The Immortal ist tot
Samstag 26 Juli 2025 - Filed under Kommentare
Eine traurige Nachricht unterbricht die Ruhe auf dieser Seite: Hulk Hogan ist gestorben. Im Alter von 71 Jahren erlag der unsterbliche Hulkster einem Herzinfarkt, nachdem in den Wochen zuvor schon beunruhigende Gerüchte über seinen Gesundheitszustand die Runde machten.
Ich glaube, man kann schwer in Worte fassen, welche Bedeutung die Figur Hulk Hogan für das professionelle Wrestling der Moderne hat. Wie viele andere vor mir kann ich nur unterstreichen, dass dieses weltweite Phänomen ohne die Figur des gelb-roten Patrioten vielleicht nicht existieren würde. Letztlich wäre auch der Verfasser dieser Zeilen in den 90ern nicht Fan der sportlichen Unterhaltung geworden, wenn die damalige WWF mit dem Zugpferd Hulk Hogan nicht ihren Weg über den großen Teich gefunden hätte. Die 80er mit ihrem Aufstieg des Wrestlings in den Mainstream sind untrennbar mit der Figur Hulk Hogan verbunden. Eine glückliche Fügung des Schicksals sorgte dafür, dass Hulk Hogan am Wendepunkt des Wrestlings Mitte der 90er noch einmal eine zentrale Figur war, als er mit Scott Hall und Kevin Nash die nWo bildete und so einen langsamen Abstieg des Wrestlings wieder Aufschwung gab.
Leider ist es wie so häufig, dass Künstler und Kunst manchmal schwer zu trennen sind. Gerade Terry Bollea, der Mensch hinter der Kunstfigur Hulk Hogan, hat vieles getan, dass diese Grenzen nicht mehr klar sind. Nicht nur, dass er die Rechte an diesem Kunstnamen besaß, auch durch Reality-Formate wie Hogan knows best sorgte er dafür, dass die Grenze zwischen dem Künstler Terry Bollea und der Figur Hulk Hogan verwischten. Seine kreative Kontrolle über den Charakter Hulk Hogan ist ein gutes Beispiel dafür. Den Schutz, den Bollea dem Konstrukt Hulk Hogan so geben wollte, verführte ihn dazu, der WCW im weiteren Verlauf mehr zu schaden als zu helfen (Fingertip of Doom).
Und leider muss man auch festhalten, dass der Mensch hinter dem Idealbild Hulk Hogan in vielerlei Hinsicht nicht nur fehlbar (Sex-Tape-Skandal, Scheidungen), sondern auch hochgradig unangenehm war (rassistische Äußerungen, Unterstützung eines faschistischen Politikers). Diese fehlende Trennung zwischen Bollea und Hogan führte dann bei seinem letzten RAW-Auftritt zu einem Pfeifkonzert gegen den Hulkster.
Aber davon ab finde ich es bedauerlich, dass der Wrestler Hulk Hogan nie das Abschiedsmatch hatte, dass einem Star seines Kalibers würdig wäre. Das letzte Mal trat er in einem Six-Man-Tag-Match bei einer Houseshow auf, sein letztes übertragenes Match war eine Niederlage bei TNA gegen Sting. Vielleicht hätte ein besserer Abschluss dieses Kapitels auch dabei geholfen, die Kunstfigur und den Künstler besser zu trennen.
Bei all diesen Überlegungen bleibt aber die Trauer um eine der wichtigsten Figuren der Wrestlinggeschichte. Ohne Hulk Hogan wäre Wrestling nicht dort, wo es jetzt ist. Und dafür sollten wir trotz einiger komplexer Kontroversen dankbar sein und uns daran erinnern.
2025-07-26 » marcus