Wrestlingblog Subjektives und Spekulatives

7Jan/123

Mal wieder Wrestling live sehen..

Lange habe ich mit mir gehadert und gekämpft, am Ende hat die Vernunft gesiegt.

Meine Pläne, zur TNA-Tour nach London zu fahren, habe ich ebenso ad acta gelegt wie den Plan, nach Neu-Ulm zu fahren. An beiden Orten hätte ich Sting live sehen können, aber letztlich sind beide Termine am letzten Januarwochenende zeitlich und finanziell sehr aufwändig. Daher habe ich mich entschieden, den nächstgelegenen Veranstaltungsort zu wählen. Am 21. Januar fahre ich nach Essen, um dort TNA live zu sehen.

Meine Karte

Meine Karte

Zwei Wermutstropfen gibt es bei dieser Geschichte. Zum einen kann der Veranstalter nicht einmal die Namen der Beteiligten richtig schreiben, zum anderen gibt es nach der momentan Planung in Essen eben nicht Sting zu sehen. Aber ich gehe mal davon aus, dass es trotzdem ein unterhaltsamer Abend wird.

Einen kleinen Moment kam ich heute, kurz nachdem ich die Karte aus dem Briefkasten gefischt habe, noch ins Wanken, da TNA in London nicht nur einfach eine Houseshow durchziehen wird, sondern offenbar eine TV-Show aufnehmen will. Aber die Entscheidung ist gefallen.

Ich werde hier berichten, ob die Veranstaltung eine Reise wert war.

19Okt/111

Roode Awakening

Am Sonntag fand mit Bound for Glory der vermeintlich wichtigste PPV von TNA statt. Lange hatte man auf diesen Abend hingearbeitet. Über Monate lief die Bound-for-Glory-Series, um einen Herausforderer für den World-Titlezu ermitteln. Die Idee war klasse: mehrere Teilnehmer kämpften bei allen Arten von Shows gegeneinander, um Punkte für den Tabellenstand zu erringen. Am Ende gab es sogar einen Finalkampf zwischen Bobby Roode und Bully Ray, den der Kanadier für sich entscheiden konnte. Besonders toll fand ich, dass durch die Bound-for-Glory-Series die Houseshows aufgewertet wurden. Es wurden nicht jeden Abend dieselben Kämpfe ausgetragen, sondern jede Nacht hatte ihre individuelle Note. Die Nachricht an die Besucher ist eine schöne: euer Abend ist wichtig, was hier passiert findet ihr im Internet und in den TV Sendungen wieder. So verleiht man dem einzelnen Abend und der gesamten Serie Bedeutung und schafft Kundenbindung.

Und dann macht man alles an einem Abend zunichte.

Eigentlich war jedem Beteiligten klar, wie der Abend laufen müsste. In einem spannenden und dramatischen Match hätte Bobby Roode gegen Kurt Angle gewinnen müssen. Nur so hätte man die Bedeutung und die Ernsthaftigkeit der Ereignisse der vergangenen Monate aufrechterhalten und unterstreichen können. Die Niederlage schadete nicht nur Bobby Roode, sondern vor allen Dingen der Glaubwürdigkeit von und dem Vertrauen in TNA. Booking ist eigentlich sehr einfach: man baut über einen gewissen Zeitraum eine Fehde auf, lässt sie bei einem PPV gipfeln und erfüllt am Ende die Erwartungen des Publikums.

Man liest in diesen Tagen viel, dass Hulk Hogan in die treibende Kraft hinter dieser Entscheidung gewesen sei. Das mag stimmen oder nicht, aber so oder so erinnert es fatal an die Fehler der WCW. Dort ließ man auch viele Chancen ungenutzt, neue Gesichter zu etablieren. Auffällig ist doch einmal mehr, dass die Hauptsegmente des Abends nicht von eigenen Gewächsen geprägt waren. In den letzten beiden Kämpfen des Abends waren mit Hogan, Sting und Kurt Angle drei Fremdeinkäufe im Ring. Davor hatten Jeff Hardy und Jeff Jarrett ein Interviewsegment - beide machten sich außerhalb von TNA einen Namen. Und am Ende verlor das Eigengewächs auch noch..

ACHTUNG: SPOILER-ALARM

Dem Ganzen wird aber noch die Krone aufgesetzt: Nicht nur, dass man an einem Abend monatelanger Vorarbeit zunichte macht, nein, bei den nächsten TV-Aufnahmen wurde aus dem Nichts James Storm neuer Champion. Ich habe nichts gegen überraschende Wendungen. Sie sind für gute Unterhaltung notwendig, aber es gibt Momente, in denen die Straßen keine Kurven mehr haben, sondern einfach gerade ausführen. Sonntag Nacht war ein solcher Moment, doch TNA hat ihn verpennt und ist weiter Kurven gefahren.

Das wird ein böses Erwachen geben.

28Jun/110

One moment in time: 9. November 1997

Montreal Screwjob. 'Nuff said..

Über den Montreal Screwjob ist wahrscheinlich mehr geschrieben worden als über jedes andere Ereignis im Wrestling der letzten 50 Jahre. Angeblich plant WWE Inc. sogar eine DVD zu diesem Thema.

Ich will hier keine Daten herunterleiern oder spekulieren, wer wann was gesagt oder gewußt hat. Das haben schon hunderte vor mir getan. Ich möchte allerdings einen Aspekt hervorheben, der meistens etwas untergeht - der Montreal Screwjob hat der WCW auf dem Höhepunkt ihres Wirkens direkt Schaden zugefügt.

Damit meine ich nicht die Tatsache, dass Vince McMahon nach der Survivor Series 1997 zum absoluten Heel der WWF aufstieg und so mit seiner Fehde gegen Steve Austin die Wende in den Montagskriegen einläutete. Vielmehr störte der Montreal Screwjob die Fokussierung der WCW auf den Event, auf den sie so hervorragend über ein Jahr lang hingearbeitet hatte - Starrcade 97.

Seit der Gründung der nWo hatte Eric Bischoff ruhig und besonnen die Fehde des Stingers gegen das Oberhaupt der nWo, Hollywood Hulk Hogan, aufgebaut. Bei dieser Fehde machte die WCW nichts falsch, man arbeitete zielgerichtet auf Starrcade hin, der Abend, an dem Sting die WCW rächen würde. Es war der vielleicht am besten aufgebaute Event der 90er Jahre, die Fans waren elektrisiert und konnten den größten Showdown der WCW nicht erwarten. Dazu hatte die WCW sich zwischenzeitlich die Dienste von Bret Hart gesichert, so dass man für 1998 ein weiteres Eisen im Feuer hatte.

Doch dann platzt die Bombe in Form des Montreal Screwjobs. Plötzlich gibt es ein Störfeuer, das die allgemeine Aufmerksamkeit von Starrcade weg zur WWF zog. Um die Aufmerksamkeit zurück zu WCW zu lenken, mußte man etwas tun, was man unter anderen Umständen besser vermieden hätte: Bret Hart mußte noch 1997 für die WCW debütieren. Schließlich war der Hitman DAS Thema, so konnte man den Fokus zur WCW zurückholen. Doch der Preis war hoch: so richtig konnte man Bret Hart nicht einsetzen, ohne das Rampenlicht von Sting vs. Hogan zu nehmen, also suchte man verzweifelt nach einer Möglichkeit, Bret Hart unterzubringen. Und wann immer schnelle Entscheidungen zu treffen waren, versagte die WCW: Bret wurde Ringrichter bei Starrcade im Duell Larry Zbysko vs. Eric Bischoff. Wie noch dutzende Male später, hatte man keine guten Ideen für Bret Hart und nutzte sein Talent nicht. Man hatte einen Roster voller Talente, mit denen Hart ein Weltklassematch gezeigt hätte, doch als Referee war er falsch eingesetzt. Wäre man bereit gewesen, ein Stück vom Rampenlicht des (enttäuschenden) Main Events abzugeben, hätte man vielleicht sogar aus der Situation gewinnen können - ein PPV mit dem lang herbeigesehnten Showdown zwischen Sting und Hogan PLUS ein Match des heißesten Wrestlers zu diesem Zeitpunkt. Ich möchte nicht wissen, ob man die sowieso schon hervorragende Buyrate des PPVs nicht hätte noch weiter steigern können.

Und doch war die Situation schwer für die WCW-Verantwortlichen: auf der einen Seite war man gezwungen, das aktuelle Thema Bret Hart aufzugreifen und den Mann schnellstmöglich in die Shows zu holen, um der WWF den Wind aus den Segeln zu nehmen und auch von den Ereignissen des 9. Novembers zu profitieren. Auf der anderen Seite läßt man sich so kurz vor einem von langer Hand aufgebauten PPV ungerne von außen diktieren, wie man sein Produkt gestaltet. Der Fokus war auf Hogan vs. Sting und dort wollte man ihn belassen. Dummerweise konnte man nicht beide Seiten der Medaille bedienen und entschloss sich zu einem Mittelweg, der am Ende keinem half.

Bret Hart war am 28. Dezember 1997 nicht nur Referee beim Zbysko-Sieg, sondern nahm diese Rolle auch im Main Event wieder auf, wo er tatsächlich eine Art Screwjob an Hogan durchführte. Anstatt also den wichtigsten PPV des Jahres mit einem klaren Fehdenabschluss zu beenden, orientierte man sich an den WWF-Ereignissen des Vormonats und machte sie nach. Wie so häufig definierte Eric Bischoff sich und sein Produkt über den Wettbewerber, was im Grunde die hervorragende Vorarbeit ad absurdum führte. Man hätte es so einfach haben können, hätte man Sting einen klaren Sieg einfahren lassen und hätte beim ersten Nitro 1998 Bret Hart präsentiert. Oder hätte man die kurz danach schnell geschossene Fehde von Hart gegen Flair noch in den Starrcade-PPV gebracht. Die WCW hatte es Ende 1997 kein bißchen nötig, Seitenhiebe an die WWF zu verteilen oder sie nachzumachen. Und doch stellte man seine eigenen Stärken zurück, um auf Ereignisse bei der WWF zu reagieren, was im Angesicht des damaligen Erfolgs der WCW unangebracht war.

Und so kann man die Historie der WCW-Reaktion auf den Montreal Screwjob umreißen: Starrcade 1997 war ein Erfolg in allen meßbaren Bereichen, doch läutete das enttäuschende Ende des Main Events mit seiner Montreal-Kopie langsam die Wende zum Negativen ein. Bret Harts zu schnelles und undurchdachtes Debüt bestimmte den weiteren Verlauf seiner WCW-Karriere, bis zum Karriereende 2000 schien man nie so richtig zu wissen, wie man einen fünfmaligen WWF-Champion einsetzt.

Der Montreal Screwjob brachte die WCW aus der Spur - nicht indirekt durch die Ereignisse in der WWF, sondern der eigene Umgang der WCW mit Bret Hart und dem Thema ließ die WCW von ihrem klaren Weg auf den Höhepunkt ihrer besten Fehde stolpern. Ein Stolpern, von dem man sich nie wieder erholte..

14Jun/110

One moment in time: 7. Juli 1996

7. Juli 1996, Daytona Beach, Florida, USA - ein Abend, der auf lange Zeit die Welt des Wrestlings verändern sollte. Es war der Abend, an dem Hulk Hogan Heel turnte und gemeinsam mit Scott Hall und Kevin Nash die nWo gründete. Die nWo wurde für die WCW zur Gelddruckmaschine und brachte für einige Jahre die Vorherrschaft in den sogenannten Montagskriegen.

Die Vorgeschichte zum PPV "Bash at the beach" ist schnell erzählt: Scott Hall und Kevin Nash waren als Outsiders in den WCW-Shows aufgetaucht und hatten eine WWF-Invasion angedeutet. Für den Bash at the beach forderten Hall und Nash für sich und ihren unbekannten Partner ein Sechs-Mann-Team gegen die Besten der WCW. Am Abend des Kampfes kamen Hall und Nash allein heraus, um es mit Sting, Lex Luger und Randy Savage aufzunehmen. Früh im Kampf wurde Lex Luger aus dem Match genommen und irgendwann lagen alle Beteiligten im Ringstaub. Und dann kam Hulk Hogan heraus. Hätte Bobby Heenan nicht die Frage gestellt, auf wessen Seite er stünde, es wäre perfekt gelaufen. Dennoch kam der große Schockmoment, als Hogan Savage mit dem Legdrop of Doom ausschaltete. Im Anschluß gab er unter dem steten Müllregen der Fans das Gründungsinterview zur nWo. Der Rest ist Geschichte.

Diesen Moment machen zwei Dinge so besonders. Den einen Punkt habe ich nun häufig genug erwähnt: die Gründung der nWo, den wahrscheinlich heißesten Stable der letzten zwei Jahrzehnte. Der zweite Punkt ist wahrscheinlich viel bedeutender, weil er dem ersten Punkt erst den letzten Schliff gab: Hulk Hogan turnte Heel.

Hulk Hogan war seit über zwölf Jahren das Top-Babyface des amerikanischen Wrestlings. Sicher, so langsam nutze sich das Gimmick ab, nach seinem Wechsel zur WCW zeigten sich erste Abnutzungserscheinungen. Hogan hatte alle Heels abgefertig, die Überfigur des ewigen Helden schien ausgelutscht. Dennoch war er weiterhin der größte Star des amerikanischen Wrestlings, er zog weiterhin Fans in die Hallen, verkaufte T-Shirts und hatte eine eigene TV-Serie. All das stand auf dem Spiel, denn es blieb zu befürchten, dass die Fans einen Heel Hogan nicht akzeptieren.

Alles, was Hogan sich im letzten Jahrzehnt erarbeitet hatte, opferte er für eine Veränderung, deren Ausgang ungewiss war. Allerdings soll Hogan sehr starke Bedenken gegen diesen Gimmickwechsel gehabt haben, schließlich war das Risiko ähnlich groß wie die Möglichkeit, als Top-Heel der Liga mit frischem Wind im Main Event zu bleiben. Im Nachhinein leugnen alle Beteiligten, dass Luger nur deshalb so früh aus dem Match genommen wurde, um im Falle einer Meinungsänderung des Hulksters, der schon damals die kreative Kontrolle über seinen Charakter hatte, ihn als dritten Mann zu präsentieren. Allerdings scheint mir dieses Planspiel durchaus plausibel, schließlich wäre andernfalls das frühe Herausnehmen von Luger aus dem Match irgendwie sinnlos.

Deshalb ist Hogans Turn der große Moment des 7. Juli 1996. Der Mann, der in den 80er Jahren als Topstar das Wrestling in den Mainstream angeführt hatte, erfand sich neu, um in den 90er Jahren einen neuerlichen Wrestlingboom anzuführen.

31Mai/110

Reise nach London?

TNA (oder Impact Wrestling) kommt im Januar 2012 nach Europa. Auch Deutschland steht am 21. und 29. Januar auf dem Tourplan, wobei besonders der erste Termin für mich interessant ist, denn Essen ist nicht weit weg.

Allerdings überlege ich gerade ernsthaft, nicht nach Essen oder Neu-Ulm zu fahren, sondern mir für die TNA-Show in London am 28. Januar ein Ticket zu organisieren. Denn während in Deutschland die üblichen Verdächtigen wie Kurt Angle, AJ Styles oder Mr. Anderson angekündigt sind, ist für die England-Termine STING als Teilnehmer bestätigt.

Sting ist ja sonst nur bei den TV-Shows und PPVs zu sehen, Houseshows meidet "The Icon" seit Jahren. Von daher wäre es eine tolle Sache, Sting vielleicht zum letzten Mal live zu sehen. Das letzte (und bisher einzige) Mal habe ich Steve Borden beim "WCW Millenium Final" in Oberhausen gesehen, wahrscheinlich wird es nicht mehr soviele Gelegenheiten geben, Sting live in Europa zu sehen. Zudem hat die Wembley Arena als Veranstaltungsort auch ihren Reiz.

Jetzt brauche ich nur noch jemanden, der mit mir auf die Insel fährt..

15Mrz/110

Fiasko

Was TNA in der Nacht zum Montag als Main Event eines PPVs den Menschen anbot, war ein schlechter Witz. In anderthalb Minuten von Ringglocke zu Ringglocke fertigte Sting seinen Herausforderer Jeff Hardy ab. Dabei war die erste Minute reines Posen von Hardy, so dass die einzige echte Wrestlingaktion der Finisher des Stingers war. In den gut achteinhalb Minuten Vorgeplänkel (Einzug der Wrestler, Auftritt Eric Bischoff) konnte man gut sehen, dass Jeff Hardy in keinster Weise in der Lage war, ein Wrestlingmatch abzuliefern. "Bullshit"-Rufe füllten die Halle, Sting konnte nur "I agree" rufen, als er die Halle verließ.

Man fragt sich nur, wie eine solche Situation entstehen konnte.

Sollte die unwahrscheinliche Hypothese stimmen, dass diese ganze Geschichte ein Work war, hat niemand bei TNA verstanden, wie man mit Publikumsreaktionen arbeitet. X-Pac-Heat heißt das Zauberwort, das mir in den Sinn kommt. X-Pac hatte das schlimme Problem, dass die Leute ihn nicht hassten, weil die Booker das wollte und seine Rolle das verlangte, sondern er wurde aus der Halle gebuht, weil die Leute ihn schlicht und simpel nicht sehen wollten, weil die Leute ihn nicht leiden konnten. Und genau diese X-Pac-Heat generiert TNA mit solchen Angles, sofern dies ein Work war. Die Leute bezahlen für ein Wrestlingmatch, nicht für eine insgesamt zehnminütige Farce.

Und sollte es kein Work gewesen sein, was ich und viele Beobachter mit mir für höchst wahrscheinlich halten, dann hat TNA kein gutes Bild abgegeben. Sollte Jeff Hardy nicht in der Lage gewesen sein, ein Match zu worken, hätte man den Main Event ändern müssen. Ob man einen Three-Way-Dance mit Hardy, Sting und einem dritten Wrestler macht oder einem anderen Mann die Chance gibt, hauptsache, die Zuschauer gehen nach einem vernünftigen Main Event glücklich heim. Aber diese Eskalation, dieses Fiasko zuzulassen, war die einzige Option, die man nicht wählen konnte. Auch wenn die Außenwirkung einer plötzlichen Main-Event-Änderung ebenso schlecht gewesen wäre, so hätte man doch durch ein gewisses Maß an Ehrlichkeit die Situation retten können.

Nun mägen TNA und dieser bizarre Main Event zwar durchaus ein heißes Internetthema sein, aber profitieren wird man davon nicht. Die Mehrheit der PPV-Käufer wird sich zukünftig sehr genau überlegen, noch einmal 30$ oder mehr für eine TNA-Show auszugeben.

Ein wenig fühlte ich mich an einen Wendepunkt der WCW-Historie erinnert: damals war der Upset ein Match zwischen dem Champion Kevin Nash und Hulk Hogan, welches letzterer nach einem Fingertipp gewinnen konnte. Von da an ging es bergab mit der WCW. Hoffen wir, dass Jeff Hardys Auftritt bei Victory Road 2011 nicht ein ebensolcher Wendepunkt war.

6Mrz/110

Sting ist zurück

Wow..

Nachdem ich zuletzt ja gehofft habe, Sting würde TNA erhalten bleiben, ist dies eingetroffen. Es kommt ja eher selten vor, dass meine Tipps und Vorhersagen eintreffen, aber in diesem Fall hat es doch mal geklappt. Super.

Die Rückkehr des Stingers hat TNA in einer Art Seitenhieb auf die geheimnisvollen Videos zur Undertaker-Rückkehr angekündigt. Man hat den Stil der WWE-Videos nachgemacht, selbst der finale Schriftzug ist bei WWE Inc. abgekupfert.

Auch wenn das irgendwie witzig ist, zeigt es in meinen Augen das Hauptproblem von TNA: man sucht immer den Vergleich zu WWE Inc. Schon die WCW hat sich über die Rivalität zum Branchengegner definiert, was letztlich dazu führte, dass man am Ende den Kürzeren zog, weil man keine Eigenständigkeit mehr hatte. Dieses Schicksal mag TNA noch nicht drohen, aber der WCW-Vergleich wird ja nicht erst seit gestern bemüht. Und solche Videos als Seitenhieb zur Primetime zu bringen, läßt die Zweifler sicherlich nicht verstummen.

Aber nun ist Sting zurück und man hat gleich den nächsten fragwürdigen Schachzug. Sting gewann bei seiner Rückkehr den Titel von Jeff Hardy. Damit ist "The ICON" Sting einer der ältesten World Champions aller Zeiten. 51 Jahre ist Steve Borden inzwischen und trotzdem noch bzw. wieder das Aushängeschild von TNA. Unstrittig hilft Sting TNA - die Ratings, aber auch die Zuschauerreaktionen sprechen ein klare Sprache.

Nun liegt es an TNA, die Popularität Stings zu nutzen und das Scheinwerferlicht mit seiner Hilfe auf die nächste Generation zu schwenken.

20Feb/110

Das STINGt

In den letzten Wochen gab es viele Gerüchte, Sting würde zu WWE wechseln. Verstärkt wurden diese Gerüchte von mysteriösen Video-Segmenten bei RAW, die durchaus Ähnlichkeit mit alten WCW-Promovideos von Sting hatten. Außerdem wurde Sting von der TNA-Homepage entfernt.

Gut, die Videos haben sich als Ankündigung für die morgige Rückkehr des Undertakers entpuppt, so dass zumindest ein Indiz entschärft ist, aber die Gerüchteküche brodelt weiterhin.

Ich persönlich hoffe doch sehr, dass Sting NICHT zu WWE Inc. geht.

Schauen wir uns die Situations aus Sicht von WWE Inc. an. Sting ist der einzige Top-US-Wrestler, der trotz absoluter A-Starpower nie bei Vince McMahon unter Vertrag stand. Mit einer Verpflichtung könnte man diese historische Fußnote auslöschen, aber mehr als persönliche Befriedigung wäre das wohl nicht. Denn Sting ist inzwischen über 50, seine Leistung im Ring hat in den letzten ein bis zwei Jahren merklich nachgelassen. Im aktuellen WWE-Roster wäre er von den In-RingFähigkeiten her absolut fehl am Platze. Dazu kommt, dass Sting zumindest bei TNA eine recht ruhige Kugel schieben durfte. Lediglich die Tapings und PPVs mußte er arbeiten, Houseshows sparte er sich aus. Diesen lockeren Terminkalender wird WWE Inc. Sting nicht zubilligen wollen, denn man will ihn ja als Zuschauermagnet haben. Außerdem wrestlen selbst Größen wie der Undertaker, Triple H oder auch Shawn Michaels (zu seinen aktiven Zeiten) bei Houseshows, so dass eine derartige Extrawurst kaum zu rechtfertigen wäre. Unzweifelhaft würde Sting einige Zuschauer vor die Fernseher locken, so dass eine Investition in Sting sich zwar kurzfristig auszahlen mag, aber sowohl für die Arbeitsmoral als auch für die Qualität des In-Ring-Geschehens dürfte Sting WWE Inc. kaum weiterhelfen können.

Und aus Stings Sicht ist ein großes und sehr grundsätzliches Mißtrauen gegenüber WWE Inc. angebracht. Natürlich kann er bei Vince McMahon deutlich mehr verdienen als bei Dixie Carter. Und eventuell mag er auch in der Lage sein, ein reduziertes Arbeitspensum durchzusetzen. Doch wenn er in die Vergangenheit schaut, sollte ihm auffallen, dass Vince McMahon nicht willens oder in der Lage war, "fremde" Stars erfolgreich in seine Promotion zu integrieren und sie im Sinne des Geschäfts zu nutzen. Wie bitter war es, als Goldberg bei WWE ein neues Gimmick bekam und plötzlich von Goldust eine Perücke auf dem Kopf gesetzt bekam? Bryan Alvarez fragte sich zurecht, wieviel Geld man in dieser einen Szene wohl verbrannt hat.

Und auch das nWo-Konzept, dass Vince McMahon Anfang 2002 aufnahm, hätte ein lockerer Selbstläufer sein können. Doch man entschied sich, Hall, Nash & Hogan als Witzfiguren darzustellen und so floppte das Thema nWO bei WWE. Sting mag auch das komplett gescheiterte Invasion-Konzept aus 2001 noch in Erinnerung haben, bei dem alle WCW-Stars, inklusive des amtierenden Champion Booker T, wie die letzten Vollpfosten gebookt wurden und dabei verjobbt wurden.

Was kann Sting also von WWE Inc. erwarten? Eine Altherren-Fehde gegen den Undertaker? Einen Job für John Cena oder Edge machen? Ich glaube, aus kreativer Sicht könnte Sting im McMahon-Land verloren sein. Sting hat sich aber nichts mehr zu beweisen. Finanziell hat "Real Estate Steve" ausgesorgt, im Wrestlingring hat er alles erreicht. Für die ganz großen Erfolge bei WWE Inc. ist er, und das ist ihm hoffentlich bewußt, inzwischen zu alt und nicht mehr auf dem notwendigen Leistungslevel.

Daher kann es für Sting nur noch darum gehen, einen Weg zu finden, diese großartige Karriere zu einem würdigen Ende zu bringen. Und das geht meiner Meinung nach besser bei TNA, wo er große Chancen hat, mit einem großen Match und einem PPV-Main-Event von der großen Bühne abzutreten.

Deshalb hoffe ich, dass an den vielen Gerüchten der letzten Wochen nichts dran ist.

13Dez/101

Lieblingswrestler

Habt ihr auch Lieblinsgwrestler?

Ich habe über die vielen Jahre hinweg einige Wrestler in mein Herz geschlossen, die ich immer wieder gerne sehe. Ich würde euch gerne drei dieser Favoriten hier nennen.

Bret "The Hitman" Hart

Als ich mit dem Wrestling anfing, war Bret Hart gerade das Top-Face der WWF. Da fand ich ihn eigentlich gar nicht so besonders. So richtig interessant wurde der Hitman erst, als die WWF auf andere Karten setzten. Während Shawn Michaels, Diesel und später Steve Austin ihn rechts überholten, lieferte Bret Hart im Ring klasse Leistungen ab und entwickelte sich zum interessanten Charakter mit mehreren Facetten. Leider war diese tolle Phase, in der ich den Hitman für eine der spannendsten Figuren des Wrestlings hielt, sehr schnell vorbei. Der Wechsel zur WCW war ein Fehler, da er dort nie vernünftig bzw. konsequent eingesetzt wurde.

The Ultimate Warrior

Ich bin sicherlich einer der größten Kritiker des Warriors, aber ich kann mich nicht der Atmosphäre entziehen, die der Warrior verbreitete. Wenn die wummernde Musik ertönte und Jim Hellwig zum Ring rannte, an den Seilen schüttelte und mit dem Kopf wackelt - das war genial. Ich erinnere mich immer wieder gerne an Wrestlemania XII, als der Warrior sein Comeback feierte. Oder auch an Wrestlemania VI, als der Warrior durch ein durchgeskriptetes Match geführt wurde, das richtig ansehnlich war. Auch ein stark overbooktes Match wie beim SummerSlam 92 kam den limitierten Fähigkeiten des Warriors entgegen. Egal, wie schlecht seine Promos waren, egal, wie bescheuert Jim Hellwig im echten Leben ist und auch egal, wie maximal unterdurchschnittlich seine In-Ring-Fähigkeiten waren - die Warrior-Atmosphäre ist bis heute unerreicht.

Sting

Der ehemalige Tag-Team-Partner des Ultimate Warriors ist einer der wenigen Wrestler, der mich in seiner Hochphase beeindruckt hat. Auch wenn Sting sicherlich hervorragende Promos halten kann und im Ring durchaus gut zu nennen ist, so war seine Phase 1996/1997 genial. Der Gimmickwechsel vom bunten Sting zum The-Crow-Rächer wurde perfekt inszeniert und Steve Borden setzte das Ganze toll um. Vielleicht war dies die letzte richtig groß aufgezogene Fehde des Wrestlinggeschäfts. Auf jeden Fall sehe ich seit dieser Zeit Sting sehr gerne, auch wenn er sich durch das Vermischen seiner Charaktere ein wenig von der Faszination genommen hat.

Und?

Habt ihr auch Lieblinsgwrestler?

22Jan/101

Poison injected

Habe ich noch im Nachhinein TNA als knappen Sieger des Montagskriegs am 4. Januar gesehen, hat man inzwischen in Orlando alles getan, diesem Eindruck entgegenzutreten. Ich weiß nicht, ob Hogan, Bischoff und Russo etwas aus der Vergangenheit gelernt haben, aber die Zahl der Fehler ist schon besorgniserrgend.

  • Man präsentiert am 4. Januar zur Überraschung aller Jeff Hardy. Auch wenn man diesen Pfeil viel zu schnell aus dem Köcher geholt hat, war das schon ziemlich sensationell. Und dann? Seitdem hat man Jeff Hardy bei TNA nicht mehr gesehen, obwohl er mit Sicherheit ein riesiger Zuschauermagnet sein könnte.
  • Orlando Jordan, Sean Morley und die Nasty Boys bekommen TV-Zeit und dürfen Matches gewinnen, während ein TNA-Eigengewächs und -Leistungsträger wie Samao Joe keinen Platz beim PPV hat? WTF..
  • Der sechseckige Ring ist Geschichte. Nicht, dass ich diese Ringform besonders toll fand, aber so war das ganze doch ein Markenzeichen von TNA und ein gutes Abgrenzungsmerkmal gegenüber dem Mitbewerber. Diese Besonderheit leichtfertig aufzugeben, könnte sich noch rächen. Denn im und um den Ring arbeitet TNA immer mehr daran, eine Kopie von WWE Inc. oder gar der WCW zu werden. Da stünde ein Unterscheidungsmerkmal den Jungs aus Orlando nicht schlecht.
  • Schon die WCW hat damit zu knabbern gehabt: man setzt PPV-Matches an, die Leute geben ihr Geld dafür aus und die Matches finden nicht wie angekündigt statt. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass einige den letzten TNA-PPV auch wegen der Rückkehr der Outsider (Kevin Nash & Scott Hall) gekauft haben. Und dann findet dieses Match nicht mit Hall, sondern mit Sean Waltman, dessen Beliebtheit und Relevanz gegen Null tendiert, statt. Ärgerlich..
  • Und bei derselben Veranstaltung wird Bobby Lashley aus seinem Match gegen Abyss genommen, um von Mr. Anderson (Kennedy) ersetzt zu werden. Bobby Lashley spricht durch seine MMA-Karriere durchaus ein Publikum an, das man als Wrestling-Organisation gewinnen könnte. Ihn schwach aussehen zu lassen, hilft nicht gerade, neue Zuschauer anzusprechen. Und Mr. Anderson scheint mit seinen Schauspiel-Ambitionen ja nicht gerade der passende Ersatz zu sein, zumal seine Starpower auch nicht gerade die größte ist. Aber halt: er war ja mit Hulk Hogan auf Australien-Tour..
  • Man könnte noch weitere Fehler auspacken: auf der einen Seite wird Mick Foley als Gegner von Bischoff/Hogan aufgebaut, auf der anderen Seite verliert er klar im Ring gegen Kevin Nash; das PPV-Match Styles vs. Angle wurde nicht nur vor dem Match bei Impact geboten, sondern auch danach; wo ist Sting?; den Fans wird tatsächlich vorgeschrieben, nicht zu fluchen und gefälligst an den rechten Stellen zu jubeln; Hall & Waltman werden erst als vertragslos dargestellt und "gefeuert", um dann doch regelmäßig aufzutauchen und Teil des Rosters zu sein;..

Wenn man bedenkt, welches Potential bei TNA liegt, ist es bitter zu sehen, dass Bischoff und Hogan soviel so schnell vor die Wand fahren.

Erinnert sich noch jemand, wie Vince McMahon die Rückkehr der nWo 2001/2 ankündigte? "I am gonna inject poison". Man könnte meinen, dieses Gift in Form von Hogan hätte er nach der WCW auch TNA verabreicht.