Gute Nachrichten, schlechte Nachrichten
Fangen wir mit den schlechten Nachrichten an:
Scott Halls Schicksal erinnert mich gefährlich an den Film "The Wrestler". Die Szenen von der Indy-Show vor einigen Tagen sind auf jeden Fall erschreckend.
Die zweite Nachricht ist ebenso traurig. Edge hat die Stiefel an den Nagel gehangen. Seinen schweren Verletzungen musste der Rated R Superstar nun Tribut zollen. Nach seinem Wrestlemania-Erfolg unterzog sich Edge entsprechenden Untersuchungen, die ergaben, dass seine Schädigungen so schwer seien, dass dauerhafte Schäden und sogar der Tod als Risiko im Raum standen. Verständlicherweise hat Edge sich für die Beendigung seiner illustren Karriere entschieden. Das ist sehr schade, leitet aber zur guten Nachricht über.
Eigentlich sollte Edge die Europa-Tour des SmackDown!-Rosters headlinen, was ja nun wohl flach fällt. Trotzdem - und jetzt kommt die gute Nachricht - freue ich mich darauf, am Freitag in Dortmund wieder die WWE-Superstars live zu erleben. Dank dem treuen Leser Magnus, mit dem ich im vergangenen Herbst schon in Köln war, habe ich die Gelegenheit, die tolle Atmosphäre bei einer WWE-Show zu geniessen. Trotz des Wermutstropfen "Edge" wird das bestimmt klasse.
Wer mag, wird bei Twitter oder Facebook sicherlich einige Eindrücke von der Houseshow in Dortmund finden können.
Wrestlemania 27
Der wichtigste PPV der Wrestlingszene steht vor der Tür. Wie immer möchte ich meine Einschätzungen und Tipps zu den Matches hier kundtun. Natürlich ist jeder dazu eingeladen, in den Kommentaren seine Weisheiten zum Besten zu geben.
Kane, Vladimir Kozlov, Big Show & Santino Morella vs. The Corre
Dieses kurzfristig eingefügte Match hat was von "Resterampe". In den letzten Jahren gab es dafür das Money-in-the-bank-Match, nun wird ein Multi-Men-Team-Match angesetzt. Sicherlich wird dies die Gelegenheit zum Spotfestival, so dass das Match bei aller Unwichtigkeit unterhaltsam werden dürfte.
Mein Tipp: The Corre
Sheamus vs. Daniel Bryan
Sheamus hat eine unangenehme Phase hinter sich. Nach seinem Titelverlust schien es, als würde er in der Undercard verschwinden, doch nun scheint seine Karriere die Kurve zu kriegen. Daniel Bryan hat sich etabliert, seine Fähigkeiten bereichern WWE Inc. Das Match könnte ganz interessant werden, wobei ich glaube, dass man Sheamus nicht sofort wieder ausbremst. Daher..
Mein Tipp: Sheamus
Dolph Ziggler & LayCool vs. John Morrison, Snooki & Trish Stratus
WWE Inc. weiß, wie wenig sie im Diven-Bereich hat, daher werden Ziggler und Morrison in das Match gesteckt. Ehrlicherweise muss man auch sagen, dass dies auch Snooki und Trish Stratus absichern sollen, die auf Grund ihrer mangelnden Erfahrungen bzw. eventuellen Ringrosts vielleicht kein komplettes Match abliefern können. Ich hoffe, dass Morrison und Ziggler das Match erträglich machen, wobei ich es relativ uninteressant finde. Trotzdem..
Mein Tipp: John Morrison, Snooki & Trish Stratus
Rey Mysterio vs. Cody Rhodes
Cody Rhodes hat im Vorfeld häufiger gesagt, dass er hofft, einen Showstealer abzuliefern. Klar: ein Showstealer bei Wrestlemania könnte seine Karriere beflügeln. Allerdings weiß ich nicht, ob sein Gegner für so einen Auftritt der richtige ist. Rey Mysterio hat lange Verletzungszeiten hinter sich, ist regelmäßig angeschlagen und die Gerüchte um seine Unzufriedenheit halten sich seit Monaten. Ob aus diesen Voraussetzungen ein klasse Match zustande kommen kann, wage ich zu bezweifeln. Trotzdem dürfte es unterhaltsam werden.
Mein Tipp: Rey Mysterio
Jerry Lawler vs. Michael Cole
Ich gönne Jerry Lawler seinen großen Moment. Auch wenn er jenseits der 60 ist, hat sich The King seinen großen Auftritt bei Wrestlemania verdient. Obwohl: Michael Cole als Non-Wrestler ist vielleicht nicht der "würdigste" Gegner und mit Jack Swagger neben dem Ring und vor allem mit Steve Austin als Special Referee wird Jerry Lawlers großer Moment überstrahlt. Das ist etwas schade, da gerade Steve Austin das Scheinwerferlicht auf sich ziehen wird. Ich weiß nicht, ob das irgendjemandem hilft. Trotzdem sollte der Ausgang klar sein.
Mein Tipp: Jerry Lawler
Randy Orton vs. CM Punk
Beide Wrestler waren schon Champion und haben dennoch die Zukunft vor sich. Und trotzdem bin ich irgendwie froh, dass diese Fehde hoffentlich bei Wrestlemania 27 ein Ende findet, denn so richtig hat die Geschichte um CM Punks Heelgruppe, die Woche für Woche durch Orton dezimiert wird, nicht gezündet. Und bei Wrestlemania kann eine Fehde nur so richtig enden, wenn die Guten gewinnen.
Mein Tipp: Randy Orton
The Undertaker vs. Triple H
Ohne große Vorwarnung wurde die Paarung ca. anderthalb Monate vor dem PPV aus dem Boden gestampft, als beide Wrestler ihre Rückkehr nach langer Verletzungspause feierten. Triple H hat seitdem nur wenig gewrestlet, zumeist in Multi-Tag-Team-Matches, während der Undertaker kein Match bestritten habe, wenn ich auf die Schnelle richtig recherchiert habe. Das läßt für die Matchqualität nicht viel hoffen, aber zu einem soliden Match sollte es reichen.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es irgendeinen Sinn ergibt, Triple H die Siegesserie des Undertakers beenden zu lassen. Klar, fürs Ego und für die eigenen Legende wäre es sicherlich eine feine Sache, aber da Triple H immer mehr hinter die Kulissen wechselt, weiß er hoffentlich, dass ein längerer Fehdenaufbau und ein jüngerer Bezwinger für WWE Inc. deutlich mehr Geld bedeuten dürften.
Mein Tipp: The Undertaker
The Miz vs. John Cena
The Rock - dieser Name schwebt über diesem Match. Ähnlich wie beim Lawler-Match ist dies etwas schade, denn Dwayne Johnson stiehlt den beiden eigentlichen Protagonisten das Rampenlicht, das sich besonders The Miz in den letzten Monaten hart erarbeitet hat. So interessant eine Fehde zwischen John Cena und The Rock ist, es wäre schade, wenn dieses Titelmatch von ihr bestimmt würde. Einzig: sollte tatsächlich The Rock hier eine Fehde mit John Cena beginnen, würde man wahrscheinlich den Titel daraus halten, so dass The Miz zwar weiter als schwacher, aber immerhin überhaupt als Champion dargestellt wird.
Mein Tipp: The Miz
Edge vs. Alberto del Rio
Konsequent hat man bei WWE Inc. Alberto del Rio gepusht, also wäre es sehr sinnvoll, ihm den Titel bei Wrestlemania zu geben. Dagegen spräche nach meinen Tipps, dass die beiden großen Titel in den Händen von Heels Wrestlemania verlassen werden, was ja nicht den allgemeinen Gepflogenheiten der vergangenen Jahren entspräche. Aber es gibt ja für alles ein erstes Mal.
Mein Tipp: Alberto del Rio
Sting ist zurück
Wow..
Nachdem ich zuletzt ja gehofft habe, Sting würde TNA erhalten bleiben, ist dies eingetroffen. Es kommt ja eher selten vor, dass meine Tipps und Vorhersagen eintreffen, aber in diesem Fall hat es doch mal geklappt. Super.
Die Rückkehr des Stingers hat TNA in einer Art Seitenhieb auf die geheimnisvollen Videos zur Undertaker-Rückkehr angekündigt. Man hat den Stil der WWE-Videos nachgemacht, selbst der finale Schriftzug ist bei WWE Inc. abgekupfert.
Auch wenn das irgendwie witzig ist, zeigt es in meinen Augen das Hauptproblem von TNA: man sucht immer den Vergleich zu WWE Inc. Schon die WCW hat sich über die Rivalität zum Branchengegner definiert, was letztlich dazu führte, dass man am Ende den Kürzeren zog, weil man keine Eigenständigkeit mehr hatte. Dieses Schicksal mag TNA noch nicht drohen, aber der WCW-Vergleich wird ja nicht erst seit gestern bemüht. Und solche Videos als Seitenhieb zur Primetime zu bringen, läßt die Zweifler sicherlich nicht verstummen.
Aber nun ist Sting zurück und man hat gleich den nächsten fragwürdigen Schachzug. Sting gewann bei seiner Rückkehr den Titel von Jeff Hardy. Damit ist "The ICON" Sting einer der ältesten World Champions aller Zeiten. 51 Jahre ist Steve Borden inzwischen und trotzdem noch bzw. wieder das Aushängeschild von TNA. Unstrittig hilft Sting TNA - die Ratings, aber auch die Zuschauerreaktionen sprechen ein klare Sprache.
Nun liegt es an TNA, die Popularität Stings zu nutzen und das Scheinwerferlicht mit seiner Hilfe auf die nächste Generation zu schwenken.
Das STINGt
In den letzten Wochen gab es viele Gerüchte, Sting würde zu WWE wechseln. Verstärkt wurden diese Gerüchte von mysteriösen Video-Segmenten bei RAW, die durchaus Ähnlichkeit mit alten WCW-Promovideos von Sting hatten. Außerdem wurde Sting von der TNA-Homepage entfernt.
Gut, die Videos haben sich als Ankündigung für die morgige Rückkehr des Undertakers entpuppt, so dass zumindest ein Indiz entschärft ist, aber die Gerüchteküche brodelt weiterhin.
Ich persönlich hoffe doch sehr, dass Sting NICHT zu WWE Inc. geht.
Schauen wir uns die Situations aus Sicht von WWE Inc. an. Sting ist der einzige Top-US-Wrestler, der trotz absoluter A-Starpower nie bei Vince McMahon unter Vertrag stand. Mit einer Verpflichtung könnte man diese historische Fußnote auslöschen, aber mehr als persönliche Befriedigung wäre das wohl nicht. Denn Sting ist inzwischen über 50, seine Leistung im Ring hat in den letzten ein bis zwei Jahren merklich nachgelassen. Im aktuellen WWE-Roster wäre er von den In-RingFähigkeiten her absolut fehl am Platze. Dazu kommt, dass Sting zumindest bei TNA eine recht ruhige Kugel schieben durfte. Lediglich die Tapings und PPVs mußte er arbeiten, Houseshows sparte er sich aus. Diesen lockeren Terminkalender wird WWE Inc. Sting nicht zubilligen wollen, denn man will ihn ja als Zuschauermagnet haben. Außerdem wrestlen selbst Größen wie der Undertaker, Triple H oder auch Shawn Michaels (zu seinen aktiven Zeiten) bei Houseshows, so dass eine derartige Extrawurst kaum zu rechtfertigen wäre. Unzweifelhaft würde Sting einige Zuschauer vor die Fernseher locken, so dass eine Investition in Sting sich zwar kurzfristig auszahlen mag, aber sowohl für die Arbeitsmoral als auch für die Qualität des In-Ring-Geschehens dürfte Sting WWE Inc. kaum weiterhelfen können.
Und aus Stings Sicht ist ein großes und sehr grundsätzliches Mißtrauen gegenüber WWE Inc. angebracht. Natürlich kann er bei Vince McMahon deutlich mehr verdienen als bei Dixie Carter. Und eventuell mag er auch in der Lage sein, ein reduziertes Arbeitspensum durchzusetzen. Doch wenn er in die Vergangenheit schaut, sollte ihm auffallen, dass Vince McMahon nicht willens oder in der Lage war, "fremde" Stars erfolgreich in seine Promotion zu integrieren und sie im Sinne des Geschäfts zu nutzen. Wie bitter war es, als Goldberg bei WWE ein neues Gimmick bekam und plötzlich von Goldust eine Perücke auf dem Kopf gesetzt bekam? Bryan Alvarez fragte sich zurecht, wieviel Geld man in dieser einen Szene wohl verbrannt hat.
Und auch das nWo-Konzept, dass Vince McMahon Anfang 2002 aufnahm, hätte ein lockerer Selbstläufer sein können. Doch man entschied sich, Hall, Nash & Hogan als Witzfiguren darzustellen und so floppte das Thema nWO bei WWE. Sting mag auch das komplett gescheiterte Invasion-Konzept aus 2001 noch in Erinnerung haben, bei dem alle WCW-Stars, inklusive des amtierenden Champion Booker T, wie die letzten Vollpfosten gebookt wurden und dabei verjobbt wurden.
Was kann Sting also von WWE Inc. erwarten? Eine Altherren-Fehde gegen den Undertaker? Einen Job für John Cena oder Edge machen? Ich glaube, aus kreativer Sicht könnte Sting im McMahon-Land verloren sein. Sting hat sich aber nichts mehr zu beweisen. Finanziell hat "Real Estate Steve" ausgesorgt, im Wrestlingring hat er alles erreicht. Für die ganz großen Erfolge bei WWE Inc. ist er, und das ist ihm hoffentlich bewußt, inzwischen zu alt und nicht mehr auf dem notwendigen Leistungslevel.
Daher kann es für Sting nur noch darum gehen, einen Weg zu finden, diese großartige Karriere zu einem würdigen Ende zu bringen. Und das geht meiner Meinung nach besser bei TNA, wo er große Chancen hat, mit einem großen Match und einem PPV-Main-Event von der großen Bühne abzutreten.
Deshalb hoffe ich, dass an den vielen Gerüchten der letzten Wochen nichts dran ist.
Matt “Freaking” Hardy?!
TNA hat sich einmal mehr als WWE-Resterampe verdingt und beim gestrigen PPV Matt Hardy als Überraschungsgegner für Rob Van Dam präsentiert. Als hätte man nichts aus der Vergangenheit gelernt, gibt man einem etablierten Wrestler, der es in zehn WWE-Jahren nicht geschafft hat, bei den Fans over zu werden, einen Spot in der Promotion, anstatt frische Gesichter einzuführen.
Wie ich schon bei seiner Entlassung geschrieben habe, war Matt der Marty Jannetty der Hardy Boys. Während sein Bruder nach dem Split den Weg zur Spitze und in die Herzen der Fans gefunden hat, versank Jeff Matt in der Midcard. Es gab nur einen kurzen Moment, aus dem vielleicht eine Karriereschub hätte werden können. Damals verliess Lita ihren Freund Matt Hardy für Edge. Dies war eigentlich ein Ereignis aus dem wahren Leben, wurde aber für eine Wrestlingsstoryline genutzt, um eine Fehde aufzubauen. Doch ärgerlicherweise sprang der Funken nicht über. Während Edge (mit Lita) zum Main Eventer wurde, wurde Matt zum Edel-Jobber. Bis er sich vor einigen Monaten durch äußerst ungeschickte Äußerungen quasi selbst vor die Tür setzte.
Und dieses Sinnbild eines ewigen Midcarders holt TNA. Das ergibt schlicht keinen Sinn. Matt Hardy zieht keine Fans in die Arenen, er verkauft keine T-Shirts und wegen ihm wird niemand einen PPV kaufen. Eine Reunion der Hardy Boys wäre ebenso sinnlos, denn Jeffs Zugkraft würde dadurch verschwendet. Matt hat in über zehn Jahren WWE-Präsenz nicht den finalen Schritt geschafft, er wird mit Mitte 30 sich auch nicht neu erfinden können, daher ist diese Personalie weder eine Investition in die Zukunft noch eine Investition für einen kurzfristigen Erfolg.
Wenn ich über Matt Hardy nachdenke, fällt mir immer nur ein großer Moment ein, bei dem er dummerweise selbst gar nicht anwesend war. Es war beim 2005er PPV "One Night Stand", als Paul Heyman zu Edge folgendes sagte:
"I got two words for you - Matt 'Freaking' Hardy!"
Damit dürfte alles gesagt sein.
Force of January?!
Vor einem Jahr startete das Wrestlingjahr 2010 mit einem Montagskrieg zwischen TNA und WWE. Am 4. Januar 2010 war es eine einmalige Angelegenheit, doch gut zwei Monate später versuchte sich TNA am regelmäßigen Montagsduell - und verlor derart kräftig, das man wenig später wieder zurück auf den Donnerstag wechselte.
Schaut man auf das Jahr 2010 zurück, stellt man etwas erschreckt fest, dass der allgemeine Erfolg des Wrestlings in den USA stagniert. Das scheint schwer begreiflich, gibt es doch mit WWE und TNA gleich zwei starke Promotions, wobei TNA durch das Engagement von Hulk Hogan und Eric Bischoff ganz klar Ambitionen zeigte.
Das Ergebnis von TNA ist ernüchternd. Im Vergleich zum Vorjahr verlor man sogar leicht Zuschauer. Dies ist sicherlich auf die dämliche Entscheidung, während der Road to Wrestlemania direkt gegen RAW anzutreten, zurückzuführen. Aber auch auf dem angestammten Donnerstag waren die Ratings zuletzt nur bedingt erfolgreich, was wohl auf ein sprunghaftes Booking zurückzuführen ist.
Für TNA war 2010 also ein eher verschenktes Jahr, denn ärgerlicherweise setzte man 2010 vornehmend auf etablierte Stars und brachte kaum neue Wrestler ins Rampenlicht. Dummerweise liest man regelmäßig, dass durch die hohen Personalkosten der finanzielle Erfolg ausgeblieben ist, so dass es für TNA keine gute Bilanz zu ziehen gibt.
WWE kann sich sicherlich auch nicht über gute Zahlen freuen. Die Ratings sanken im Vergleich zu den Vorjahren und auch bei den PPV-Zahlen gab es nichts Gutes zu vermelden. Doch immerhin kann WWE auch einiges aus 2010 mitnehmen. Man machte aus der Not eine Tugend und etablierte viele neue Gesichter im Main Event, so dass die langen Ausfälle vieler Wrestler zwar auffielen, aber weitesgehend kompensiert wurde. Vince McMahon darf 2010 zwar nicht als gutes Jahr bezeichnen, aber wenn man es als Investition in die Zukunft auffasst, können die reinen Zahlen in den Hintergrund treten.
So bleibt ein Jahr nach dem Montagskrieg vom 4. Januar 2010 zu vermelden, dass keine der beiden beteiligten Promotions die "Force of January" nutzen konnte, um in 2010 große Erfolge zu erzielen.
Hoffen wir also, dass Wrestling 2011 erfolgreicher wird.
Weihnachten und Wrestling
Als ich diese Tage mal im Fernsehen die Vintage Collection sah, endete diese gerade mit dem Main Event der Survivor Series 1992. Damals kämpfte der frisch zum Champion gekürte Bret Hart gegen den damaligen IC-Champion und Midcarder Shawn Michaels. Damals war die Situation um die Top-Stars der Liga etwas zerfahren - man hatte nur Namen der 80er (Flair, Savage, Warrior) zu bieten, die auch kurz vor dem Absprung standen oder momentan nicht zur Verfügung (Hogan) standen.
Für den neuen Champion Bret Hart war das keine leichte Situation, war er doch selbst gerade aus der Midcard in den Main Event gerückt. Doch statt nun von einem etablierten Top-Heel beim PPV over gebracht zu werden, musste er bei der Survivor Series 1992 gegen einen Midcarder seine erste große Titelverteidigung machen. Shawn Michaels war gut zwei Wochen vor dem PPV auf Grund der Entlassung des British Bulldogs zum IC-Champion geworden, war also bei weitem noch nicht etabliert. Die Situation für Bret Hart besserte sich beim nächsten PPV nicht wirklich, sein Gegner wurde Razor Ramon (Scott Hall), der gerade mal ein paar Monate in der WWF war und nur kurz Main-Event-Luft schnuppern durfte. Parallel zu diesen Ereignissen baute Vince McMahon mit Yokozuna einen Monster-Heel auf, damit er seine Top-Faces stärken konnte. Das war schon eine spannende Zeit damals, als das Wrestling langsam in Richtung Neuzeit marschierte.
Aber was erzähle ich das alles?
Eigentlich wollte ich nur sagen, dass am Ende der erfolgreichen Titelverteidigung niemand anderes als der Weihnachtsmann mit Bret Hart feierte. Und wir wundern uns manchmal, warum die Leute Wrestling belächeln.
In diesem Sinne: frohe Weihnachten.
Awesome!
WWE Inc. ist das Wagnis eingegangen und hat The Miz zum Champion gemacht.
Ohne jede Frage hat The Miz sich diesen Titel erarbeitet. Er ist am Mikrofon wohl der momentan Beste, der bei WWE zu sehen ist. Auch im Ring haben sich seine Leistungen in den letzten Monaten und Jahren gesteigert, daher war der Titel ein durchaus logischer Schritt. Begünstigt wurde The Miz sicherlich durch die Tatsache, dass WWE momentan nicht viele etablierte Main-Eventer, die voll einsatzfähig sind.
Weshalb ich trotzdem über diesen Schritt verwundert bin, sind folgende Überlegungen. Da wäre das äußere Erscheinungsbild von The Miz. So unterhaltsam er ist, äußerlich ist er lediglich ein durchschnittlicher Superstar. Er hat weder die Stereoid-Arme eines John Cena noch die besondere Optik eines Sheamus. Er sieht sehr durchschnittlich aus, was irgendwie nicht so in das WWE-Schema paßt.
Und dann wäre da noch die Tatsache, dass mit The Miz wieder mal ein Cash-In des Money-in-the-bank-Koffers erfolgreich war. So langsam wird man doch auch bei WWE Inc. merken, dass das Konzept unglaubwürdig und berechenbar wird, wenn jeder Sieger dieser Matchart erfolgreich seinen Koffer einlöst. Und genau in diese Richtung gingen ja einige Gerüchte der letzten Wochen, nämlich dass The Miz der erste Einlöser werden sollte, der als Verlierer den Ring verläßt. Aus welchen Gründen auch immer man sicher anders entschieden hat, es setzt die Verantwortlichen unter Druck für die Zukunft.
Jetzt bleibt nur für The Miz zu hoffen, dass das Vertrauen in ihn nicht allzu schnell schwindet und er seine Chance bekommt, sich dauerhaft im Main Event festzusetzen.
Ultimate Fighting
Vergangenes Wochenende war ich nicht nur am Freitag bei der Houseshow der WWE in Köln, sondern habe auch am Samstag UFC 122 in Köln besucht.
Ich habe lange überlegt, ob ich auch hier einen Bericht schreiben soll. Viele Wrestlingseiten zeigen ja auch ein großes Interesse an MMA, besonders seitdem Brock Lesnar für UFC ins Oktagon steigt. Klar, eine gewisse Verwandtschaft kann man zwischen Wrestling und MMA sehen, aber so recht passen beide Bereiche in meinen Augen nicht zusammen, was ich auch als Fazit aus den beiden Abenden des vergangenen Wochenendes mitnehmen kann.
Wrestling ist eine große Show. Die Kämpfe sind abgesprochen, das ganze Produkt zielt auf eine kurzweilige Unterhaltung ab, während MMA nun einmal Sport ist. Sport ist unberechenbar in seinem Ablauf und kann nun einmal, die Fans des 1. FC Köln werden es bestätigen können, auch langatmig und ununterhaltend sein. Beim Wrestling darf ich erwarten, dass der komplette Abend auf mein Vergnügen ausgerichtet ist, während ich beim Sport auf gute Unterhaltung hoffen darf, aber mehr auch nicht. Daher sind dies für mich zwei Interessensbereiche, die ich voneinander getrennt betrachte.
Wer sich allerdings trotzdem für meine Meinung zu UFC 122 interessiert, kann diese hier nachlesen.
Köln war eine Reise wert
Freitag Abend war es soweit.
Mit dem Bloggerkollegen Magnus begab ich mich auf die lange Reise nach Köln, um die Wrestler von WWE SmackDown! live und in Farbe zu sehen. Erwartungsgemäß waren die letzten zehn Kilometer die zähesten, aber letztlich sind wir heil angekommen.
Dabei zeigte sich gleich der große Vorteil eines Premium-Tickets. Es gab eine Parkkarte, so dass wir gleich einen Parkplatz sicher hatten. Vom Parkplatz war es nicht weit entfernt zu einem Empfangsraum, bei dem ich dachte, ich wäre in einem Etablissement des horizontalen Gewerbes gelandet. Rote Polstermöbel, rotes Licht und eine attraktive Dame empfingen uns, um uns den Weg ins Restaurant "Backstage" zu weisen.
Dort angekommen konnte man schon vor Beginn der Show feststellen, dass der Erwerb der Premium-Tickets eine gute Investion war. Nachdem wir einen Platz gefunden hatten, durften wir uns an einem ganz tollen Büffet schadlos halten. Herrlich zarte Schweinelendchen, gute Semmelknödel oder Latte-Macchiato-Törtchen bedeuteten einen tollen Start in einen - soviel sei vorwegnommen - gelungenen Abend. Die Getränke dazu gab es kostenlos. Da ich fahren mußte, konnte ich nicht wie Magnus gleich drei Kölsch in fünfzehn Minuten trinken, aber ich hätte sowieso lieber Bier getrunken.
Unser Platz vor dem Restaurant lag direkt über dem Entrance, bot also einen direkten Blick auf den Ring. Zwar konnte man die Wrestler beim Einzug erst spät sehen, aber der gute Blick entschädigte dafür.
Pünktlich um 19:30 startete die Show mit dem Opener Tyler Reks vs. MVP. Ich will hier nicht die Ergebnisse wiederholen, die jeder im halben Internet nachlesen kann, sondern eher meine Eindrücke wiedergeben. Es war sicherlich sehr schlau von WWE Inc., den Opener von Nürnberg zu verändern. Dort hatte Reks gegen Kaval gekämpft, was im Angesicht der relativen Unbekanntheit der beiden das Publikum schwerer mitnehmen dürfte. MVP war sehr over, so dass das Publikum vom ersten Moment dabei war.
Drew McIntyre hatte gegen Kaval so seine Probleme, als Heel rüberzukommen, da er deutlich bekannter als sein Gegner war. Er mühte sich redlich, konnte aber nicht verhindern, dass er bejubelt wurde.
Auf jeden Fall waren die ersten beiden Matches richtig gut, so dass die Grundstimmung schon mal super war. Der anschließende Fatal-Four-Way um den IC-Titel war ein ordentliches Match, in dem der Publikumsliebling Kofi Kingston die meiste Arbeit leistete.
Danach hätte es kritisch werden können, denn ein Divenmatch stand auf dem Programm. Wer hier regelmäßig mitliest, weiß, dass ich den WWE-Diven nicht viel abgewinnen konnte. Aber: Natalya hat echt Talent und konnte auch Layla zu einem erträglichen Match führen. Auch wenn Layla durch eher lächerliche Aktionen auffiel (Gymnastikballübungen, einen Aufgabegriff, der "sehr merkwürdig" aussah), kippte meine Stimmung nicht.
Ein kurzes Intermezzo von Sheamus und Edge führte zu einem Tag-Team-Match zwischen Sheamus & Alberto del Rio und Edge & Rey Mysterio. In diesem Match machte Rey die meiste Arbeit, das tat er aber gut. Nach ihrem Sieg nahmen sich Edge und Rey sehr viel Zeit bei ihrem Auszug, die Fans abzuklatschen, Fotos machen zu lassen und Autogramme zu schreiben. So gehört sich das bei House Shows.
Nach einer recht kurzen Pause von zehn Minuten kam dann endlich der Moment, auf den ich mich so sehr gefreut habe. Bret Hart betrat die Arena, um als Partner der Hart Foundation gegen Nexus anzutreten. Ein wirklich toller Moment, da ich leider vorher noch nie Bret Hart live gesehen habe. Leider sieht man dem Hitman seine angeschlagene Gesundheit sehr an - er hinkte leicht und seine Körperhaltung sah auch nicht gut aus. Tyson Kidd machte die meisten Arbeit, aber auch Bret Hart arbeitete ein wenig. In meinen Augen war der Hitman sogar aktiver als bei seinem Wrestlemania-Match gegen Vince McMahon. Dass er sein Match mit dem Sharpshooter beendete, krönte diesen Auftritt.
Jack Swagger und Chris Masters bekamen zum Glück nur wenig Zeit, so dass Masters limitierte Fähigkeiten kaum ins Gewicht fielen. Ein seltsamer Semi-Main-Event, der so ein bißchen zum Runterkommen geeignet war, aber zumindest nicht schlecht.
Als John Cena zum Main Event gegen Kane herauskam, bebte die Halle. Wirklich. Ich habe nur bei Steve Austin und dem Undertaker einen ähnlichen Pop erlebt, das war wirklich unglaublich. Ich weiß nicht, was die Leute an John Cena gefressen haben, aber der Erfolg gibt ihm offenbar recht.
So richtig habe ich am Ende des Main Events nicht verstanden, warum The Nexus eingriffen, als ihr unfreiwilliges Mitglied John Cena gerade dabei war, das Match zu gewinnen, aber WWE Inc. war ja noch nie so bekannt für logische Handlungen.
Tortz dieser Logiklücke wurden die Fans glücklich heimgeschickt, als einige Faces noch ihre Finisher zeigen durften und sich viel Zeit bei ihrem Auszug nahmen.
Als Fazit bleibt stehen, dass der Abend rundherum klasse war. Das Büffet war super, die Plätze gut und es gab zweieinhalb Stunden richtig gutes Wrestling. Kein einziges Match war richtig schlecht, was bei meinen bisherigen House-Show-Besuchen leider nicht so war. Alle Wrestler haben gute Arbeit geleistet und sich wirklich reingehangen, um die Zuschauer zu unterhalten. Da ist es wirklich schade, dass die Lanxess-Arena weit entfernt von "ausverkauft" war.
Ich kann jedem nur empfehlen, sich bei der nächsten Tour eine Karte zu besorgen. Am Freitag in Köln war die Show wirklich jeden Euro wert.
Tipp: Mitfahrer Magnus hat in seinem Bericht ein paar Bilder und Videos vom Event.