Das STINGt
In den letzten Wochen gab es viele Gerüchte, Sting würde zu WWE wechseln. Verstärkt wurden diese Gerüchte von mysteriösen Video-Segmenten bei RAW, die durchaus Ähnlichkeit mit alten WCW-Promovideos von Sting hatten. Außerdem wurde Sting von der TNA-Homepage entfernt.
Gut, die Videos haben sich als Ankündigung für die morgige Rückkehr des Undertakers entpuppt, so dass zumindest ein Indiz entschärft ist, aber die Gerüchteküche brodelt weiterhin.
Ich persönlich hoffe doch sehr, dass Sting NICHT zu WWE Inc. geht.
Schauen wir uns die Situations aus Sicht von WWE Inc. an. Sting ist der einzige Top-US-Wrestler, der trotz absoluter A-Starpower nie bei Vince McMahon unter Vertrag stand. Mit einer Verpflichtung könnte man diese historische Fußnote auslöschen, aber mehr als persönliche Befriedigung wäre das wohl nicht. Denn Sting ist inzwischen über 50, seine Leistung im Ring hat in den letzten ein bis zwei Jahren merklich nachgelassen. Im aktuellen WWE-Roster wäre er von den In-RingFähigkeiten her absolut fehl am Platze. Dazu kommt, dass Sting zumindest bei TNA eine recht ruhige Kugel schieben durfte. Lediglich die Tapings und PPVs mußte er arbeiten, Houseshows sparte er sich aus. Diesen lockeren Terminkalender wird WWE Inc. Sting nicht zubilligen wollen, denn man will ihn ja als Zuschauermagnet haben. Außerdem wrestlen selbst Größen wie der Undertaker, Triple H oder auch Shawn Michaels (zu seinen aktiven Zeiten) bei Houseshows, so dass eine derartige Extrawurst kaum zu rechtfertigen wäre. Unzweifelhaft würde Sting einige Zuschauer vor die Fernseher locken, so dass eine Investition in Sting sich zwar kurzfristig auszahlen mag, aber sowohl für die Arbeitsmoral als auch für die Qualität des In-Ring-Geschehens dürfte Sting WWE Inc. kaum weiterhelfen können.
Und aus Stings Sicht ist ein großes und sehr grundsätzliches Mißtrauen gegenüber WWE Inc. angebracht. Natürlich kann er bei Vince McMahon deutlich mehr verdienen als bei Dixie Carter. Und eventuell mag er auch in der Lage sein, ein reduziertes Arbeitspensum durchzusetzen. Doch wenn er in die Vergangenheit schaut, sollte ihm auffallen, dass Vince McMahon nicht willens oder in der Lage war, "fremde" Stars erfolgreich in seine Promotion zu integrieren und sie im Sinne des Geschäfts zu nutzen. Wie bitter war es, als Goldberg bei WWE ein neues Gimmick bekam und plötzlich von Goldust eine Perücke auf dem Kopf gesetzt bekam? Bryan Alvarez fragte sich zurecht, wieviel Geld man in dieser einen Szene wohl verbrannt hat.
Und auch das nWo-Konzept, dass Vince McMahon Anfang 2002 aufnahm, hätte ein lockerer Selbstläufer sein können. Doch man entschied sich, Hall, Nash & Hogan als Witzfiguren darzustellen und so floppte das Thema nWO bei WWE. Sting mag auch das komplett gescheiterte Invasion-Konzept aus 2001 noch in Erinnerung haben, bei dem alle WCW-Stars, inklusive des amtierenden Champion Booker T, wie die letzten Vollpfosten gebookt wurden und dabei verjobbt wurden.
Was kann Sting also von WWE Inc. erwarten? Eine Altherren-Fehde gegen den Undertaker? Einen Job für John Cena oder Edge machen? Ich glaube, aus kreativer Sicht könnte Sting im McMahon-Land verloren sein. Sting hat sich aber nichts mehr zu beweisen. Finanziell hat "Real Estate Steve" ausgesorgt, im Wrestlingring hat er alles erreicht. Für die ganz großen Erfolge bei WWE Inc. ist er, und das ist ihm hoffentlich bewußt, inzwischen zu alt und nicht mehr auf dem notwendigen Leistungslevel.
Daher kann es für Sting nur noch darum gehen, einen Weg zu finden, diese großartige Karriere zu einem würdigen Ende zu bringen. Und das geht meiner Meinung nach besser bei TNA, wo er große Chancen hat, mit einem großen Match und einem PPV-Main-Event von der großen Bühne abzutreten.
Deshalb hoffe ich, dass an den vielen Gerüchten der letzten Wochen nichts dran ist.
Auswertung Royal Rumble
Der Rumble ist vorbei, doch ich komme erst jetzt zur Auswertung der Tipps.
| Match | Magnus | Muerte | Marcus |
|---|---|---|---|
| Miz vs. Orton | |||
| Edge vs. Ziggler | |||
| Diva´s Championship | |||
| Royal Rumble |
Muertes Aussagen habe ich mal zu seinen Gunsten ausgelegt, so dass man nur herzlich gratulieren kann. Da er den Rumble-Sieger vorausgesagt hat, ist der Sieg auch mehr als verdient. Magnus hat sich wie immer wacker geschlagen, während ich.. Ach, lassen wir das.
Matt “Freaking” Hardy?!
TNA hat sich einmal mehr als WWE-Resterampe verdingt und beim gestrigen PPV Matt Hardy als Überraschungsgegner für Rob Van Dam präsentiert. Als hätte man nichts aus der Vergangenheit gelernt, gibt man einem etablierten Wrestler, der es in zehn WWE-Jahren nicht geschafft hat, bei den Fans over zu werden, einen Spot in der Promotion, anstatt frische Gesichter einzuführen.
Wie ich schon bei seiner Entlassung geschrieben habe, war Matt der Marty Jannetty der Hardy Boys. Während sein Bruder nach dem Split den Weg zur Spitze und in die Herzen der Fans gefunden hat, versank Jeff Matt in der Midcard. Es gab nur einen kurzen Moment, aus dem vielleicht eine Karriereschub hätte werden können. Damals verliess Lita ihren Freund Matt Hardy für Edge. Dies war eigentlich ein Ereignis aus dem wahren Leben, wurde aber für eine Wrestlingsstoryline genutzt, um eine Fehde aufzubauen. Doch ärgerlicherweise sprang der Funken nicht über. Während Edge (mit Lita) zum Main Eventer wurde, wurde Matt zum Edel-Jobber. Bis er sich vor einigen Monaten durch äußerst ungeschickte Äußerungen quasi selbst vor die Tür setzte.
Und dieses Sinnbild eines ewigen Midcarders holt TNA. Das ergibt schlicht keinen Sinn. Matt Hardy zieht keine Fans in die Arenen, er verkauft keine T-Shirts und wegen ihm wird niemand einen PPV kaufen. Eine Reunion der Hardy Boys wäre ebenso sinnlos, denn Jeffs Zugkraft würde dadurch verschwendet. Matt hat in über zehn Jahren WWE-Präsenz nicht den finalen Schritt geschafft, er wird mit Mitte 30 sich auch nicht neu erfinden können, daher ist diese Personalie weder eine Investition in die Zukunft noch eine Investition für einen kurzfristigen Erfolg.
Wenn ich über Matt Hardy nachdenke, fällt mir immer nur ein großer Moment ein, bei dem er dummerweise selbst gar nicht anwesend war. Es war beim 2005er PPV "One Night Stand", als Paul Heyman zu Edge folgendes sagte:
"I got two words for you - Matt 'Freaking' Hardy!"
Damit dürfte alles gesagt sein.
Force of January?!
Vor einem Jahr startete das Wrestlingjahr 2010 mit einem Montagskrieg zwischen TNA und WWE. Am 4. Januar 2010 war es eine einmalige Angelegenheit, doch gut zwei Monate später versuchte sich TNA am regelmäßigen Montagsduell - und verlor derart kräftig, das man wenig später wieder zurück auf den Donnerstag wechselte.
Schaut man auf das Jahr 2010 zurück, stellt man etwas erschreckt fest, dass der allgemeine Erfolg des Wrestlings in den USA stagniert. Das scheint schwer begreiflich, gibt es doch mit WWE und TNA gleich zwei starke Promotions, wobei TNA durch das Engagement von Hulk Hogan und Eric Bischoff ganz klar Ambitionen zeigte.
Das Ergebnis von TNA ist ernüchternd. Im Vergleich zum Vorjahr verlor man sogar leicht Zuschauer. Dies ist sicherlich auf die dämliche Entscheidung, während der Road to Wrestlemania direkt gegen RAW anzutreten, zurückzuführen. Aber auch auf dem angestammten Donnerstag waren die Ratings zuletzt nur bedingt erfolgreich, was wohl auf ein sprunghaftes Booking zurückzuführen ist.
Für TNA war 2010 also ein eher verschenktes Jahr, denn ärgerlicherweise setzte man 2010 vornehmend auf etablierte Stars und brachte kaum neue Wrestler ins Rampenlicht. Dummerweise liest man regelmäßig, dass durch die hohen Personalkosten der finanzielle Erfolg ausgeblieben ist, so dass es für TNA keine gute Bilanz zu ziehen gibt.
WWE kann sich sicherlich auch nicht über gute Zahlen freuen. Die Ratings sanken im Vergleich zu den Vorjahren und auch bei den PPV-Zahlen gab es nichts Gutes zu vermelden. Doch immerhin kann WWE auch einiges aus 2010 mitnehmen. Man machte aus der Not eine Tugend und etablierte viele neue Gesichter im Main Event, so dass die langen Ausfälle vieler Wrestler zwar auffielen, aber weitesgehend kompensiert wurde. Vince McMahon darf 2010 zwar nicht als gutes Jahr bezeichnen, aber wenn man es als Investition in die Zukunft auffasst, können die reinen Zahlen in den Hintergrund treten.
So bleibt ein Jahr nach dem Montagskrieg vom 4. Januar 2010 zu vermelden, dass keine der beiden beteiligten Promotions die "Force of January" nutzen konnte, um in 2010 große Erfolge zu erzielen.
Hoffen wir also, dass Wrestling 2011 erfolgreicher wird.
Weihnachten und Wrestling
Als ich diese Tage mal im Fernsehen die Vintage Collection sah, endete diese gerade mit dem Main Event der Survivor Series 1992. Damals kämpfte der frisch zum Champion gekürte Bret Hart gegen den damaligen IC-Champion und Midcarder Shawn Michaels. Damals war die Situation um die Top-Stars der Liga etwas zerfahren - man hatte nur Namen der 80er (Flair, Savage, Warrior) zu bieten, die auch kurz vor dem Absprung standen oder momentan nicht zur Verfügung (Hogan) standen.
Für den neuen Champion Bret Hart war das keine leichte Situation, war er doch selbst gerade aus der Midcard in den Main Event gerückt. Doch statt nun von einem etablierten Top-Heel beim PPV over gebracht zu werden, musste er bei der Survivor Series 1992 gegen einen Midcarder seine erste große Titelverteidigung machen. Shawn Michaels war gut zwei Wochen vor dem PPV auf Grund der Entlassung des British Bulldogs zum IC-Champion geworden, war also bei weitem noch nicht etabliert. Die Situation für Bret Hart besserte sich beim nächsten PPV nicht wirklich, sein Gegner wurde Razor Ramon (Scott Hall), der gerade mal ein paar Monate in der WWF war und nur kurz Main-Event-Luft schnuppern durfte. Parallel zu diesen Ereignissen baute Vince McMahon mit Yokozuna einen Monster-Heel auf, damit er seine Top-Faces stärken konnte. Das war schon eine spannende Zeit damals, als das Wrestling langsam in Richtung Neuzeit marschierte.
Aber was erzähle ich das alles?
Eigentlich wollte ich nur sagen, dass am Ende der erfolgreichen Titelverteidigung niemand anderes als der Weihnachtsmann mit Bret Hart feierte. Und wir wundern uns manchmal, warum die Leute Wrestling belächeln.
In diesem Sinne: frohe Weihnachten.
Lieblingswrestler
Habt ihr auch Lieblinsgwrestler?
Ich habe über die vielen Jahre hinweg einige Wrestler in mein Herz geschlossen, die ich immer wieder gerne sehe. Ich würde euch gerne drei dieser Favoriten hier nennen.
Bret "The Hitman" Hart
Als ich mit dem Wrestling anfing, war Bret Hart gerade das Top-Face der WWF. Da fand ich ihn eigentlich gar nicht so besonders. So richtig interessant wurde der Hitman erst, als die WWF auf andere Karten setzten. Während Shawn Michaels, Diesel und später Steve Austin ihn rechts überholten, lieferte Bret Hart im Ring klasse Leistungen ab und entwickelte sich zum interessanten Charakter mit mehreren Facetten. Leider war diese tolle Phase, in der ich den Hitman für eine der spannendsten Figuren des Wrestlings hielt, sehr schnell vorbei. Der Wechsel zur WCW war ein Fehler, da er dort nie vernünftig bzw. konsequent eingesetzt wurde.
The Ultimate Warrior
Ich bin sicherlich einer der größten Kritiker des Warriors, aber ich kann mich nicht der Atmosphäre entziehen, die der Warrior verbreitete. Wenn die wummernde Musik ertönte und Jim Hellwig zum Ring rannte, an den Seilen schüttelte und mit dem Kopf wackelt - das war genial. Ich erinnere mich immer wieder gerne an Wrestlemania XII, als der Warrior sein Comeback feierte. Oder auch an Wrestlemania VI, als der Warrior durch ein durchgeskriptetes Match geführt wurde, das richtig ansehnlich war. Auch ein stark overbooktes Match wie beim SummerSlam 92 kam den limitierten Fähigkeiten des Warriors entgegen. Egal, wie schlecht seine Promos waren, egal, wie bescheuert Jim Hellwig im echten Leben ist und auch egal, wie maximal unterdurchschnittlich seine In-Ring-Fähigkeiten waren - die Warrior-Atmosphäre ist bis heute unerreicht.
Sting
Der ehemalige Tag-Team-Partner des Ultimate Warriors ist einer der wenigen Wrestler, der mich in seiner Hochphase beeindruckt hat. Auch wenn Sting sicherlich hervorragende Promos halten kann und im Ring durchaus gut zu nennen ist, so war seine Phase 1996/1997 genial. Der Gimmickwechsel vom bunten Sting zum The-Crow-Rächer wurde perfekt inszeniert und Steve Borden setzte das Ganze toll um. Vielleicht war dies die letzte richtig groß aufgezogene Fehde des Wrestlinggeschäfts. Auf jeden Fall sehe ich seit dieser Zeit Sting sehr gerne, auch wenn er sich durch das Vermischen seiner Charaktere ein wenig von der Faszination genommen hat.
Und?
Habt ihr auch Lieblinsgwrestler?
Awesome!
WWE Inc. ist das Wagnis eingegangen und hat The Miz zum Champion gemacht.
Ohne jede Frage hat The Miz sich diesen Titel erarbeitet. Er ist am Mikrofon wohl der momentan Beste, der bei WWE zu sehen ist. Auch im Ring haben sich seine Leistungen in den letzten Monaten und Jahren gesteigert, daher war der Titel ein durchaus logischer Schritt. Begünstigt wurde The Miz sicherlich durch die Tatsache, dass WWE momentan nicht viele etablierte Main-Eventer, die voll einsatzfähig sind.
Weshalb ich trotzdem über diesen Schritt verwundert bin, sind folgende Überlegungen. Da wäre das äußere Erscheinungsbild von The Miz. So unterhaltsam er ist, äußerlich ist er lediglich ein durchschnittlicher Superstar. Er hat weder die Stereoid-Arme eines John Cena noch die besondere Optik eines Sheamus. Er sieht sehr durchschnittlich aus, was irgendwie nicht so in das WWE-Schema paßt.
Und dann wäre da noch die Tatsache, dass mit The Miz wieder mal ein Cash-In des Money-in-the-bank-Koffers erfolgreich war. So langsam wird man doch auch bei WWE Inc. merken, dass das Konzept unglaubwürdig und berechenbar wird, wenn jeder Sieger dieser Matchart erfolgreich seinen Koffer einlöst. Und genau in diese Richtung gingen ja einige Gerüchte der letzten Wochen, nämlich dass The Miz der erste Einlöser werden sollte, der als Verlierer den Ring verläßt. Aus welchen Gründen auch immer man sicher anders entschieden hat, es setzt die Verantwortlichen unter Druck für die Zukunft.
Jetzt bleibt nur für The Miz zu hoffen, dass das Vertrauen in ihn nicht allzu schnell schwindet und er seine Chance bekommt, sich dauerhaft im Main Event festzusetzen.
Ultimate Fighting
Vergangenes Wochenende war ich nicht nur am Freitag bei der Houseshow der WWE in Köln, sondern habe auch am Samstag UFC 122 in Köln besucht.
Ich habe lange überlegt, ob ich auch hier einen Bericht schreiben soll. Viele Wrestlingseiten zeigen ja auch ein großes Interesse an MMA, besonders seitdem Brock Lesnar für UFC ins Oktagon steigt. Klar, eine gewisse Verwandtschaft kann man zwischen Wrestling und MMA sehen, aber so recht passen beide Bereiche in meinen Augen nicht zusammen, was ich auch als Fazit aus den beiden Abenden des vergangenen Wochenendes mitnehmen kann.
Wrestling ist eine große Show. Die Kämpfe sind abgesprochen, das ganze Produkt zielt auf eine kurzweilige Unterhaltung ab, während MMA nun einmal Sport ist. Sport ist unberechenbar in seinem Ablauf und kann nun einmal, die Fans des 1. FC Köln werden es bestätigen können, auch langatmig und ununterhaltend sein. Beim Wrestling darf ich erwarten, dass der komplette Abend auf mein Vergnügen ausgerichtet ist, während ich beim Sport auf gute Unterhaltung hoffen darf, aber mehr auch nicht. Daher sind dies für mich zwei Interessensbereiche, die ich voneinander getrennt betrachte.
Wer sich allerdings trotzdem für meine Meinung zu UFC 122 interessiert, kann diese hier nachlesen.