war der Weg frei, Steve Austin diesen Ehrentitel zu geben.

Wobei: der Titel "King of the Ring" war 1996 nicht viel wert, die beteiligten Wrestler bestenfalls Midcarder und der PPV hatte mit Undertaker vs. Mankind oder Shawn Michaels vs. British Bulldog einen ganz anderen Fokus. Hätte es diese Promo nach dem Gewinn des Turnieres nicht gegeben, wahrscheinlich hätte Steve Austin das Schicksal seiner Vorgänger (Owen Hart, Mable) erlitten und wäre nach einem kurzen Höhenflug in die Midcard zurückgefallen.

Man sollte trotz der bekannten Geschichte nicht meinen, dass Steve Austins Aufstieg eine sichere Sache war. Das Risiko der WWF mit diesem Gimmick und diesem Wrestler war minimal. Nicht nur, dass man den King of the Ring durch liebloses Booking entwertet hatte, man hatte auch genügend Substanz, im Falle eines Scheitern des Experiments andere Wrestler in den Fokus zu rücken. Mit Sid Vicious, Vader, Ultimate Warrior oder auch Bret Hart standen erfahrene Männer parat, eine Lücke zu füllen. Vince McMahon ging also kein besonderes Risiko ein, als er am 23. Juni 1996 Steve Austin den bildlichen Ball in die Hand drückte und ihn laufen ließ. Er hatte genügend andere Spieler in der Hinterhand, selbst das aktuelle Programm bot genügend Stoff, um einen Flop mit Steve Austin abzufedern.

Überhaupt wird die Geschichte von Steve Austins Aufstieg gerne etwas verklärt erzählt, die gut halbjährige Phase als Ringmaster in der Midcard zwischen Schweinehirten und Müllmännern wird slten bei den Retrospektiven über Steve Austins Karriere außer Acht gelassen oder übergangen. Dass er eigentlich riesiges Glück hatte, das Gimmick des harten Hundes zu bekommen, obwohl er schon auf einer anderen Schiene unterwegs war, wird kaum erwähnt.

Zurück zum Juni 1996: Steve Austin hatte sich beim PPV gegen Marc Mero und Jake Roberts durchgesetzt und den Titel "King of the Ring" gewonnen. Er bekam seine Insignien und hielt dann DIE Promo seines Lebens, als er Austin 3:16 in Richtung von Jake Roberts schleuderte. Ohne diese Worte, die ein Gimmick so simpel ausdrückten, wäre das Geschehen im Ring nichts wert gewesen.

Die Fanreaktionen darauf waren derart riesig, dass man sich entschloss, dieses Gimmick weiter zu verfolgen und fand in Bret Hart den fast perfekten Fehdengegner für Steve Austin. Bret Hart katapultierte Steve Austin bei der Survivor Series 1996 und bei Wrestlemania XIII auf ein höheres Niveau, besonders das Match bei Wrestlemania bedeutete den nächsten Meilenstein für den raketenhaften Aufstieg von Steve Austin. Allerdings sollte es noch ein Jahr dauern, bis er endlich den WWF-Titel sein eigen nennen durfte.

Rückblickend betrachtet muss man sagen, dass der 23. Juni 1996 sicherlich DER Meilenstein in der Karriere von Steve Austin war. Und dennoch war es kein geplanter Moment: die glücklichen Umstände im Vorfeld und die positiven Reaktionen auf das Gimmick und die berühmte Promo bereiteten den Weg für einen der größten Superstars des modernen Wrestlings.

24Dez/100

Weihnachten und Wrestling

Als ich diese Tage mal im Fernsehen die Vintage Collection sah, endete diese gerade mit dem Main Event der Survivor Series 1992. Damals kämpfte der frisch zum Champion gekürte Bret Hart gegen den damaligen IC-Champion und Midcarder Shawn Michaels. Damals war die Situation um die Top-Stars der Liga etwas zerfahren - man hatte nur Namen der 80er (Flair, Savage, Warrior) zu bieten, die auch kurz vor dem Absprung standen oder momentan nicht zur Verfügung (Hogan) standen.

Für den neuen Champion Bret Hart war das keine leichte Situation, war er doch selbst gerade aus der Midcard in den Main Event gerückt. Doch statt nun von einem etablierten Top-Heel beim PPV over gebracht zu werden, musste er bei der Survivor Series 1992 gegen einen Midcarder seine erste große Titelverteidigung machen. Shawn Michaels war gut zwei Wochen vor dem PPV auf Grund der Entlassung des British Bulldogs zum IC-Champion geworden, war also bei weitem noch nicht etabliert. Die Situation für Bret Hart besserte sich beim nächsten PPV nicht wirklich, sein Gegner wurde Razor Ramon (Scott Hall), der gerade mal ein paar Monate in der WWF war und nur kurz Main-Event-Luft schnuppern durfte. Parallel zu diesen Ereignissen baute Vince McMahon mit Yokozuna einen Monster-Heel auf, damit er seine Top-Faces stärken konnte. Das war schon eine spannende Zeit damals, als das Wrestling langsam in Richtung Neuzeit marschierte.

Aber was erzähle ich das alles?

Eigentlich wollte ich nur sagen, dass am Ende der erfolgreichen Titelverteidigung niemand anderes als der Weihnachtsmann mit Bret Hart feierte. Und wir wundern uns manchmal, warum die Leute Wrestling belächeln.

In diesem Sinne: frohe Weihnachten.

22Okt/100

Nachvollziehbar

WWE Inc. hat Matt Hardy entlassen.

Überraschend kam das nicht, machten doch Gerüchte über das Heimschicken von Hardy während zweier Houseshows wegen mangelnder Verfassung die Runde. Zudem provozierte Matt Hardy über Twitter etc. seine Entlassung, indem er sich negativ über die Entwicklung bei WWE Inc. äußerte.

Ich glaube, dass beide Seiten gut mit der Entlassung leben können.

Für Matt Hardy, der seit den 90er Jahren Teil von WWE war, dürfte die Stagnation seiner Karriere ein großes Übel gewesen sein. Gemeinsam mit seinem Bruder Jeff startete er im Tag-Team-Bereich, erst als Jobber, dann als Top-Team um die Jahrhundertwende. Doch als das Team dann logischerweise zerbrach, folgte sein Bruder Jeff den Fußstapfen von Bret Hart, Shawn Michaels, Booker T, Edge oder JBL und wurde über eine starke Karriere im Midcard-Segment zum Main Eventer und zum Champion. Selbst sein unsolider Lebenswandel hinderte ihn nicht, bei WWE und TNA erfolgreich zu sein.

Matt hingegen blieb nur die Rolle des Jim Neidhart, des Marty Jannetty, des Stevie Ray, des Christian oder des Farooq (wobei der Vergleich nur bedingt paßt, da Ron Simmons schon Anfang der 90er seinen großen Run in der WCW hatte). Er blieb zwar bei WWE Inc., schaffte es aber selten über die Undercard hinaus. Lediglich die Einbeziehung seiner privaten Probleme mit Lita und Edge verschafften ihm seine große Storyline. Zuletzt mußte Matt Hardy zusehen, wie junge Talente ganz fix an ihm vorbei gepusht wurden, bestenfalls durfte er sich mal für Leute wie Drew McIntyre oder Sheamus hinlegen.

Kurzum: als Matt Hardy hätte ich auch keine Perspektive mehr bei WWE gesehen.

Für WWE Inc. ist die Entlassung eine klare Sache. Man kann sich in der Öffentlichkeit von seinen Angestellten nicht auf der Nase herumtanzen lassen, egal, wie lange er schon im Unternehmen ist.

Und wenn man die Möglichkeiten von Matt Hardy nach seiner Entlassung sieht, dürfte WWE Inc. auch nicht ganz unzufrieden sein. Will er nicht in der Versenkung verschwinden, muss Matt über kurz oder lang bei TNA anheuern, was WWE nur recht sein dürfte. Schließlich würde dadurch der Fokus der TNA-Storylines auf einen ehemaligen WWE-Midcarder liegen, was schon in den Fällen Christian und Mr. Anderson schon in die Hose ging. Zudem brächte die Verpflichtung von Matt Hardy weitere Unruhe in den TNA-Lockerroom, was vielleicht sogar das ein oder andere Talent von TNA weg treibt.

Ich würde Matt Hardy keine großen Hoffnungen machen wollen, dass seine Wrestlingkarriere nach der Entlassung durch WWE Inc. nun einen neuen Schub bekommt. Zwar wird er kurz im Rampenlicht stehen, aber wie Marty Jannetty oder Stevie Ray wird seine Einzelkarriere wenig erfolgreich bleiben.

2Sep/080

Gedankensplitter -2-

- Shawn Michaels hat sich bei RAW offenbar schwer verletzt, plant aber zum PPV "Unforgiven" anzutreten. Ein Trizepsriss soll es sein, der HBK für mehrere Wochen außer Gefecht setzen wird. Ob es für die weitere Karriere so förderlich ist, am Sonntag zu wrestlen, sei dahingestellt, für die Qualität des PPVs wird es wohl gut sein. Denn ohne das gut aufgebaute Match Jericho vs. Michaels hat der PPV nur das Scramble-Match-Experiment zu bieten. Allerdings sollte man sich bei WWE Inc. mal fragen, ob man nicht im Angesicht der sich häufenden Verletzungen der Top-Stars mal über das Arbeitspensum der Mitarbeiter nachdenken will.

- Ein heißes Gerücht besagt, dass für Wrestlemania 25 ein Comeback von Steve Austin im Gespräch ist. Ganz ehrlich? Ich will den nicht mehr im Ring sehen. Schon seine letzten Auftritte für WWE Inc. waren sehr stereotyp, ein paar Stunner, ein Beer Bash und einige Mittelfinger, viel mehr war da nicht. Zudem kommt erschwerend hinzu, dass auch seine letzten Auftritte im Ring nur mittelprächtig waren. Dass mir zudem kein passender Gegner einfällt, der sich für Austin hinlegen würde und gleichzeitig den Anspruch erfüllt, ein würdiger Gegner für einen der Top-Wrestler der 90er zu sein, macht das Dilemma nur noch deutlicher.