Was für Zeiten..

In welch tollen Zeiten leben wir Wrestlingfans momentan eigentlich?

Ich bin ja immer und gerne ein Kritiker des aktuellen Stands des Pro-Wrestling westlicher Prägung gewesen, aber die letzten Jahre und Monate haben mich ein Stück weit umdenken lassen.

Über WWE und TNA habe ich mich in den letzten Jahren immer wieder geäußert. TNA hat seine Chance, WWE Paroli zu bieten, deutlich vertan, man machte den alten WCW-Fehler und orientierte sich zu sehr am Marktführer. Anders aber als die WCW kaufte man vornehmlich Mid-Carder der WWE auf, die das Produkt TNA nicht vorwärts gebracht haben.

Für mich ein positiver Wendepunkt war der Start von „Lucha Underground“. Anders als vor vielen Jahren bei MTV hat für mich das Staffelkonzept durchaus funktioniert. Lucha Underground hat es geschickt geschafft, dem geneigten Zuschauer viele neue Gesichter zu präsentieren und wirklich gutes Wrestling zu zeigen. Dabei fand ich insbesondere Staffel 1 stark, die gar nicht so sehr auf irgendwelche obskuren Geschichten um wiedergeborene Götter und ähnliches fokussierte, sondern einfach tolle In-Ring-Action bot.

Dass Lucha Underground am Ende nur auf vier Staffeln kam, ist schade, aber vielleicht gleichzeitig eine gute Sache für uns Fans. Plötzlich waren ein paar Dutzend etablierte Gesichter auf dem Markt, die nicht alle bei WWE unterkommen konnten.

Impact Wrestling, ehemals TNA, nutzte das perfekt aus und übernahm einen großen Teil des Lucha-Underground-Kaders. Diese Runderneuerung tat Impact mehr als gut, inzwischen ist die Sendung wieder halbwegs gut zu sehen. Die meisten der Alt-Stars und ewigen Mid-Carder sind raus, einzig eine seltsame ECW-Nostalgie muss man Impact Wrestling noch ankreiden.

Und dann ist da noch AEW.

AEW ist aus zwei Großveranstaltungen der Indy-Szene hervorgegangen, die unter Federführung von Cody und den Young Bucks durchgeführt worden. Der absolute Erfolg dieser Shows und die Möglichkeit, mit Tony Khan einen finanzstarken Partner zu haben, hat quasi aus dem Nichts einen mehr als ernsthaften Konkurrenten für WWE Inc. produziert. Auch bei AEW finden sich einige Teil des Kaders von Lucha Underground wieder, daneben sind mit Jon Moxley, PAC und vor allem Chris Jericho einige aus WWE-Zeiten sehr bekannte Gesichter an Bord, die als Zugpferde und Steigbügelhalter fungieren. Und wenn man sich das Produkt anschaut: das ist schon stark, was da geboten wird.

Fast schon ein wenig verloren hat dabei Ring of Honor (ROH), denen teilweise die Stars Richtung AEW/WWE/Impact abgegangen sind. Gleichzeitig konnte ROH nicht die Medienpräsenz erhöhen, so dass man zwar weiter ein tolles Produkt hat, aber doch Gefahr läuft, immer mehr ins Hintertreffen zu geraten, weil die anderen Organisationen bei besserer Medienabdeckung immer bessere Produkte abliefern.

WWE Inc. tut sich schwer mit der neuen Situation, versucht aber offenbar, das Ruder wieder an sich zu reißen. Mit NXT versuchte man ein eigenes Produkt gegen AEW zu setzen, was bisher gewaltig schief gegangen ist. AEW hat die Ratings klar dominiert, NXT muss noch einiges tun. Aber man tut was: NXT stürmt die Hauptsendungen der WWE und verschafft sich so Interesse. Ob das was bringt, weiß ich nicht, spannend ist es allemal.

Und in all dem Tumult kommt die gute NWA daher und liefert mit „Powerrr!“ ein neues Format bei YouTube ab, das absolut retro gehalten ist und mein Wrestlingherz im Sturm erobert hat. Selbst die Fake-Werbung ist im Stil der 80er gehalten. Schaut euch dieses herrliche Format an.

Bei diesen vielen tollen Angeboten an Wrestlingshows kann man ja nur begeistert sein. Ich für meinen Teil genieße diese Zeit der vielfältigen, innovativen und unterhaltsamen Programme. Wer weiß, wie lange diese Zeit noch anhält..

Posted Dienstag, November 5th, 2019 under Kommentare.

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